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„Lautstarker Gruß“

Foto: Diözese Innsbruck/Sigl

Die Südtiroler Schützen haben sich geweigert, am Tag der Autonomie in Meran einen Landesüblichen Empfang abzuhalten. Die Hintergründe.

von Artur Oberhofer 

Der Reporter der „TT“ geriet am 30. August dieses Jahres regelrecht ins Schwärmen: „So etwas hat selbst die Ewige Stadt noch nie gesehen.“ Auf der Piazza del Campidoglio im antiken Herzen Roms fand erstmals in der Geschichte ein waschechter Landesüblicher Empfang statt. „Das Land Tirol“, so die „TT“, „sandte mit der Zeremonie einen farbenfrohen, lautstarken Gruß an Rom.“

Der Hintergrund: Anlässlich einer großen Diözesanwallfahrt mit über 400 PilgerInnen waren auch der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter und weitere Tiroler Spitzenpolitiker nach Rom gereist – und mit ihnen die Mitglieder der Schützenkompanie Schwaz. Die Schwazer Schützen feuerten denn auch die Ehrensalve ab. „Bei der Salve flatterten Möwen in den blitzblauen Himmel über dem Kapitol“, registrierte der „TT“-Reporter tief beeindruckt, „und manch Schaulustiger fuhr trotz Vorwarnung zusammen.“ Zuvor hatten LH Platter, die Tiroler Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, Bischof Hermann Glettler und Roms Vizebürgermeister Pierluigi Sanna die Ehrenformation abgeschritten.

Gefeuert wurde übrigens mit den Leihgewehren der Südtiroler Schützen, da die Tiroler Schützen die Grenze nach Italien nicht mit Waffen überschreiten dürfen. Die Salve war für die römische Stadtverwaltung kein Problem. „Erklären musste man vielmehr, dass das traditionelle Schnapsl eine Ehrerbietung ist und kein Ausschank“, so die „TT“.

700 Kilometer weiter im Norden, in Südtirol, ticken die Uhren und die Schützen anders.

Denn die Südtiroler Schützen haben sich geweigert, beim Tag der Autonomie, der am vergangenen Montag in Meran abgehalten wurde, eine Ehrensalve „für einen walschen Minister“ (so hieß es aus dem Schützenbund) zu schießen.

Roland Seppi

Der Landeskommandant des Schützenbundes, Roland Seppi, bestätigt den Sachverhalt gegenüber der TAGESZEITUNG. „Wir haben in der Bundesleitung einstimmig beschlossen, dass wir da nicht hingehen.“

Seppi liefert denn auch die offizielle Begründung nach:

„Unser Nein hat nichts mit dem Landeshauptmann zu tun. Die Nichtabhaltung eines Landesüblichen Empfangs hat mit dem Vertreter des italienischen Staates zu tun. Im Landesüblichen Empfang ist eine Ehrensalve als höchste Ehrerbietung vorgesehen, die die Schützen geben können. Eine Ehrensalve setzt also gegenseitigen Respekt voraus. Wir verlangen von Italien seit jeher, endlich auf die faschistische Ortsnamenfälschung und auf faschistische Relikte zu verzichten. Für den Vertreter eines Staates, der auf diesen Sachen beharrt, können wir keine Ehrensalve abschießen, weil der Respekt gegenüber unserer Kultur und unserer Kulturgeschichte fehlt.“

Landeshauptmann Arno Kompatscher hatte gegenüber dem Schützenbund gemeint, die Federhutträger sollten, Zitat, „die Chance nutzen und am Tag der Autonomie ihre Kultur zeigen“.

Doch die Vertreter des SSB ließen den LH klipp und klar wissen: Nein, für einen walschen Minister werde nicht geschossen.

Landeskommandant Roland Seppi sagt: „Es stimmt, dass der Landeshauptmann angefragt hat, aber die Bundesleitung war der Meinung, dass wir da nicht hingehen.“

Dabei gab es bereits einen Präzedenzfall. Eigentlich deren zwei.

Am 18. November 2018 fand vor dem Palais Widmann ein Landesüblicher Empfang für den damaligen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker statt, der nicht nur das Schnapserl genoss.

Foto: Diözese Innsbruck/Sigl

Und: Am 23. November 2019 bereiteten die Südtiroler Schützen im Innenhof der Landesberufsschule Savoy in Meran dem österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen und dessen italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella einen Landesüblichen Emfpang. Die Ehrensalve feuerte damals eine Ehrenformation unter dem Kommando von Hauptmann Thomas Egger ab. „Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Staatspräsident Sergio Mattarella waren von dem traditionellen Empfang sehr angetan“, berichteten am darauffolgenden Tagen die Südtiroler Medien übereinstimmend.

Der jetzige Kommandant Roland Seppi will diesen Präzedenzfall nicht kommentieren: „Damals war eine andere Bundesleitung im Amt, daher möchte ich dazu nichts sagen.“

Landeskommandant war damals ein gewisser Jürgen Wirth Anderlan, der inzwischen von der Heimat- an die Impfgegner-Front gewechselt ist.

Die Tiroler Schützen zehren derweil noch immer an den Eindrücken ihrer Rom-Reise mit dem Landesüblichem Empfang. „Die Ehrensalve neben dem Reiterstandbild von Marc Aurel bleibt für die Schwazer Schützenkompanie bestimmt unvergesslich“, schrieb die „TT“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (14)

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  • @alice.it

    Habe mir im ersten Moment gedacht, die Schützen wären in Italien einmarschiert.

    • artimar

      In Tirol, wie in der Schweiz auch heute noch, hatte die Landesverteidigung, entsprechend ihrem Namen die Aufgabe die eigenen Landesgrenzen zu schützen und nicht in andere Länder einzumaschieren.
      Es ist traurig zu sehen, wie viel Unkenntnis und Unverständnis im südlichen Tirol heute herrscht. Die Schützen tragen leider auch nicht dazu bei, diese zu verringern.

  • heracleummantegazziani

    Und was sagt der Wayne dazu?

  • besserwisser

    kasperlen mit platzpatronen die sich wichtiger nehmen als sie sind …
    die gottesfürchtigen schützen sollten mal drüber nachdenken ob man einem „walschen“ minister nicht die hand reichen sollte um etwas zu erreichen.
    währenddessen sich in der ukraine die menschen gegenseitig abschlachten …
    der südtiroler scheint den weg in die arroganz und präpotenz genommen zu haben …

  • brutus

    …wäre eine gute Gelegenheit gewesen dies zur Sprache zu bringen! Nur mit Reden erreicht man was!
    …mit Trotzen wie ein kleines Kind erreicht man nur das Gegenteil!

  • gerhard

    Beachtlich.
    Eine Kasperl-Armee mit Spielzeuggewehren will Politik machen.
    Es ist doch noch gar nicht Fasching!
    Vielleicht sollte diesen Hinterwäldlern und ewig Gestrigen mal jemand sagen, das Erfolge durch Verhandlungen und aufeinander Zugehen erreicht werden und nicht durch unversöhnliches Verweigern.
    Krieg wird ja hoffentlich keiner mehr wollen

    • josef.t

      In Minderheiten sind genau solche Hardliner (Uneinsichtigen) immer die
      „Ursache“ von harten Auseinandersetzungen, bis zur Waffengewalt (Kriege) !
      Die Leidtragenden; sind dann das Volk….
      Mit Diplomatie, hat man den „Eisernen Vorhang“ nach ü. 40 Jahren beseitigt…..

  • chris75

    @gerhard:
    „diesen Hinterwäldlern und ewig Gestrigen“
    Anderen nachplappern ist super!
    Erläutern Sie uns bitte Ihre Aussagen.

  • gerhard

    Was gibt es da zu erläutern?
    Dieser Spielzeuggewehrverein ist lächerlich.
    Dieser Kasperleverein hat ewig gestrige Ansichten.
    Dieser Karnevalsverein mit seinem Italienhass besteht aus Hinterwäldlern.
    Nichts mit nachplappern.
    Einfach der Realität ins Auge sehen, Chris.

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