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Ein Lebensgefühl

Foto: elemental PRESS / L. Hagen

Endlich wird am Ritten wieder gerockt. Am Freitag startet bereits die 27. Ausgabe des Südtiroler Festivalklassikers „Rock im Ring“. Klobenstein verwandelt sich vom idyllischen Dörfchen in eine sagenhafte Festivalhochburg – für viele Südtiroler*innen das Festival-Highlight des Jahres.

von Roman Gasser

2001 besuchte ich als junger Fratz das erste Mal Rock im Ring. Ich war begeistert wie locker die Besucher drauf waren. Meine beste Erinnerung habe ich an das ferne Jahr 2006. Damals spielten die Sportfreunde Stiller auf und ich war hin und weg vor Begeisterung: „Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Größte für mich bist und sicher geh’n, ob du denn dasselbe für mich fühlst – für mich fühlst – wenn man so will, bist du meine Chillout-Area, meine Feiertage in jedem Jahr, meine Süßwarenabteilung im Supermarkt, die Lösung, wenn mal was hakt, so wertvoll, dass man es sich gerne aufspart und so schön, dass man nie darauf verzichten mag“, so ein Auszug aus einem Song der Band. Wir alle brüllten trotz Sonnenbrand und ein paar Bierchen intus lautstark mit. Just in diesem Moment verknallte ich mich in Rock im Ring. Die Sonne strahlte mir in mein weißes Büro-Gesicht. Ich sah den wunderbaren, in die Abendröte eingetauchten Schlern – fast zu romanisch für ein Rockfestival – und rückte meine 7-Euro-Sonnenbrillen zurecht. Ich war barfuß mitten im Chaos und wie gelähmt vor Glück. Ich lief querfeldein und legte mal kurz das stinknormale Leben ad-acta. Ich streckte meine Hände gen Himmel und spürte diesen jährlich wiederkehrenden einzigartigen Kick. Rock-im-Ring wird nicht älter, sondern allmählich zu einem Lebensgefühl. Zu einem Esprit und jährlichen Gefühls-Spektakel, welches im alltäglichen Leben keinen Platz hat. 

Vor 27 Jahren begann alles mit einer provisorischen Bretterbühne, heute ist Rock im Ring aus Südtirol nicht mehr wegzudenken. In den Anfangsjahren war es ein kleines feines Fest, mit gerade mal ein paar Dutzend Besuchern, mittlerweile ist das Festival auf bis zu 3.000 Besuchern täglich angewachsen. Über 40 Bands rocken jedes Jahr die Bühne. 

Die Aufbauarbeiten auf Festivalgelände beginnen zwei Wochen vorher. Das Team hat dabei seine Hetz, denn es gibt viele Unterfeten, also ein Vorglühen des OK-Teams vor der großen Show. Man sieht, dass bei den Organisatoren das Feuer von früher auch heute noch lichterloh brennt. Sage und schreibe drei Kilometer Elektrokabel werden verlegt, ein Aggregat mit welchen man ganz Klobenstein mit Strom versorgen könnte wird platziert. Ohne freiwillige Helfer – über 250 Menschen – würde es Rock im Ring nicht mehr geben. Das Festival steht und fällt mit den vielen Helfern, so die Devise der Organisatoren. Auch die bürokratischen Auflagen sind oft schwer zu bewältigen. Während man in den Anfangsjahren kaum gefordert war, ist es heutzutage eine große Herausforderung, alles hinzubekommen. Natürlich hilft es dabei, dass die Kompetenzen bei der Gemeinde liegen – somit wird eine bessere Kommunikation garantiert. Ein Rockfestival wie dieses ist Kultur und nicht nur Jugendkultur. Man will eine perfekte Kombination zwischen Jung und Alt. Je gemischter es zugeht, desto lustiger. Das Erfolgsrezept von Rock im Ring auf dem Punkt gebracht: ein super OK-Team, Motivation en masse, Live-Musik und ein begeistertes Publikum. 

Rock im Ring legt immer großen Wert auf Live-Musik, ohne dieses entscheidende Element wäre es kein Festival. Viele Besucher sind nach einem Live-Act emotional so abgegangen, dass sie nachher eine Zeit brauchten, um sich wieder zu fangen. Genau solche Situationen braucht es – Rock funktioniert nur Live zu hundert Prozent. 

Auf dem Festival spielten in den letzten 27 Jahren über 320 Bands – immer ein gesunder Mix zwischen Südtiroler Bands und großen Namen. Diese Vielfalt ist für das OK-Team immens wichtig. Das Team hat dabei auch nie vergessen, den vielen Südtiroler Newcomer eine Chance zu geben. 

Rock im Ring gehört zum Ritten wie die Kirche im Dorf. Ein friedliches und herzhaftes Zusammentreffen gibt es an diesen Tagen nur im Ring. In diesem Sinne: Lasset uns ein Wochenende lang feiern als gäbe es keinen Morgen. 

 

Info – Rock im Ring 2022:

Aus dem Lineup stechen die brasilianischen Thrash-Legenden Sepultura heraus. Ein absoluter, internationaler Top Act. Insgesamt lebt das Programm jedoch seit jeher von der Mischung aus internationalen Interpreten und dem angesagtesten aus der Südtiroler Szene. Und von beidem wird auch 2022 wieder jede Menge geboten.

Tickets: www.rockimring.it

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (6)

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  • goldfinger

    „…Sage und schreibe drei Kilometer Elektrokabel werden verlegt…“

    Nur so als Maßstab – in einem Tesla stecken je nach Modell zwischen 1,5 km und 3 km Kabel…

  • andreas1234567

    Hallo nach Südtirol,

    das man Sätze wie „nach der nervigen Corona-Zeit wird wieder gerockt“ und „lasst uns feiern als gäbe es kein Morgen“
    wieder lesen kann werte ich als gutes Zeichen, das dürfte den Soziopathen und Gesellschaftshassern gefallen wie Haarschneiden mit dem Lötkolben und Rückenmassage mit der Geissel.

    Es entspricht aber der gegenwärtigen Realität, es wird gefeiert, gelebt, gelacht und gereist und der für um die 99% nur lästige Dreitagesschnupfen wird dafür in Kauf genommen..

    Da können die Moralapostel von den Zeugen Coronas wettern und krakeelen wie sie wollen, Drohen, Einschüchtern und Schlechtgewissengequatsche ist total gestern.

    Es ist fein das genau so zu lesen, man darf gespannt sein ob das Mehrheitsmedienhaus und ihre treue lebensfremde Kommentatorenschar das mit eisigem Schweigen oder mit moralinsaurem Genörgel begleiten werden..

    Jesus würde auch dort hingehen, das sei der staatstreuen Amtskirche versichert..Der Herr Jesus war gern bei Massenpartys, hat auch schonmal für ein paar Tausend eine Runde Fisch und Brot geschmissen anstatt mit Römern und Pharisäern im Tempelsalon Rotwein zu schlürfen. Kann man mal drüber nachdenken..

    Auf Wiedersehen in Südtirol

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