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Grünes Licht für Speicherbecken

Das umstrittene Speicherbecken „Codes“ zur Erzeugung von Kunstschnee wird trotz heftiger Proteste umgesetzt. Vergangene Woche gab der Gemeinderat von Abtei grünes Licht für die Bauleitplanänderung.

von Markus Rufin

Der Wintertourismus und die vielen Skipisten sind für das Land von großer Wichtigkeit. Aufgrund des Klimawandels nehmen Extremwetterereignisse zu. Damit sind nicht nur starke Regenfälle, sondern auch lange Trockenperioden gemeint. Schneearme Winter traten in den letzten Jahren gehäuft auf.

Es tun sich also unangenehme Fragen auf: Ist es angesichts des Klimawandels sinnvoll, große Investitionen in Pisten, Gondeln oder Speicherbecken zur Kunstschneeerzeugung zu stecken?

Der Gemeinderat von Abtei hat dahingehend in seiner letzten Sitzung eine interessante Bauleitplanänderung genehmigt. Diese sieht die Errichtung des umstrittenen Speicherbeckens „Codes“ vor, das zur Erzeugung von Kunstschnee dienen soll.

Die Dimensionen des Projektes sind groß: 37.000 Quadratmeter Wald, Weideland und alpines Grün sollen im Gebiet des Piz Sorega oberhalb von St. Kassian einem Becken mit einem Fassungsvermögen von 78.160 Kubikmetern Wasser weichen.

Seit 2019 wird über das Projekt kontrovers diskutiert. Dementsprechend ging auch die Abstimmung im Gemeinderat knapp aus. Acht Gegenstimmen stehen neun Ja-Stimmen entgegen.

Dabei ging es vor allem um die Frage, welchen Zweck das neue Speicherbecken verfolgt. Bürgermeister Giacomo Frenademetz sprach sich bereits vor vier Jahren für das Projekt aus und betonte, dass das Becken lediglich dazu diene, den bereits bestehenden Bedarf zu sichern.

Zu den größten Kritikern des Projekts zählt die Referentin für Nachhaltigkeit, Tourismus und Jugend, Elide Mussner. Sie geht davon aus, dass das „Codes“-Speicherbecken Teil der Strategie zum Ausbau der Infrastruktur am Berg ist. Aktuell benötige das Skigebiet am Piz Sorega 332.000 Kubikmeter Wasser für die künstliche Beschneiung. Die bisherigen Speicherbecken verfügen über ein Fassungsvermögen von 180.000 Kubikmetern. „Damit also will man den großen Herausforderungen begegnen, welche die Erderwärmung für den Skizirkus darstellt“, ist sich die Grüne Landtagskandidatin sicher.

Für Mussner eine Strategie, die nicht aufgehen kann: „Die Schneefälle werden immer geringer und vor allem wird die Herstellung von Kunstschnee immer teurer. Die Klimakrise durch den Ausbau der Beschneiungsinfrastruktur bewältigen zu wollen ist so, als wolle man die Erderwärmung durch den Bau von Klimaanlagen eindämmen.“

Sie bezeichnet das Speicherbecken als „Investition in die falsche Richtung“. Anstatt weiter Geld in den Skisport zu pumpen, müsse die Gemeinde eine Diversifizierung des touristischen Angebots fördern.

Mussner steht mit ihrer Meinung nicht alleine dar, doch zumindest im Gemeinderat hat diese keine Mehrheit. Mit der Genehmigung der Bauleitplanänderung ist der Bau des Speicherbeckens beschlossene Sache.

 

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