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    Das Protokoll der Tragödie

    Bildschirmfoto 2015-07-20 um 16.28.11Die Staatsanwaltschaft wird die Ermittlung zum Tod des dreijährigen Hadid, der am Sonntagnachmittag in den Fluten des Eisacks bei Bozen ertrank, einstellen. Die Rekonstruktion der Tragödie.

    von Thomas Vikoler

    Rein theoretisch könnte man der Mutter eine Verletzung der elterlichen Aufsichtspflicht unterstellen.

    Doch welche Mutter sperrt stets die Wohnungstür zu, weil sie befürchten muss, dass ihr dreijähriger Sohn unangekündigt entwischt? Damit hatte die aus Pakistan stammende Frau jedenfalls nicht gerechnet.

    Auch nicht damit, dass der Bub wenige Minuten später in den Fluten des Eisacks ertrinken würde.

    Die Tragödie ereignete sich am heißen Sonntagnachmittag zwischen der Bozner Trientstraße, dem nahen Garten der Religionen und dem angrenzenden Eisack.

    Nach einer Rekonstruktion von Polizei und Stadtpolizei stürzte der Dreijährige über einen rund zwei Mater hohen Abhang jenseits des Radwegs in den Eisack.

    Weil er sich erfrischen wollte? Das wird man wohl nie erfahren, denn es gibt keine Augenzeugen.

    Dass dem Buben am Sonntagnachmittag nach nasser Abkühlung verlangte, ist erwiesen.

    Durch die Aussagen der verzweifelten Mutter.

    Ihr Sohn hatte die Brause der Badewanne eingeschaltet und damit im Bad herumgespritzt. Ein Grund für die Mutter, ihn zurechtzuweisen. Ein banaler Vorfall.

    Daraufhin, so gab die Frau aus Pakistan gegenüber den Ermittlern zu Protokoll, habe ihr Sohn das Bad verlassen.

     

    Der Vater des kleinen Hadid hatte kurz vor Mittag mit dem größeren Sohn die Wohnung verlassen, um einkaufen zu gehen. Wahrscheinlich, so sagte der Vater des Buben, habe er die Wohnungstüre offen gelassen. Als er nach etwa 10 Minuten nach Hause gekommen sei, sei der Bub nicht mehr in der Wohnung gewesen. „Hadid wollte mir wohl entgegenkommen“, vermutet der Vater unter Tränen.

    Der Vater hatte für seinen Kleinen Süßigkeit gekauft …

    Die Eltern verständigten sofort die Gemeindepolizei

    Der kleine Hadid ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Uferböschung ausgerutscht und wurde von den Fluten des Eisacks mitgerissen, deren Kraft derzeit erheblich ist.

    Die Berufsfeuerwehr taxierte die Fließgeschwindigkeit auf sechs bis sieben Kilometer pro Stunde.

    Im Rahmen einer großangelegten Suchaktion wurde der leblose Körper des Buben beim sogenannten Fischerspitzes am Zusammenfluss von Eisack und Etsch geborgen. Mehrmalige Wiederbelegungsversuche blieben erfolglos.

    Obwohl der detaillierte Polizeibericht zum tragischen Unglück der Staatsanwaltschaft noch nicht vorliegt, ist der Ausgang des Ermittlungsverfahrens vorgezeichnet: Es gibt, strafrechtlich gesehen, keine Schuldige für den Tod des Dreijährigen. Die Eltern des Buben, die potentiell als Verantwortliche in Frage kommen, dürften ihre Aufsichtspflicht kaum verletzt haben, heißt es aus der Staatsanwaltschaft.

    Formell wird kein Strafverfahren gegen sie eingeleitet.

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