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Der coole Propst

 

propstDer neue Dekan von Innichen sorgt für Staunen – und für Kritik. Andreas Seehauser verweigert die Insignien eines Propstes und kleidet sich betont schlicht. Und er wohnt im Widum von Toblach zusammen mit dem dortigen Pfarrer.

von Silke Hinterwaldner

Er trägt eine einfache Hose und einen Pullover dazu.

Nichts deutet darauf hin, dass es sich bei diesem Mann um einen Geistlichen handelt, schon gar nicht um den neuen Propst von Innichen.

Andreas Seehauser (im Bild 3. v. r.) bemüht sich um Schlichtheit. Nur an Sonntagen trägt er Anzug, schwarz mit weißem Kragen und ein kleines Kreuz auf der Jacke.

Das gefällt nicht allen.

In einem Leserbrief hat Egon Kühebacher, angesehener Sprachwissenschaftler aus Innichen, seinem Unmut Luft gemacht.

Darin fordert er den neuen Propst auf, sich als Prälat zu kleiden, wie es ihm zustehe und was von ihm erwartet werde. Kühebacher:

„Der Dekan von Innichen soll sich auch äußerlich von anderen Dekanen unterscheiden.

Das verlangt die Ehrfurcht vor einer über tausendjährigen Kirchengeschichte. Der Mensch braucht Zeichen, um die Vergangenheit nicht zu vergessen.“

Um zu verstehen, warum es unterschiedliche Ansichten gibt, ein Blick zurück in die Geschichte von Innichen:

Schon im 8. Jahrhundert wurde in Innichen ein Benediktiner-Kloster gegründet, das sich auf die Missionierung im Osten konzentriert hat. Viel später wurde daraus ein Kollegialstift, das sich vor allem um die Seelsorge in einem großen Einzugsgebiet kümmerte.

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurden keine Kanoniker mehr ernannt, so dass sich das Stiftskapitel de facto auflöste. In den 80er Jahren wurde die juridische Person des Stiftskapitels mit einigen Liegenschaften an die Diözese übertragen, die dies seitdem verwaltet.

Aber Innichen lässt die große Vergangenheit nicht los.

So wird der Dekan immer noch als Propst bezeichnet, „obwohl er diesen Titel gar nicht mehr tragen kann“, erklärt Andreas Seehauser.

Dem neuen Dekan von Innichen geht es weniger um die äußerliche Erscheinung als vielmehr darum, den Kontakt zu den Menschen zu halten. Er verkörpert damit jene Art Kleriker, die sich wie der Papst der franziskanischen Tradition verpflichtet fühlen: bescheiden und schlicht. „Ich habe weder praktisch noch juridisch etwas mit dem Stiftskapitel zu tun“, sagt Seehauser.

Andreas Seehauser hält nichts vom Pomp.

LESEN SIE IN DER PRINT-WOCHENEND-AUSGABE:

  • Was der Propst zu seinen Kleidungsgewohnheiten sagt
  • Und: Warum Andreas Seehauser in einer WG mit dem Toblacher Pfarrer lebt.

 

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