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    „Nicht so dramatisch“

    im kleinen Bild Markus Kofler

    Das Amt für Arbeitsmarktbeobachtung warnt vor einem zu schnellen Wachstum im Baugewerbe. Es könne umso schneller zur nächsten Krise kommen. Das Kollegium der Bauunternehmer bleibt gelassen.

    von Heinrich Schwarz

    Seit über einem Jahr geht es beim langjährigen Sorgenkind namens Baugewerbe nun schon aufwärts. Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen zeigen eine durchschnittliche Zunahme der Beschäftigten von rund vier Prozent in den letzten sechs Monaten. In der Bauindustrie – also bei den Großprojekten – gab es im März und April sogar ein Wachstum von mehr als sechs Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat.

    So gut das nach vielen Jahren des Leidens mit Konkursen, Firmenschließungen und Massenentlassungen auch klingen mag: Beim Amt für Arbeitsmarktbeobachtung ist man nicht ohne Sorge. „Solche Wachstumszahlen sind in bestimmten Branchen zu viel des Guten. Wenn es zu steil nach oben geht, kann das Ganze auch umso schneller wieder zusammenbrechen, falls die Investitionen plötzlich wegfallen“, sagte Direktor Stefan Luther vor kurzem gegenüber der TAGESZEITUNG.

    Es bestehe also die Gefahr einer Blasenbildung. Wann eine solche platzt, ist natürlich nicht vorhersehbar. „Das kann mittelfristig oder auch langfristig passieren“, so Luther.

    Markus Kofler, Präsident des Kollegiums der Bauunternehmer, bleibt gelassen: „Ganz so dramatisch sehe ich die Situation nicht. Es ist wahr, dass der Aufwärtstrend anhält, weil etwa im Burggrafenamt und im Pustertal der Tourismus ein enormes Zugpferd im Hochbau ist. Aber man ist weit weit weg von den Kapazitäten, die man vor der Krise hatte. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass es bald wieder einen dramatischen Einbruch geben wird – auch wenn jetzt natürlich in gewissen Bereichen Investitionen getätigt werden, die vorher jahrelang ausblieben.“

    Beschäftigte im Bauwesen; Veränderung zum Vorjahresmonat
    Quelle: Amt für Arbeitsmarktbeobachtung

    Kofler geht davon aus, dass es in den nächsten Jahren einen konstanten Aufwärtstrend geben wird. „Im Großraum Bozen etwa stehen große Infrastrukturprojekte an. Unabhängig vom Tourismus braucht Südtirol weiterhin moderne Infrastrukturen, wenn das Land wettbewerbsfähig sein will“, meint der Chef der Bauunternehmer.

    Er erhofft sich deshalb auch höhere Investitionen vonseiten der öffentlichen Hand. Die Ausschreibungen der Meraner Nordwest-Umfahrung, der Gadertaler Einfahrt und es Mittelanschlusses in Brixen seien schon mal positive Signale. Im Hochbau warten die Unternehmer bereits sehnsüchtig auf Bauten wie das Bibliothekszentrum.

    „Insgesamt jedenfalls“, betont Markus Kofler, „wird jetzt im Verhältnis zum Budget von vor 20 Jahren weniger investiert.“

    Er geht auch nicht davon aus, dass es im Baugewerbe eine Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau geben wird. Dafür seien die geleisteten Arbeitsstunden bis zum Jahr 2015 mit weit über 30 Prozent zu stark eingebrochen.

    Was die Arbeitsplätze anbelangt, so zählte die Bauindustrie zu den besten Zeiten im Oktober 2017 insgesamt 8.900 Beschäftigte, das Bauhandwerk 9.500. Acht Jahre später waren es nur noch 7.000 bzw. 8.270 Beschäftigte.

    Seit der Trendwende ist die Bauindustrie inzwischen wieder bei 7.500 Beschäftigten angelangt, das Bauhandwerk bei 8.600. Es wäre theoretisch also noch viel Luft nach oben.

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