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    Schule des Sehens

    Bewegte Bilder überall, nicht nur im Kino, auch im TV, im Smartphone, auf den online-Seiten der Medien. Diese Bilder werden von allen gelesen, deren Grammatik kennen nur wenige

    Mitte Juli stellte die IDM Südtirol die Ergebnisse von MOV!E IT!  vor. Bei diesem Filmworkshop  hatten 16 junge Leute zwischen 15 und 18 Jahren die Gelegenheit, in fünf Tagen einen Kurzfilm zu realisieren. Gezeigt wurden die Filme dann im Filmclub. Bei der Vorstellung wurde erzählt, dass nicht jeder Jugendliche bereits wusste, was Filmschnitt ist. Beunruhigend. Offensichtlich leidet unsere Gesellschaft akut an visuellem Analphabetismus. Wir konsumieren zwar pausenlos bewegte Bilder, wissen aber nicht, wie sie zustande kommen. Wenn dann zusammengeschnittene Bildsequenzen mit der Realität verwechselt werden, kann das Folgen haben.

    Bilder sind gebaut, jenseits des Bildausschnitts steht mindestens ein Mensch, der ein Aufnahmegerät bedient. Häufig sind es mehrere Leute, die für gute Bilder, Schärfe, gutes Licht und den guten Ton sorgen, Leute, die sich Gedanken darüber gemacht haben, welches Licht, welche Kameraeinstellung zu wählen ist. Sogar am Smartphone, das aktuelle Ereignisse (Schießereien z.B.) mitdreht, steht jemand, dem es wichtiger ist zu filmen als wegzulaufen oder etwa zu helfen.

    Wer Bilder nicht lesen kann, ist ihnen ausgeliefert und das kann gefährlich sein. Erstaunlich, dass Jugendliche viele Jahre Schule hinter sich bringen können, ohne jemals zum Lesen von Bildern angeregt worden zu sein. Sie haben zwar gelernt, dass man „nämlich“ ohne „h“ schreibt und dass man „die“ Butter und nicht „der“ Butter sagt. Ist ja auch gut so. Aber heute ist Sprache mehr als jene Buchstaben, die zu Worten und Sätzen werden. Guten Morgen, liebe Bildungspolitik. Das Interesse der jungen Leute ja eh da sein, und Einrichtungen mit Knowhow gibt es seit Jahrzehnten.

    Ich weiß, das klingt alles eher nach „Wort zum Sonntag“ als nach „Sonntagskino“. Ich wünsche mir  mehr Schule des Sehens.

    Zum Workshop noch: Die Jugendlichen hatten Spaß am Drehen ihrer Thriller, und sie werden ab sofort bewegte Bilder besser lesen können.

    Wir konsumieren zwar pausenlos bewegte Bilder und wissen aber nicht, wie sie zustande kommen

    Was es sonst noch gibt: Filmfeschtl UFO (SA) 20 h: Annie Brunner im Gespräch. „Schellenursli“ am Sonntag 16 Uhr Ariston Meran, „All’Ovest niente di Nuovo“ MI/DO Garden Club Torricelli BZ

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