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    Pfarrei in Not

    kirche-stefan-guflerDie Last drückt schwer. Die Rechnung beim Widum-Bau in der Fraktion St. Jakob in Wiesen/Pfitsch ist nicht aufgegangen. Der Pfarrgemeinderat sitzt auf 80.000 Euro Schulden. Wer das Dilemma verursacht hat und wie man der Schuldenfalle entkommen will.

    Peter Graus redet nicht gerne darüber. Schon gar nicht möchte er, dass das Dilemma von Medien breitgetreten wird. Auf die Fragen der Tageszeitung antwortet er daher anfangs nur knapp und zögerlich. „Ja, das stimmt schon“, sagt der Präsident des Pfarrgemeinderates St. Jakob und bestätigt damit, dass sich die Pfarrei in der kleinen Fraktion der Gemeinde Wiesen/Pfitsch in einer argen finanziellen Notlage befindet.

    Aber von Anfang an: Im Jahr 2007 hat der Pfarrgemeinderat bzw. das eigens dafür gegründete Widum-Komitee in St. Jakob die Planung für den Neubau des Widums in Auftrag gegeben, 2010 folgte der Spatenstich im 300 Seelen-Dorf. „Als wir mit dem Bau begonnen haben, hatten wir die Finanzierung gesichert“, hebt Graus hervor. Das Projekt sah die Sanierung des Gebäudes und den Ausbau einer Dienstwohnung vor. „Der damalige Landeshauptmann Luis Durnwalder hatte uns seine Unterstützung zugesagt“, so Graus.

    Durch neue Entwicklungen kam man jedoch ins Straucheln: Der Mineralienclub Pfitsch kam mit der Bitte, im Parterre Räumlichkeiten für ein Museum vorzusehen. Das Projekt wurde umgeplant: In einem Teil des Stockwerkes wurde ein Versammlungsraum samt WCs für den Pfarrgemeinderat vorgesehen, die restliche Kubatur mit zwei Räumen für das Mineralienmuseum. Im ersten Stock war eine Wohnung geplant, im Dachgeschoss das Archiv für die Pfarrei und eine weitere Wohnung für einen Diakon. „Der Pfarrer hatte schon eine Person, der die Pfarreien Kematen und St. Jakob unterstützt hätte, diese hat dann aber einen Rückzieher gemacht.“

    Die Landesregierung lehnte schließlich eine Finanzierung für das Mineralienmuseum ab, der Mineralienclub zog sich zurück. Der Pfarrgemeinderat blieb auf den Schulden sitzen. „Dieser Teil ist auch noch nicht fertiggestellt“, beklagt Graus.

    Die Wohnung im ersten Stock konnte mittlerweile vermietet werden. „So mussten wir zumindest diesen Beitrag nicht zurückzahlen“, sagt Graus.

    Auch das Dachgeschoss konnte aufgrund des Geldmangels nicht mehr fertiggestellt werden. Für die konventionierte Wohnung hatte der Pfarrgemeinderat einen Vorschuss von 23.000 Euro kassiert, diesen hat das Wohnbauinstitut wieder zurückgefordert. Weil der verschuldete Pfarrgemeinderat aber nicht zahlen konnte, sprang Pfarrer Walter Prast ein, und leistete mit seiner Abfertigung als ehemaliger Lehrer einen Beitrag. „Die Summe ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, wehrt der Pfarrer ab.

    Ein großes Loch in die Kasse reißen vorwiegend die nicht ausbezahlten Landesgelder: „Die Gemeinde hätte um die zugesagten Gelder beim Land ansuchen müssen, was sich aber verzögerte. Die letzten Beiträge hat uns die Gemeinde nicht mehr ausbezahlt“, so Graus. Vermutet wird, dass man es im Rathaus versemmelt hat, rechtzeitig die Finanzierung zu beantragen. „Ich finde es nicht richtig, dass die Gemeinde uns so hängen hat lassen“, kritisiert der Pfarrgemeinderatspräsident.

    Die Pfarre hat mittlerweile 80.000 Euro Schulden und der Bau ist noch nicht mal fertiggestellt. „Natürlich drückt das schwer“, sagt Graus. Verzweifelt sucht man in der kirchlichen Organisation nun nach einem Ausweg. Verschiedene kleinere Aktionen werden initiiert, um das Schuldenloch zu stopfen. „Ideen gibt es viele, aber das sind alles nur kleine Fische“, so Graus. Von der Kurie ist keine große Unterstützung zu erwarten. „Dort hat man uns nur mitgeteilt, dass wir nicht mehr ausgeben sollen, als wir einnehmen.“

    Der Antrag, die Messgelder für die Schuldentilgung verwenden zu dürfen, wurde abgelehnt.

    Mit der Bank hat man mittlerweile vereinbart, dass die Miete für die vermietete Wohnung zur Rückzahlung des Darlehens verwendet wird. Ein Pfarrfest im Sommer ist geplant. Der angedachte Verkauf eines Grundstückes bringt laut Graus nichts: „Bis alle Steuern gezahlt sind, bleibt nichts mehr übrig.“

    Nicht nur das Darlehen, mittlerweile bereiten sogar die laufenden Ausgaben Kopfzerbrechen. Heiz- und Stromkosten für die Kirche und das Widum sowie auch der Mesner müssen bezahlt werden. „Zumindest der Kirchenchor hat sich bereiterklärt, die Kosten für den Organisten zu übernehmen. Somit sparen wir uns 600 Euro.“

    Der Pfarrgemeinderat will nochmals bei der Gemeinde anklopfen. Bürgermeister Stefan Gufler habe beim letzten Gespräch Einsicht gezeigt. „Aber es ist schwierig. Die Schulden werden immer größer, auch weil uns schon die Zinsen von 3.500 Euro jährlich auffressen. Zumindest dem Pfarrer müssen wir schon das Geld zurückzahlen. Ansonsten müssen wir uns wohl arg schämen“, so der Pfarrgemeinderatspräsident.

    Bürgermeister Gufler kann noch keine konkreten Zusagen machen: „Wir führen Gespräche mit der Pfarrgemeinde, schauen uns nun die Situation an und werden vor Ort gemeinsam Lösungen suchen. Konkrete Maßnahmen wurden noch nicht definiert.“

    Zu den Vorwürfen, dass die Gemeinde verabsäumt hätte, Ansuchen zu stellen, will er sich nicht äußern: „Das war vor meiner Amtszeit, ich kann dazu nichts sagen“, so Gufler.

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