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    Bock geschossen

    RehAltlandeshauptmann Luis Durnwalder hat mit einer Jahresgastkarte des Reviers Matsch auf der Upialm einen Jährlingsbock geschossen und damit die Schludernser Jägerschaft provoziert. Der Fall behängt nun in der Landesregierung.

    von Karin Gamper

    Der Abschuss eines Jährlingsbocks spricht sich in Jägerkreisen schnell herum. Speziell dann, wenn der Abschuss von einem so prominenten Schützen wie Altlandeshauptmann Luis Durnwalder und in einem so observierten Gebiet wie der Upialm in Schluderns erfolgt.

    Um die Bejagung der gemeindeeigenen Upialm schwelt seit Jahren ein Konflikt zwischen den Revieren Matsch und Schluderns (siehe weiter unten). Zuletzt hat die Gemeinde Schluderns im November 2014 ein Jagdverbot ausgesprochen, das zwar keine Gültigkeit, dafür aber Signalwirkung hat.

    Seit der Abschuss des jungen Rehbockes Mitte September bekannt wurde, herrscht unter der Schludernser Jägerschaft Aufruhr. Durnwalder kennt als früherer Landeshauptmann die besonderen Umstände. Dass er ausgerechnet auf der Upialm Wild erlegt, wird daher als Machtdemonstration betrachtet.

    Der Fall nimmt im März dieses Jahres seinen Anfang. Luis Durnwalder, bekanntlich ein passionierter Jäger, bekommt vom Revier Matsch eine Jahresgastkarte ausgehändigt. Bei derselben Sitzung lehnt das Revier Matsch in geheimer Abstimmung einen gleich lautenden Antrag um eine Gastkarte von drei Schludernser Jägern ab. Besonderer Grund wird keiner angegeben.

    Die drei Betroffenen legen daraufhin bei der Landesregierung Rekurs gegen die Vergabe der Gastkarte ein. Die drei Jäger führen mehrere Gründe ins Feld: Verletzung des Landesjagdgesetzes, Verletzung der Transparenz, die fehlende Begründung, die ungleiche Behandlung der Gesuche sowie „die einseitige Bevorzugung eines Antrages“.

    „Laut Jagdgesetz hätte bei der Vergabe von Gastkarten jener Jäger Vorrang, der keine Jagd oder weniger Jagdfläche hat“, so ein Schludernser. Bei Durnwalder sei dies nicht der Fall: Dessen Heimatrevier sei Pfalzen, das weit größer ist als Schluderns, zusätzlich besitzt er angeblich bereits eine Gastkarte im Pustertal.

    In der Landesregierung behandelt man den Rekurs gegen die Vergabe der Gastkarte an den Ex-Chef seit drei Monaten wie eine heiße Kartoffel. Das Schreiben liegt zurzeit im Rechtsamt.

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    Der Hintergrund

    Upialm und Ellerwald gehören der Gemeinde Schluderns, sind jedoch seit Jahren Streitgegenstand zwischen den Jagdrevieren Schluderns und Matsch. In beiden Fällen liegt das Jagdrecht bei den Matschern.

    Der rund 300 Hektar große Ellerwald wurde 1995 von einer Schludernser Bürgerinitiative um 500.000 Euro u.a. mit Privatgeld angekauft und gehört seither zur Gemeinde Schluderns. Mehrere Versuche, die Jagdrechte auf Schluderns zu übertragen, sind bisher gescheitert.

    Sehr zum Ärger der Schludernser Jägerschaft, die praktisch zusehen muss, wie die Matscher Upialm und Ellerwald bejagen. Das Ganze ist nicht zuletzt auch ein materieller Schaden: 186 Stück Schalenwild wurden im Revier Matsch für 2015 zum Abschuss frei gegeben.

    „Den Schludernsern wurden zwei Stück Schalenwild aus dem Revier Matsch angeboten und zusätzlich ein Stück aus den Domänenfläche eines anderen Reviers “, ärgert sich ein Schludernser Jäger, „dabei wären es 26 Stück, die uns zustehen würden“.

    Nach 20 Jahren Fremdnutzung haben die Schludernser vor Kurzem erneut einen Anlauf gestartet. „Wir erwarten uns“, heißt es aus Jägerkreisen, „dass die Jagdgrenze im Ellerwald endlich zu unseren Gunsten abgeändert wird“. Dies könnte relativ einfach vom Landtag beschlossen werden.

    Einen Präzedenzfall gibt es bereits: 2006 hat die Landesregierung die Jagdgrenze in Spondinig zu Lasten der Schludernser Richtung Jagdrevier Prad verschoben.

    Warum sollte dies umgekehrt nicht auch für den Ellerwald möglich sein?

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