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    „Bedauerlicher Fehler“

    Das eigene Auto einfach abgemeldet: Johannes Gatterer aus Sexten hat durch Zufall erfahren, dass sein PKW seit zwei Monaten nicht mehr gemeldet ist. Beim ACI gesteht man den Fehler ein. Aber was, wenn ein Unfall passiert wäre?

    von Silke Hinterwaldner

    Da staunte Johannes Gatterer nicht schlecht. Der Mann aus Sexten wollte sein vier Jahre altes Auto für die anstehende Revision in der Werkstatt abgeben – aber der Mechaniker reagierte nach einem schnellen Blick in den Computer mit einem Kopfschütteln: „Geht leider nicht, das Auto ist seit Juni abgemeldet.“

    Wie kann das sein? Wie kann der eigene PKW als abgemeldet aufscheinen, während der Besitzer damit munter durch die Gegend fährt?

    Aber der Reihe nach: Johannes Gatterer war vor einer Woche zu seiner Werkstatt gefahren, um die Revision in Auftrag zu geben. Als der Mechaniker ihm mitteilte, dass das Auto seit dem 29. Juni als abgemeldet aufscheine, wunderte sich der Fahrzeughalter verständlicherweise. Er wandte sich an eine Agentur, die sich um Fahrzeugangelegenheiten kümmert, um in Erfahrung zu bringen, wie er sich aus der misslichen Lage wieder befreien könnte.

    Dort stellt man einen Kontakt mit der zuständigen Behörde, dem ACI, Automobilklub Bozen, her. Nachdem man die Unterlagen überprüft hatte, war schnell klar, dass sich der Fehlerteufel eingeschlichen hatte.

    Das heißt: Ein anderer Fahrzeughalter hatte Ende Juni seinen Wagen ins Ausland, genauer gesagt nach Rumänien, verkauft und ihn deshalb beim ACI in Bozen abmelden lassen. Irgendwo in der Genehmigungskette hat jemand ein S in der Kenntafel mit einem E vertauscht. Und schon war das Malheur passiert. Nicht das Auto des Mannes in Bozen wurde abgemeldet, sondern jenes von Johannes Gatterer in Sexten.

    Gatterer fuhr aber nichtsahnend weiter mit seinem PKW durch die Gegend. „Nur durch Zufall“, sagt er, „bin ich jetzt draufgekommen, dass es diesen Fehler gab.“ Und er fragt sich: „Was, wenn es einen schweren Unfall gegeben hätte? Was, wenn etwas mit dem nicht angemeldeten PKW passiert wäre?“

    Nicht auszudenken.

    Eigentlich ist das Abmelden eines PKW eine umständliche Angelegenheit. Es müssen mehrere Schritte durchlaufen werden, die Fehler oder Betrug unmöglich machen sollen. Das heißt: Wer sein Auto abmeldet, muss beim ACI oder bei einer autorisierten Agentur nicht nur Ausweis und Führerschein vorweisen, er muss auch den Besitzschein und die Kenntafel, in Südtirol am liebsten Targa genannt, abgeben.

    Im Fall von Johannes Gatterer hat jemand anderes beim ACI angegeben, dass ein Wagen mit beinahe identischem Kennzeichen nach Rumänien verkauft werden sollte und deshalb in Italien abgemeldet werden müsse.

    Das Problem dabei: Hier erledigt eine wieder andere Behörde, die für den Verkauf ins Ausland zuständig ist, die meiste Arbeit. Deshalb musste der Mann in Bozen auch die Targa nicht abgeben. Im Fall von Gatterer hat dann ein Beamter ein S anstatt eines E eingetippt und damit das Auto aus Sexten abgemeldet.

    „Hier ist ein bedauerlicher Fehler unterlaufen“, sagt Anna Luisa Aiello, Leiterin des ACI-Büros in Bozen, „wir haben ihn umgehend richtig gestellt.“ Das heißt: Geht es nach Aiello, kann Johannes Gatterer die Revision sofort durchführen lassen und dann sein Auto wieder benützen, als wäre nie etwas geschehen.

    In der Zwischenzeit hat sich Gatterer bereits bei den Carabinieri erkundigt, was in seinem Fall zu tun sei. Aber auch dort reagiert man mit Ratlosigkeit: Genauso wie bei allen anderen Anlaufstellen sagen auch die Carabinieri, dass ihnen ein so gelagerter Fall noch nicht untergekommen sei.

    Blöd für Johannes Gatterer, gut für alle anderen Autofahrer. „Hier wollte bestimmt niemand jemand anderem bewusst einen Schaden zufügen“, erklärt Anna Luisa Aiello, „es ist klar nachzuvollziehen, dass ein Fehler passiert ist. Dem Herrn Gatterer wäre in keinem Fall ein Schaden entstanden.“ Er muss halt ein paar Tage länger auf sein Auto warten.

     

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