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Stille Lichter

Silent Lights im Meraner Thermenpark: Man muss schon ein knochentrockener Realist sein, um dieser Grazie nicht zu verfallen. (Fotos: Andreas Marini)

Dreiklang aus Stille, Licht und Dunkelheit: Fabrik Azzurro verwandelt den Thermenpark Meran in ein Wunderland aus Licht-, Wind-, Klang- und Landschaftsinstallationen, in welchem sich die Besuche*innen frei bewegen können. Eintritt frei.

 

Gerade noch im Trubel des Weihnachtsmarktes – Lichter, Ellbogen, quengelnde Kinder, Hunde am Rande des Nervenzusammenbruchs, Menschenmassen, mit denen man freiwillig sonst nicht unbedingt zusammen wäre,  Würstel von crauti, Glühwein, Zuckerwatte und Musikgedudel – dann eintauchen, nein entrinnen, ins Dunkel des Thermenparks.

Fast sakrale Stille umgibt einen dort, hie und da hört man leise Klänge, Stimmen, aus dem Dunkel schälen sich Lichter heraus, zuerst wie der Schein von Glühwürmchen, dann, beim Näherkommen, flimmert und funkelt es, als öffnete sich der Himmel und ließe einen Sternenregen auf die Erde herab. Eine Mondsichel hat sich auf der Erde niedergelassen, Sterne klammern sich an Baumstämmen fest, gefrorene Bäumchen kauern sich Wärme suchend zusammen, ein mit Eiskristallen bedeckter Baum reckt seine Äste in die arktische Kälte, in Vogelhäuschen suchen gefiederte Tiere Schutz, unter der mächtigen Zeder rinnen Lichterketten über den gefrorenen Boden, über den Himmel jagen gespenstische Wolken.

Hat man die Winter-Märchenwelten hinter sich gelassen, gelangt man auf den Brückensteg des Seerosenteichs und steht mitten in einem Traum vom Wachsen und Gedeihen wie in einem Gemälde von Claude Monet. Wie leuchtende Kleinode erheben sich die betörenden Wasserpflanzen aus dem Dunkel, verbreiten eine exotische Aura, scheinen wie magisch zu schweben, anmutig und unergründlich. Man muss schon ein knochentrockener Realist sein, um dieser Grazie nicht zu verfallen.

Auch wenn das von Fabrik Azzurro in Zusammenarbeit mit der Therme Meran veranstaltete nächtliche Lichterspiel im Thermenpark heuer ohne Tanz auskommen muss, steht esPhantasiebegabten jeden Alters frei sich ihre Geschichten selbst zusammenträumen. Ökologisch gedacht ist es selbstredend auch: Das gesamte Projekt steht unter dem Augenmerk eines sparsamen Energieeinsatzes: verwendet werden ausschließlich effiziente LED-Beleuchtungsmittel und ein Teil der Objekte wird autonom durch Solarpaneele eingespeist.

Fast 1500 Menschen haben „Silent Lights“ am ersten Abend besucht. Was immer draußen tobt und Sorgenfalten aufwirft: Die Lichter sind viel zu schön, um falsch zu sein. (sh)

Termine: Bis 6. Jänner .2023, Thermenpark Meran. www.fabrikazzurro.com

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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