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    Der Fahrer der Hure

    Bildschirmfoto 2015-04-08 um 16.12.41Die Staatsanwaltshaft will einer Pustertaler Prostituierten und einem Mann aus St. Lorenzen wegen Begünstigung der Prostitution und Zuhälterei den Prozess machen. Wie die Prostituierte sich verteidigt.

    von Artur Oberhofer und Thomas Vikoler

    Es war im Herbst 2013, als bei den Carabinieri in Bruneck ein vermeintlich heißer Tipp einging.

    Aus der Pusterer Rotlichtszene erfuhren die Ordnungshüter, dass eine einheimische Prostituierte, die bereits seit Jahren in der Rienzstadt tätig ist, ihre Dienstwohnungen in Bruneck und im Eisacktal an eine weitere Strichdame weitervermiete. Mehr noch: Die zwei Prostituierten ließen sich sogar von einem Chauffeur, einem 48-jährigen Mann aus St. Lorenzen, zu ihren Schäferstündchen kutschieren.

    Der Chauffeur fungiere auch als Aufpasser.

    Die Carabinieri witterten einen Fall von Begünstigung der Prostitution und Zuhälterei – und informierten am 3. Oktober 2013 mittels „Mitteilung einer strafbaren Handlung“ die Staatsanwaltschaft in Bozen.

    Zwischen November 2013 und Jänner 2014 hörten die Carabinieri die Telefonanschlüsse mehrere Telefone ab, darunter auch das Mobiltelefon der Prostituierten, die in Bruneck und in einer Ortschaft im Eisacktal Dienstwohnungen angemietet hat. Und sie beschatteten die beiden Liebesdamen und deren mutmaßlichen Zuhälter.

    Am Ende dieser diskreten Ermittlungstätigkeit lieferten die Carabinieri einen umfangreichen Abschlussbericht an die Staatsanwaltschaft ab. Aus diesem Bericht ging beispielsweise hervor, dass die Hauptverdächtige – Zitat aus dem Dokument – „die beiden Wohnungen (…), über die sie verfügt, für die Abwicklung bezahlter Sexualkontakte mit (… es wird der Name der zweiten Prostituierten genannt, Anm. d. R.) zur Verfügung gestellt“ habe.

    Die Carabinieri notierten in ihrem Bericht sogar die Tarife, die – Zitat aus dem Abschlussbericht – „pro Leistung von minimal Euro 80,00 bis maximal Euro 160,00 variierten“.

    Auch haben die Carabinieri – immer laut Abschlussbericht – herausgefunden, dass der 48-jährige Mann aus St. Lorenzen „für den Transport der beiden Frauen gesorgt hat, wobei er sie bis in die oben genannten Wohnungen begleitete, sich dann in ihrer Nähe aufhielt, um im Bedarfsfall bei auftauchenden Schwierigkeiten mit den Kunden einzugreifen und sie (die Prostituierten, Anm. d. R.) nach erledigter Prostitutionstätigkeit wieder zurückbegleitete“.

    Für die Carabinieri also ein klarer Fall von Begünstigung der Prostitution und Zuhälterei.

    Die stellvertretende Staatsanwältin am Landesgericht in Bozen, Luisa Mosna, hat nun die Einleitung eines Hauptverfahrens gegen die Prostituierte und den Fahrer beantragt.

    Die Vorverhandlung hätte am Mittwoch stattfinden sollen, wurde allerdings vertagt.

    So wie es aussieht, will die Verteidigung (in der Person des Bozner Strafverteidigers Vittorio Papa) ein verkürztes Verfahren beantragen.

    Die TAGESZEITUNG hat die Beschuldigte befragt.

    Was die Prostituierte sagt, LESEN SIE AM DONNERSTAG IN DER PRINT-AUSGABE.

     

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    Kommentare (9)

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    • Puschtra

      Die Heuchelei der italienischen Gesetzgeber ist kaum mehr zu überbieten, wird doch auch die Prostitution mittlerweile ins Bruttosozialprodukt mit eingerechnet, um dann stolz ein (sonst nicht vorhandenes) Wirtschaftswachstum zu verkünden.

    • pulti

      die Prostitution wird da eingerechnet weil sie in anderen Ländern legal ist und deshalb zum BIP gerechnet wird (dort fallen auch Steuern an, wundert mich dass der Fiskus hier nicht zulangt) und die Zahlen international vergleichbar werden.

      • Puschtra

        Und auf welcher Basis wird dann berechnet? Rechnen die Damen und Herren im italienischen Parlament ihre Ausgaben für das horizontale Gewerbe auf die Gesamtbevölkerung hoch?
        Aber dann muss ihre Schätzung ja einen enormen Einbruch gehabt haben seit Berlusconi nicht mehr Ministerpräsident ist:)
        Und, wird auch der Konsum des Vatikan mit einberechnet, die einschlägig bekannten „Diener“ der Herren sind ja in Rom und nicht im Vatikan ansässig?

        • pulti

          kriminalitätsstatistiken. allerdings geht das ASTAT davon aus, dass der italienweite Wert (der auch für Südtirol angewandt wurde) für unsere Provinz zu hoch angesetzt ist, wir uns also „kriminalproduktiver“ rechnen als wir sind xD

      • Puschtrabui

        Das haben wir hauptsächlich der Lobby der Katholischen Kirche zu verdanken, dass es noch kein Gesetz gibt, das das älteste Gewerbe keine Steuern zahlt und nicht legalisiert wird wie in anderen Ländern!

    • Robert

      „Die Carabinieri notierten in ihrem Bericht sogar die Tarife, die – Zitat aus dem Abschlussbericht – „pro Leistung von minimal Euro 80,00 bis maximal Euro 160,00 variierten“.

      waren die ermittelnden Beamten mit den „Leistungen“ nicht zufrieden?

    • Murks

      Seit Schmuggel, Prostitution, Schleusung von Menschen, Drogenhandel, Korruption und Mafiageschäfte, … im BIP Italiens summiert werden, bleibt das BIP constant auf einen niedrigen Niveau.

    • Heiner

      Die Einheimischn Nuttn gfolln mir weaniger.

    • Flötzinger

      Irgendwo hab ich neulich was von der Wanderhure gelesen. Hat sich der Schreiber des Artikels davon inspierieren lassen…?

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