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Verschobene Matura-Reform

achammer-maturaDie neue Matura kommt – aber doch etwas später als erwartet. Der Ministerrat hat entschieden, dass die neue Matura erst im Jahr 2019 kommt. Die Neuerungen.

Am Freitag hat der Ministerrat in Rom das Dekret „Buona scuola bis“ genehmigt und damit die neue Matura endgültig auf den Weg gebracht. Allerdings später, als bisher angenommen. Der Ministerrat hat festgelegt, das die neue Matura ab dem Schuljahr 2018/19 kommt und nicht wie bisher angenommen bereits im kommenden Schuljahr. Die ersten Schüler, die damit eine neue Maturaprüfung schreiben werden, besuchen derzeit die dritte Oberschulklasse. „Diese Reform beinhaltet eine wesentliche Verbesserung der Qualität unserer Schule. Die Arbeit an der Schulreform, die wir vor zwei Jahren begonnen haben, können nun gut abgeschlossen werden“, erklärte Ministerpräsident Paolo Gentiloni.

Landesrat Philipp Achammer wertet diese Verschiebung in erster Linie positiv: „Die Regierung hat damit einfach mehr Zeit für die Vorbereitung eingeplant und damit kann man vermeiden, dass etwas überstürzt wird“, erklärt Landesrat Achammer. Sicher bringe dies auch zusätzliche Unsicherheit mit sich, da sowohl Schüler als auch Lehrer bereits im kommenden Schuljahr mit den Neuerungen gerechnet hatten, aber dennoch sei diese Lösung idealer, um eine ausgereifte neue Matura einführen zu können.

Auch für Südtirol bedeutet diese Verschiebung mehr Zeit um sich auf die neue Matura vorzubereiten und einzustellen. „Wir warten seit März auf dieses Dekret und hoffen, dass uns dieses nun rasch zugeschickt wird. Erst dann können wir tätig werden, um über Durchführungsverordnungen die Zweitsprache in die Maturaprüfung zu integrieren“, erklärt Philipp Achammer.

Die wichtigsten Matura-Neuerungen: Es wird nicht mehr drei, sondern nur noch zwei schriftliche Prüfungen geben. Für die Zulassung zur Abschlussprüfung ist eine positive Zeugnisnote in allen Fächern erforderlich. In Ausnahmefällen kann die Kommission einen Schüler oder eine Schülerin mit einer 5, also einer negativen Bewertung, zur Prüfung zulassen, allerdings werden die gesammelten Matura-Punkte in diesem Fall für das entsprechende Jahr reduziert. Auch bezüglich Punktevergabe gibt es einige Neuerungen: So können in den letzten drei Schuljahren nicht mehr nur 25 Punkte sondern ganze 40 Punkte für die Matura gesammelt werden. Für die zwei schriftlichen Prüfungen und für die mündliche Prüfung können die Schüler jeweils maximal 20 Punkte erreichen. Um zur Prüfung zugelassen zu werden – und dies ist ebenfalls neu – braucht es künftig einen bestandenen Invalsi-Test, der im Laufe des letzten Schuljahres (April oder Mai) in den Fremdsprachen und in Mathematik geschrieben werden soll.

Für Südtirol bedeuten diese Neuerungen in erster Linie, dass über eine Durchführungsbestimmung eine Prüfung für die Zweitsprache eingeführt werden muss. „Bisher wurden die Kenntnisse der Zweitsprache als Teil der dritten schriftlichen Prüfung abgefragt. Nun müssen wir prüfen, ob wir diesen Teil in die zweite Prüfung integrieren können“, so Achammer. Die Zweitsprache, also Deutsch in den italienischen Schulen und Italienisch in den deutschen Schulen, soll laut Achammer nach wie vor Bestandteil der Abschlussprüfung bleiben.

Die neue Maturaprüfung wird in Südtirol aber mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Viele Lehrpersonen sehen in der neuen Matura eine Entwertung der Abschlussprüfung, da ein großer Teil der Punkt bereits in den letzten drei Schuljahren gesammelt werden kann. „Andere Lehrer sehen diesen Umstand jedoch positiv, da durch ein deutlich höheres Schulguthaben nicht nur die punktuelle Leistung sondern die Gesamtleistung eines Schülers im Rahmen der Abschlussprüfung bewertet wird“, weiß der Landesrat. Die Diskussionen um die Schul- bzw. Maturareform sind ihm durchaus bewusst und er sieht, wie heiß diskutiert die neuen Regelungen auch in Südtirol sind. „Es gibt immer viel Pro und Contra bei Neuerungen, aber in erster Linie finden die Lehrpersonen diese ständigen Neuerungen ärgerlich“, so Achammer, „aber auch wir kritisieren diese herumgedoktore.“ Die bildungspolitischen Beweggründe seien einfach nicht klar. Zudem habe man auch kaum Vorlaufzeit bzw. Einführungszeit, wenn ständig neue Regelungen eingeführt werden. „Es ist eine ungute Geschichte, da man sich gerade auf die alte Matura gut eingestellt hatte. Jetzt müssen sich Schüler und Lehrer erneut umstellen“, sagt Achammer.

Der Landesrat und die zuständigen Ämter wollen nun umgehend aktiv werden, sobald das Dekret veröffentlicht wird. Damit die Neuerungen – auch aus Südtiroler Sicht – so bald als möglich bekannt gegeben werden können.

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