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    „Schachmatt heißt man das“

    Josef Gostner

    Josef Gostner

    Josef Gostner, CEO des Energieunternehmens Fri-EL, über den Plan, zum größten Windpark-Betreiber Italiens aufzusteigen, über den Kampf David gegen Goliath – und über die Expansion ins Ausland.

    Tageszeitung: Herr Gostner, würde Fri-EL die Kontrolle über Alerion übernehmen, wäre das Unternehmen der zweitgrößte Windpark-Betreiber Italiens (Die Vorgeschichte lesen Sie hier). Wollen Sie ganz an die Spitze?

    Josef Gostner: Ja, wir sind sicherlich bemüht zu wachsen, denn nur wer Wachstum aufweist, hat Synergien und somit weniger Spesen. Wir werden uns mit Alerion weiter nach vorne entwickeln.

    Alerion ist an der Börse notiert. Fri-EL wäre somit wohl das einzige Südtiroler Unternehmen, das ein börsennotiertes Unternehmen kontrolliert…

    Das kann sein. Ich weiß es aber nicht genau. (laut Auskunft des WIFO trifft es zu, Anm. d. Red.)

    Sieht sich Fri-EL überhaupt noch als Südtiroler Unternehmen? Der Hauptsitz ist ja in Rom.

    Von den Firmen, die zu uns gehören, haben viele ihren Rechtssitz in Südtirol und viele andere in Rom. Der Verwaltungssitz der Unternehmensgruppe ist aber immer noch in Bozen.

    Die größten Windpark-Betreiber in Italien sind allesamt an der Börse notiert. Wann wird es bei Fri-EL soweit sein?

    Wir werden nicht an die Börse gehen. Unsere Börsengeschäfte können wir künftig über Alerion abwickeln. Das Ganze ist ein Kampf David gegen Goliath. Ich bin natürlich der David. Bei den Konkurrenten handelt es sich ja um große Konzerne. Hinter Edison etwa steht der französische Staat mit seiner Gesellschaft EDF, dem zweitgrößten Stromerzeuger der Welt. Die sind aber alle viel langsamer als wir – deswegen David.

    Sie haben also noch viel vor?

    Wir wachsen kontinuierlich weiter. Wir sind ja erst 20 Jahre alt und können noch 20 Jahre weiter wachsen. Ich bin auch erst 56 und habe noch viel Zeit vor mir.

    Ein Gang von Fri-EL an die Börse hätte Nachteile?

    Das bringt uns gar nichts. Wir werden sehen. Die Strategie ist jedenfalls, durch Alerion börsentechnisch zu wachsen.

    Der Kurs der Alerion-Aktie ist innerhalb von sechs Jahren von sechs Euro auf unter zwei Euro gefallen. Eine optimale Chance, die sich Ihnen geboten hat?

    Ja, bei Alerion haben sie untereinander gestritten und die Führung war katastrophal. Inzwischen sind die Daten schon viel besser. Deshalb wurde auch das Interesse von Edison geweckt.

    Ich nehme an, dass Sie im Bieter-Duell mit Edison nicht so schnell aufgeben werden…

    Das kann ich telefonisch natürlich nicht sagen. Man wird sehen, was passiert. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass es der Edison nicht möglich sein wird, die Kontrolle von Alerion zu übernehmen. Ihr Ziel ist es ja, die Windparks von Alerion aus dem Unternehmen auszugliedern. Da habe ich ihnen aber schon einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Edison kann ihre Strategie nicht mehr durchziehen.

    Der Kauf von 25,37 Prozent der Alerion-Aktien war ein strategischer Schachzug?

    Schachmatt heißt man das.

    Sie setzen vor allem auf Windenergie. Sehen Sie ein großes Zukunftspotenzial?

    Windenergie ist heutzutage die günstigste Energie im erneuerbaren Bereich. Es ist die Energie, die man am meisten und am günstigsten produzieren kann. Die Windkraft wird zusammen mit der Wasserkraft die Energiequelle der Zukunft sein. Die Erneuerbaren haben die italienische Kohleproduktion inzwischen ja überholt.

    Wie sieht es mit Investitionen im Ausland aus?

    Alerion ist bereits in anderen Ländern aktiv. Wir werden aber sicherlich auch in Spanien und England Fuß fassen – trotz Brexit. Dort gibt es immer noch großes Potenzial.

    Wollen Sie auch in andere Energiequellen investieren? Derzeit erzeugt Fri-EL ja auch Energie aus Biomasse und Biogas.

    Das Wachstum ist in den Bereichen Wind- und Solarenergie stärker.

    In der Produktion von Solarenergie ist Ihr Unternehmen derzeit noch nicht tätig…

    Nein, das muss noch günstiger werden. In drei Jahren wird die Produktion ohne Zuschüsse funktionieren.

    Interview: Heinrich Schwarz

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