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„Holocaust verjährt nicht“

28_Auschwitz52Am 27. Jänner jährt sich zum 70. Mal die Befreiung des nazistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Florian Kronbichler fordert „mehr Schuldbewusstsein“. SVP-Obmann Philipp Achammer erklärt, vor allem der Jugend müsse Geschichte vermittelt werden.

Am 27. Jänner jährt sich zum 70. Mal die Befreiung des nazistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Florian Kronbichler fordert „mehr Schuldbewusstsein“.

Das ist der Text, den der SEL-Parlamentarier am Dienstag den Medien übermittelt hat:

„27. Jänner – Gedenktag! Diesmal besonders: Am 27. Jänner 2015 jährt sich zum 70. Mal die Befreiung der nazistischen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee. Seither begehen wir diesen Tag als Tag des Gedenkens an alle Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus. In Deutschland wird er als nationaler Trauertag begangen. In Italien nicht und in Südtirol schon gar nicht, was schade ist. Mehr Gedenken, auch mehr Schuldbewusstsein stünde uns gut an. Des Holocausts zu gedenken, ist Pflicht. Auch für uns, immer noch und weiterhin.

Florian Kronbichler

Florian Kronbichler

Die Bertelsmann-Stiftung hat zum 70. Jahrtag des Holocaust-Gedenkens eine Studie veröffentlicht, die verstören muss: Dieser zufolge sind 81 Prozent der Deutschen heute der Meinung, es sei Zeit, die Geschichte der Judenvernichtung „hinter sich zu lassen“. Etwas weniger, aber immer noch 58 Prozent, sind dafür, unter das finsterste Kapitel deutscher Geschichte einen ,Schlussstrich’ zu ziehen.

Ich finde den Befund erschreckend. Wenn sonst nichts, wäre genau dieser der Beweis, dass Gedenken sein muss. Der Holocaust verjährt nicht.

Warum? Ich sage es mit einem unverdächtigen Zeugen. Der vor einem Jahr verstorbene Manfred Rommel, Sohn des Wehrmachtsgenerals Erwin und von 1974 bis 1996 Oberbürgermeister von Stuttgart, sagte über seine Landsleute Folgendes: ,Ich bin fest davon überzeugt, Menschen aus der Nazizeit würden heute so reden und handeln wie wir. Und die Menschen heute hätten sich im Dritten Reich so verhalten wie jene, die damals gelebt haben.’

Das ist ein schrecklicher, wahrscheinlich zutreffender Befund. Und er gilt  für uns alle. Und solang  das so ist, darf unter dem Naziterror, unter der Judenverfolgung, unter dem Holocaust kein Schlussstrich gezogen werden.“

Auch von SVP-Obmann Philipp Achammer liegt jetzt eine Stellungnahme vor.

Philipp Achammer

Philipp Achammer

„An einem Tag wie dem heutigen geht es darum das Gedenken an eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte wachzuhalten. Deshalb ist es unser Auftrag gerade vor allem der Jugend Geschichte zu vermitteln, damit es nie mehr zu ähnlichen Gräueltaten und Ereignissen kommt“, betont SVP-Obmann Philipp Achammer.

Der heutige Holocaust-Gedenktag soll dazu beitragen, dass Geschichte niemals vergessen wird und die daraus resultierenden Lehren in Gegenwart und Zukunft Gültigkeit haben. „Extremismus – egal in welcher Form und aus welcher Richtung auch immer – ist in jedem Fall abzulehnen“, unterstreicht Philipp Achammer. Die Gesellschaft habe die Aufgabe Geschichte aufzuarbeiten und damit der Jugend zugänglich zu machen. Dies gelte sowohl auf internationaler, wie auch auf der lokalen Ebene. In Südtirol sei unter anderem mit der Eröffnung des Dokumentationszentrums unterhalb des Siegesdenkmals ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Aufarbeitung der lokalen Geschichte der Kriegsjahre und des Unheils, das Faschismus und Nationalsozialismus über Südtirol gebracht haben, getan worden. Gleichzeitig gelte es nach wie vor offene Fragen der Geschichtsschreibung anzugehen.

Die zentrale Aufgabe sei es, die heutige Jugend über Geschichte zu informieren und diese für sie spürbar zu machen. Dieses Ziel beabsichtigt auch das Projekt „Promemoria_Auschwitz“, bei dem sich auch in diesem Jahr eine Gruppe Südtiroler Jugendliche Mitte Februar auf eine Reise der Erinnerung nach Krakau begeben wird. Philipp Achammer wird diese Studienfahrt in seiner Eigenschaft als Bildungslandesrat begleiten. „Eindrücke, die vor Ort gesammelt werden, sind prägend für das eigene Bild, das man von Geschichte und historischen Ereignissen erhält. Wenn es gelingt, Geschichte aktiv zu vermitteln, wird auch eine neue Form von Bewusstsein und Zivilcourage geschaffen“, erklärt SVP-Obmann Achammer.

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