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    Der Durnwalder-Film

    „Der Patriarch“ von Georg Tschurtschentaler war der erste Durnwalderfilm, Karl Prossliners „Ära Durnwalder – Der Abschied“ ist der zweite und der rundere.

    von Renate Mumelter

    „Er isch oaner, der wos olm obenauf will“, erzählt die Mutter liebevoll über ihren Sohn Luis. „Ohne Macht geht nichts“, sagt der Sohn Luis, und kurz darauf meint er „ich kann ohne Macht leben“. Karl Prossliner hat mit dem Team der Filmwerkstatt „Ära Durnwalder – Der Abschied“ eine Persönlichkeitsstudie vorgelegt, die viel über Luis Durnwalder erzählt und noch mehr über Südtirol und über Macht in der Politik.

    Nach ein paar Eingangssequenzen mit Luis Durnwalder in historischen Aufnahmen mit Familie, mit den Frauen, als junger Politiker und und und, setzt Prossliner seinen Protagonisten auf einen Holzstuhl auf die Bühne und lässt ihn in die Kamera schauen. Blick und Haltung sagen: „So, des bin i, jetzt zoag i mi“. Mit dem Mund sagt er nichts. Später werden Monologsequenzen aus dieser Einstellung zwischen andere Szenen geschnitten, die von 2013 bis zu Durnwalders Auszug aus den Räumen im Palais Widmann gedreht wurden. Die Monologfetzen zeigen Durnwalders Selbsteinschätzung. Vor dem Nachspann steht er dann auf und geht von der Bühne.

    Prossliner zeigt Durnwalder im Landtag, im Büro, in der RAI, beim Nickerchen im Auto, auf der Gamsjagd mit anschließendem Halbmittag samt toter Gams im Bildvordergrund, beim Kartenspielen, im Felsenkeller, in der Partei undundund. Sechs Minuten lang dauert der besonders sehenswerte Mitschnitt eines Lokalaugenscheins in Eppan mit Vertretern von Gemeinde und  FC Südtirol. Es geht um fehlende Millionen und um die Frage, ob die irgendwoher kommen könnten. Das Mienenspiel der Antragsteller spricht Bände.

    Sollte Südtirol wirklich einen Film über Luis Durnwalder gebraucht haben, dann ist der von Karl Prossliner der richtige. Er ist durchdacht, facettenreich und formal konsequent ins Szene gesetzt, und er ist seinem Protagonisten relativ nahe gekommen. Ich käme allerdings auch ganz gut ohne Durnwalderfilm durchs Leben.

    Ein Tipp: unbedingt bis zum Ende das Nachspanns sitzenbleiben. Premiere ist am 23. Oktober in Meran. Ab 24. Oktober läuft er in Bozen.

    Ära Durnwalder- Der Abschied (I 2015), 68 Min. Regie Karl Prossliner, Kamera Daniel Mazza, Schnitt Cornelia Schöpf, Ton Martin Fliri. Bewertung: Durchdacht und facettenreich

    DER TRAILER

    Was es sonst noch gibt:
    „Io sono Ingrid“ nur am 19. und 20. Oktober, „Der Staat gegen Fritz Bauer, „Non essere cattivo“, alle in Bozen.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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