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„Loch“ im Gehirn

Benno Neumair vor Gericht (Foto: TZ Online/ Thomas Vikoler)

Die Verteidigung von Benno Neumair fordert für den Berufungsprozess ein Gerichtsgutachten zur Schädigung seines Hippocampus und wirft dem Schwurgericht vor, seine „Krankengeschichte“ nicht ausreichend gewürdigt zu haben.

von Thomas Vikoler

Der graue Punkt im rechten Bereich des Hippocampus von Benno Neumair lässt sich nicht leugnen: Die forensische Psychologin Cristina Scarpazza präsentierte am 13. September 2022 im Prozess zum Mordfall Laura Perselli/Peter Neumair Aufnahmen davon. Ein etwa einen Zentimeter großes „Loch“ bzw. das Fehlen eines Teiles des Hippocampus.

Auf diese Entdeckung setzt die Verteidigung von Benno Neumair für den anstehenden Berufungsprozess am Oberlandesgericht Bozen. Dort wurde diese Woche, wie berichtet, die Berufung gegen den Schuldspruch vom vergangenen November hinterlegt: Der 33-jährige Bozner wurde wegen zweifachen Mordes, der zweite davon mit Vorbedacht, und Leichenzerstörung zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt.

Das Urteil umzukehren oder zumindest eine Haftreduzierung für den Sohn des ermordeten Ehepaares zu erwirken, erscheint aus heutiger Sicht äußerst schwierig. Die Anwälte Angelo Polo und Flavio Moccia konzentrieren sich in ihrer Berufungsschrift vornehmlich auf die Frage der Zurechnungs- bzw. Schuldfähigkeit Neumairs während des Tatzeitraums am 4. Jänner 2020.

Die Verteidigungssachverständige Cristina Scarpazza wies vor Gericht darauf hin, dass Personen mit einem lädierten Hippocampus häufig eine geschwächte Impulskontrolle aufwiesen.

Sie brachte das „Loch“ in Neumairs Gehirn mit seinem Anabolika-Missbrauch und mit seiner Persönlichkeitsstörung narzisstisch-histrionischen Typs in Zusammenhang. Letztlich mit einer verminderten Willens- und Einsichtsfähigkeit bei den Morden an den Eltern.

Neumairs Verteidiger beantragen nun für die Berufungsverhandlung – neben einer Neuprüfung der Schuldfähigkeit des erstinstanzlich Verurteilten – ein gerichtliches Gutachten mit Gehirnscan vom Hippocampus des Aushilfe-Mathematiklehrers, der derzeit im Gefängnis von Bozen einsitzt.

Die medizinische Literatur zeigt tatsächlich Fälle von Mördern auf, die eine Läsion im Hippocampus auswiesen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der US-Amerikaner Phineas P. Gage, dessen Frontallappen des Gehirns 1848 bei einem Arbeitsunfall von einem Eisenbolzen durchbohrt wurde. Oder jener des Serienmörders Charles Whitman, der 31 Menschen verletzte und 16 Menschen tötete. Nach seinem Tod fanden Ärzte, die das Gehirn von Whitman untersuchten, einen außerordentlichen großen Tumor in seinem rechten Scheitellappen.

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob kriminelles bzw. extrem gewalttätiges Verhalten durch Hirnschäden ausgelöst werden kann, konnte die Wissenschaft bisher nicht liefern.

Sollte das Oberlandesgericht den Antrag auf ein Gutachten zu Bennos Hirn annehmen, müsste sie neu diskutiert werden. Neumairs Anwälte gehen generell davon aus, dass seine Persönlichkeitsstörung derart schwer ist, um die Voraussetzungen für eine teilweise bzw. gänzliche Unzurechnungsfähigkeit zu erfüllen. In der Berufungsschrift kritisieren sie das Bozner Schwurgericht, in seiner Urteilsbegründung nicht ausreichend auf die „Krankengeschichte“ ihres Mandanten, insbesondere seine Kindheit, eingegangen zu sein.

Das Schwurgericht rekonstruierte dort vornehmlich Neumairs Verhalten am Tattag und kam zum Schluss, dass er bei beiden Morden bei klarem Verstand war.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (4)

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  • nobodyistperfect

    Hollywood läßt grüßen – wer da wohl noch reif für die Klappsmühle ist, und das auf unsere Kosten… ein schwarzes Loch ..

  • ich

    Warum muss man täglich über diesen Kerl informiert werden. Bitte verschont uns in Zukunft

  • pingoballino1955

    Was soll den der neue Quatsch wieder? Der Mann hat seine Eltern umgebracht,BASTA!

  • tirolersepp

    Zum Höhepunkt der Angriffe kam es in der ersten Jahreshälfte 2017. Damals registrierten rumänische Behörden fast 80 Begegnungen zwischen Bär und Mensch. 2019 starben acht Personen durch einen Bärenangriff. Im März 2021 zeigte ein viel geteiltes Video, wie sich ein Braunbär einer Skipiste nähert und schließlich einem Skilehrer folgt, der jedoch auf seinen Skiern viel schneller ist als der Bär und entkommt

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