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    Die Klage der Erben

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    Der Streit um den Fundus des Meraner Frauenmuseums eskaliert. Die Erben von Museumsgründerin Evelyn Ortner haben nun eine  Zivilklage eingereicht.

    von Karin Gamper

    Ganz Meran spricht über das Frauenmuseum, aber dort ist niemand anzutreffen. Sissi Prader ist nicht da. Die Leiterin des Frauenmuseums hält sich dieser Tage gemeinsam mit ihrer Vorgängerin Astrid Schönweger in Mexico City auf. Die beiden nehmen dort an einer Tagung des IAWM (Internationaler Verein der Frauenmuseen) teil, die großteils von Meran aus geplant wurde. Auch Museumspräsidentin Gudrun Ladurner ist bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

    Das ist typisch für die engagierten Feministinnen. Sie rackern sich ab für die Sache, organisieren, netzwerken, machen und tun, schieben aber gleichzeitig einen Konflikt vor sich her, den sie wohl besser bereits vor Jahren gelöst hätten.

    Fakt ist: Vier Jahre nachdem die TAGESZEITUNG im Oktober 2012 erstmals über den Streit um den Fundus des Meraner Frauenmuseums berichtet hat, spitzt sich der Konflikt nun arg zu.

    Die drei Söhne von Musemsgründerin Evelyn Ortner – Ronald, Andreas und Peter – haben vor wenigen Tagen eine Zivilklage eingebracht. Sie beanspruchen das Eigentumsrecht auf einen Teil der Exponate sowie Schadenersatz.

    Es geht um die Sammlung von Frauenmode, Accessoires, Alltags- und Beschäftigungsartikel, die die gebürtige Vorarlbergerin Evelyn Ortner in das „Museum für Kleid und Tand“ einbrachte, welches sie im Alleingang 1988 unter den Meraner Lauben gründete.

    Ortner vererbte diesen Fundus vor ihrem Tod im Jahr 1997 ihren drei Söhnen. In ihrem Testament verfügte Ortner, dass von dem Museumsbestand nichts verkauft werden dürfe und dass das Museum in ihrem Geist weitergeführt werden solle.

    Doch um den Fundus tobt seit Jahren ein Streit zwischen der heutigen Museumsleitung und den drei Erben: es geht dabei um einige Exponate mit erheblichem Wert, die offenbar nicht mehr auffindbar sind bzw. wo die Eigentumsverhältnisse nicht klar sind. Es geht aber auch um den verschwundenen Namen der Museumsgründerin, der seit dem Umzug in den neuen Sitz im Volksbankgebäude nirgendwo mehr aufscheint. Auch im Logo nicht.

    Dass der bislang vornehmlich hinter den Kulissen ausgetragene Streit an die Öffentlichkeit gelangt, liegt an Kurt Duschek. Der unabhängige Meraner Gemeinderat war mit Evelyn Ortner verheiratet und hebt den Kampf ums Erbe nun auf eine offizielle Ebene. Er sagt, er schulde es seiner Ex-Frau, dass nach so vielen Jahren Gerechtigkeit geschaffen werde.

    Bereits vor wenigen Wochen hat Kurt Duschek im Gemeinderat mittels Anfrage nachgehakt. Weil er mit der „ausweichenden Auskunft“ des Bürgermeisters nicht zufrieden ist, legte er gestern ein Scheit nach.

    In einem Beschlussantrag hält er fest, dass das Frauenmuseum in Meran vom Land, von der Gemeinde Meran und von der EU gefördert werde. Allein vom Land habe das Frauenmuseum in den vergangenen zehn Jahren Beiträge in Höhe von 1.749.928,61 € erhalten. Dazu kommen Mietspesen in Höhe von etwa 67.000 Euro jährlich, welche von der Gemeinde Meran für den Sitz des Frauenmuseums im Volksbankgebäude getragen werden.

    Für Duschek steht fest: Die Aktivitäten des Frauenmuseums würden schon seit Längerem nicht mehr den ursprünglichen Vorgaben und Vereinbarungen entsprechen.

    Er verlangt daher in seinem Beschlussantrag die separate Abstimmung über drei Punkte: die Wiedereinführung des Namens von Museumsgründerin Evelyn Ortner; die Reduzierung des Frauenmuseums auf ein Stockwerk am heutigen Sitz bei gleichzeitiger Zuweisung der restlichen Räumlichkeiten an andere soziale oder kulturelle Meraner Vereine sowie die Kündigung des Mietvertrages zum frühestmöglichen Termin. Dem Frauenmuseum, so fordert Duschek, solle künftighin ein „neuer, kleinerer und kostengünstigerer Sitz zugewiesen werden, der für das reduzierte Angebot des Frauenmuseums ausreichend ist.“

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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    Kommentare (3)

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    • andreas

      Das heißt also, dass das Frauenmuseum in Meran, wusste gar nicht, dass es so etwas gibt, in 10 Jahren ca. 2,4 Millionen Steuergelder bekommen hat.
      Die Besucherzahlen wären interessant und mit wie viel jede/r Besucher/in subventioniert wurde.

      Herr Duschek kann aber sicher mit den Zahlen dienen um sich eine Meinung zu bilden, wie sinnvoll dieses Geld eigesetzt oder ob hier nicht nur ein Hobby finanziert wurde.

      • yannis

        Na bravo ! und für Geburtenstationen hat man selbstverständlich kein öffentliches Geld, gebärende Frauen sind ja nicht mehr Zeitgemäß, der Nachwuchs kommt schließlich und vermeintlich kostenlos übers Mittelmeer geschwommen.

    • kurtduschek

      Die Anfrage wuurde im Gemeinderat eingebracht.
      Hier die Tonaufzeichnung der Anfrage und die unbefriedigende und teilweise nicht den Tatsachen entsprechende Antwort des Bürgermeisters von Meran.
      http://meran-denkt.info/anfrage-zum-frauenmuseum-evelyn-ortner/

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