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    Landesweite Milchquote?

    flash-milch-mit-joachim-reinalter-und-adalbert-braunhoferEinige Südtiroler Milchhöfe machen sich für eine landesweit gültige Mengenbeschränkung stark. Der Sennereiverband prüft derzeit die rechtliche Situation.

    von Heinrich Schwarz

    Gleich zwei große Südtiroler Milchhöfe – Bergmilch und Sterzing – hatten sich im Vorjahr notgedrungen überlegt, eine genossenschaftsinterne Milchmengenregulierung einzuführen. Grund war die europäische Milchkrise: Weil es eine Überproduktion gab, musste jene Milch, die nicht verarbeitet werden konnte, zu Spottpreisen verkauft werden.

    Am Ende haben die Milchhöfe die schwierigste Zeit aber doch relativ gut überstanden – auch weil die Mitglieder freiwillig weniger Milch angeliefert haben. Bergmilch Südtirol und der Milchhof Sterzing haben deshalb entschieden, keine Regulierungsmaßnahmen zu treffen.

    Trotzdem ist das Thema „Milchquote“ nicht vom Tisch. Adalbert Braunhofer, Obmann des Milchhofes Sterzing, hat beim Sennereiverband den Vorschlag bzw. Wunsch lanciert, eine südtirolweite Mengenbeschränkung einzuführen. Die maximale Menge soll dabei von der Fläche eines Betriebes abhängen. „Dies würde Nachhaltigkeit garantieren. Es ist sinnvoller, wenn für jeden Bauer dieselbe Regelung gilt“, so Braunhofer.

    In den letzten Wochen ist über das Thema zwar nicht mehr offen diskutiert worden. „Es ist aber etwas am Laufen“, sagt der Sterzinger Obmann.

    Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes (und gleichzeitig auch der Bergmilch, der größten Milchgenossenschaft des Landes), bestätigt: „Wir prüfen derzeit gemeinsam mit dem Raiffeisenverband die rechtliche Situation. Die EU-Gesetzgebung sieht einerseits vor, dass eine solche Mengenregulierung möglich ist – auf der anderen Seite gibt es aber auch die EU-Wettbewerbsregeln. Wir wollen sicherstellen, dass eine eventuelle Mengenbeschränkung Rekursen standhält.“

    Die Situation ist natürlich heikel: Bauern, die verhältnismäßig viel Milch produzieren, könnten sich geschädigt fühlen und gerichtlich gegen eine Mengenbeschränkung vorgehen.

    Auch ist noch nicht klar, ob überhaupt alle Südtiroler Milchhöfe einer Meinung sind. Daran ist stark zu zweifeln, worauf unter anderem Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler hinweist, der sich grundsätzlich als kein großer Freund einer landesweiten Milchquote zeigt (siehe weiter unten).

    Zu betonen ist, dass eine Südtiroler Milchquote nicht gesetzlich geregelt werden kann. Sie müsste auf Genossenschaftsebene über den Sennereiverband – als Dachorganisation der Milchhöfe – ausgehandelt werden.

    „Ich wäre überhaupt für eine europäische Regelung. Wären die EU-Milchquoten nicht abgeschafft worden, hätte es die Milchkrise in dieser Form gar nicht gegeben. Denn besonders in den ersten Monaten nach der Abschaffung wurde so viel produziert, dass befriedigende Preise keinesfalls möglich gewesen wären“, meint Joachim Reinalter.

    Sobald die rechtliche Lage geklärt ist und ein Modell für eine gleiche Behandlung aller Mitgliedsbauern in Südtirol gefunden wurde, will Reinalter die einzelnen Milchhöfe an einen Tisch bringen. Er selbst ist überzeugt davon, dass eine nachhaltige Milchproduktion der richtige Weg sei.

    Das sagt der Landesrat

    „Ich glaube nicht, dass eine landesweit gültige Mengenbeschränkung durchsetzbar ist, da sie nur auf freiwilliger Basis funktionieren könnte. Und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich die Milchhöfe einigen, da die Interessen doch sehr unterschiedlich sind.“ So lautet die Meinung von Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler in Bezug auf die Diskussion um eine Südtiroler Milchquote.

    Arnold Schuler

    Arnold Schuler

    Schuler sagt zudem, dass es derzeit keinen unmittelbaren Grund mehr für eine solche Regelung gebe: „Südtirols Milchwirtschaft hat die Krise mehr oder weniger unbeschadet überstanden, was der hohen Qualität der Produkte zu verdanken ist. Unsere Milchhöfe haben sich dadurch eine gute Marktposition verschaffen können.“

    Auch meint der Landesrat, dass die Milchmengen in den nächsten Jahren tendenziell eher zurückgehen werden. „Falls keine großen Betriebe entstehen, ist dies sehr wahrscheinlich. Wir haben bei der Milchleistung der Kühe irgendwo eine Grenze erreicht. Daneben führt die Einführung des flächenbezogenen Viehbesatzes schon jetzt zu einer Reduzierung des Viehbestandes. Und einige kleinere Betriebe hören mit der Milchproduktion auf“, so Schuler.

    Ebenfalls zu beachten, so der Landesrat, sei der Jahr für Jahr gestiegene Veredelungsgrad der angelieferten Milch, der gute Auszahlungspreise garantiere.

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    Kommentare (3)

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    • bernharthans

      Der Schuler hat die besste Lösung. Braunhofer kann ich nicht verstehen, die Sterzinger imporieren Milch aus Östereich und jetzt wollen sie die Südtiroler Bauern Vorschriften machen. Reinalter sollte nich so geschwollen daherreden .In Südtirol gibt es keine Überprodution das ist alles nur erfunden.
      Schuler und Noggler behaltet das Michproblem im Auge, und schaut ,dass die Südtiroler Bauern auch mit niedrigen Viehstand leben können,denn ohne Bauer geht auch das schöne Land kaputt.

      • yannis

        >>>Südtiroler Bauern auch mit niedrigen Viehstand leben können,denn ohne Bauer geht auch das schöne Land kaputt.<<<

        Genau darum geht es, es ist ein riesiger Unterschied ob ein kleiner Bergbauer von 5 oder 10 Kühen leben muss, oder einer der 50 oder mehr halten bzw. bewirtschaften kann.
        Der Milcherzeuger-Preis sollte demzufolge an die "Hofgröße" bzw. des Viehbestandes gekoppelt werden.

        Ein anständiger und fairer Preis für Kleinbetriebe, der dann ab einer gewissen Größe des Milchkuhbestandes linear abgesenkt wird.
        Dies würde auch so manchen übertriebenen und "Gülle" produzierenden Futterzukauf in Grenzen halten.

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