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    Südtirol ohne Tourismus?

    Die Handelskammer Bozen reagiert auf die ASTAT-Studie zu den Umweltfolgen des Tourismus und stellt die Frage, was Südtirol ohne seinen Tourismus wäre.

    In der Aussendung des Landesstatistikinstitut ASTAT vom Donnerstag, die den Titel „Tourismus und Umwelt“ trägt, wird die Belastung für die Umwelt durch den Tourismus in Südtirol untersucht. „Je mehr Touristen, desto größer die Umweltbelastung, je weniger Gäste desto umweltschonender, ist der einfache Schluss“, schreibt die Handelskammer Bozen in einer Aussendung.

    Eine Frage werfe sich jedoch in diesem Zusammenhang auf: „Was wäre Südtirol ohne seinen Tourismus?“

    Die Handelskammer schreibt:

    „Wir haben uns an die guten Zahlen des Südtiroler Tourismussektors gewöhnt: Über 10.000 Beherbergungsbetriebe, 220.000 Betten, sieben Millionen Ankünfte und mehr als 31 Millionen Übernachtungen im Jahr. Doch das war nicht immer so. Nach den ersten touristischen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts und in der Zwischenkriegszeit, war das Gastgewerbe in Südtirol nach dem zweiten Weltkrieg am Boden.

    Dies ging mit Armut und Abwanderung vor allem aus den ländlichen Gebieten einher. Der touristische Aufschwung setzte in den siebziger Jahren ein und mit ihm stieg der Wohlstand der Südtiroler Bevölkerung.

    Ein gesunder Tourismus generiert Wertschöpfung, erhöht die Einkommen, sichert Arbeitsplätze und bringt Wohlstand, vor allem im ländlichen Raum. Der heimische Tourismus besteht fast ausschließlich aus Familienbetrieben und vereinzelt aus großen Strukturen. Dies fördert die dezentrale Kapitalbildung und die Stärkung des ländlichen Raums.

    Eine weitere Charakteristik ist die Zusammenarbeit des Tourismus mit der Landwirtschaft. Durch Initiativen wie dem Urlaub auf dem Bauernhof haben viele landwirtschaftliche Betriebe einen Nebenerwerb und können ihre Höfe halten. Auch heute werden durch touristische Konzepte Maßnahmen gesetzt, um der Abwanderung aus den peripheren Gebieten entgegen zu wirken, zum Beispiel durch den Verein Plattform Land.“

    Handelskammerpräsident Michl Ebner sagt: „Im Tourismus auf Qualität und nicht auf Masse zu setzen, macht Sinn. Den Südtiroler Tourismus aber als einzige Umweltbelastung darzustellen, ohne die wir besser dran sind, ist kurzsichtig und respektlos gegenüber all jenen, die in diesem Bereich arbeiten und von und für ihn leben.“

    Schließlich dürfe nicht vergessen werden, „dass wir es vor allem auch dem heimischen Tourismus verdanken, dass wir die letzte Wirtschaftskrise relativ gut überstanden haben. In den Nachbarprovinzen schaut das anders aus.“

    Durch die Diversifikation und die enge Vernetzung der einzelnen Sektoren sei die Südtiroler Wirtschaft solide. Der Tourismus sei eng verknüpft mit dem heimischen Nahrungs- und Genussmittelsektor, dem Groß- und Einzelhandel, dem Handwerk und der Landwirtschaft.

    14 Prozent der Beschäftigten (36.400 Mitarbeiter in Vollzeitäquivalenten) und elf Prozent der Wertschöpfung von zwei Milliarden Euro im Jahr sind auf den Tourismus zurückzuführen.

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    Kommentare (4)

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    • drago

      „Ein gesunder Tourismus generiert Wertschöpfung“ und damit sind ja wohl die meisten einverstanden. Die Frage ist, ab wann der Tourismus „ungesund“ wird. Interessant ist, dass zwar von HGV und Co. immer wieder betont wird, dass Südtirols Tourismus ja nicht auf Masse (und Preiskampf) setzen darf, aber andrerseits die Schigebiete immer größer werden sollen, also mehr Masse. Andrerseits kann man den Schigebieten aber nicht unterstellen, dass sie auf Preiskampf setzen. Also doch wieder alles gut.

    • perikles

      Man sollte mal daran denken , was Südtirol ohne die Handelskammer und sonstige Bürokratenapparate wäre bzw. welche Kräfte dabei frei würden.

    • sepp

      Perikles konn i ir lei recht geben und ohne ebner hätte die landeskammer mehr Geld könnte das gehalt gespart werden

    • yannis

      >>>14 Prozent der Beschäftigten (36.400 Mitarbeiter in Vollzeitäquivalenten)<<<

      und wieviel Prozent dieser "Beschäftigten" sind Gastarbeiter ? ergo der Südtiroler Arbeitnehmerschaft keinen Job sichern.

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