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Das besetzte Rathaus

Am 30. September und am 1. Oktober findet eine von der Stadt Bozen und der Freien Universität Bozen organisierte internationale Tagung zur faschistischen Machtergreifung in Italien statt.

Am Freitag, dem 30. September, und am Samstag, dem 1. Oktober, findet an der Freien Universität Bozen eine internationale Tagung zur faschistischen Machtergreifung in Italien vor einhundert Jahren statt.

Neben den Fachbeiträgen namhafter Historiker/-innen und Wissenschaftler/-innen gibt es auch ein umfangreiches Rahmenprogramm.

Die Tagung, die von der Stadt Bozen gemeinsam mit der Freien Universität Bozen in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Institut Ferruccio Parri organisiert wird, ist Teil des Veranstaltungsprogramms, das Bozen als Stadt der Erinnerung 2022 in diesem Jahr für die Besucherinnen und Besucher zusammengestellt hat.

In den ersten Oktobertagen vor einhundert Jahren marschierten gewalttätige faschistische Milizen, angeführt von hochrangigen Vertretern der nationalen faschistischen Partei, in Bozen ein.

Sie besetzten das Rathaus und erzwangen die Absetzung des Bürgermeisters Julius Perathoner.

In Trient setzten sie den Generalzivilkommissar der Region Venezia Tridentina, Luigi Credaro, ab. Damit beseitigten sie einen deutschsprachigen Politiker, der sich mit Vehemenz gegen den Anschluss Südtirols an Italien aussprach, und ein liberalen Vertreter des italienischen Staates, der in den Augen der Faschisten zu „schwach“ gegenüber der deutschen Minderheit auftrat.

Nur wenige Wochen nach diesen schwerwiegenden Vorfällen folgte mit dem „Marsch auf Rom“ die offizielle faschistische Machtergreifung.

Einhundert Jahre später beleuchtet diese Tagung ausgehend von diesem lokalen Ereignis die verschiedenen Aspekte des italienischen Faschismus.

Im ersten Teil der Tagung geht es um das Thema Gewalt, insbesondere um die Gewalt der faschistischen Schlägertrupps, die der Machtübernahme vorausging und diese erst ermöglichte. Es folgt ein allgemeiner Überblick über den italienischen Faschismus und seine Vorreiterrolle für den Nationalsozialismus.

Der zweite Teil der Tagung ist hingegen der faschistischen Sicht auf die „Anderen“ gewidmet, die Angehörigen sprachlicher Minderheiten, die politischen Gegner, die Kolonien, das Judentum. Der letzte Teil der Tagung beleuchtet die Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit in Italien nach 1945 und den Umgang mit den Symbolen und der Architektur des Faschismus. Gerade bei der Aufarbeitung der eigenen Geschichte ist die Stadt Bozen immer wieder vorausgegangen. So wurden in den letzten Jahren mehrere faschistische Denkmäler wie auch das NS-Durchgangslager in der Reschenstraße kontextualisiert und für die Allgemeinheit aufbereitet.

Die Referentinnen und Referenten sind: Wolfgang Schieder, Andrea Di Michele, Stefan Lechner, Filippo Focardi, John Foot, Lucia Ceci, Marta Verginella, Christoph Cornelissen, Anna Maria Vinci, Valeria Deplano, Mirco Carrattieri und Andrea Baravelli.

Die Tagung findet am 30. September und 1. Oktober an der Freien Universität Bozen, Universitätsplatz 1, statt. Es besteht auch die Möglichkeit, online an der Tagung teilzunehmen. Eine Simultanübersetzung wird gewährleistet.

Anmeldung: https://www.unibz.it/it/events/140761

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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