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„Regulatorische Probleme“

Die Handelskammer fordert freie Fahrt für die Bahn. Nationale Beschränkungen gehörten abgeschafft.

Anlässlich des europäischen Jahrs der Schiene 2021 rollte der Sonderzug „Connecting Europe Express“ im vergangenen Jahr quer durch die Europäische Union – die Realität im Schienenverkehr sieht heute aber anders aus: Für die Eisenbahn bestehen noch immer nationale Grenzen in der EU. Das hat Folgen für den Preis, die Reisezeit und ganz allgemein für die Konkurrenzfähigkeit der Schiene.

Ganz egal ob PKW oder LKW, wenn man in ein Fahrzeug steigt und quer durch Europa fahren möchte, kann man das relativ problemlos tun. Man braucht nichts anderes als den Führerschein des Heimatlandes und kann losfahren. Im Schengenraum gibt es keine Grenzkontrollen mehr, die Verkehrsschilder in den einzelnen Mitgliedsstaaten sind für jede/n verständlich und man muss auch nicht unbedingt eine Fremdsprache sprechen. Die Fahrzeuge fahren auf jeder Straße gleich und man kann auch in jedem Land denselben Kraftstoff tanken. Ähnlich problemlos bewegen sich Flugzeuge in der EU – allerdings müssen die Piloten hier der englischen Sprache mächtig sein, welche als lingua franca fungiert.

Im grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr sieht die Realität ganz anders aus. Züge müssen an nationalen Grenzen halten und Bremstests machen (auch wenn sie bis zur Grenze problemlos gefahren sind), in jedem Mitgliedsland der EU muss der Lockführer der Landessprache mächtig sein und in dieser kommunizieren, auch die technischen Standards variieren von Mitgliedsland zu Mitgliedsland, sodass verschiedene Lokomotiven bzw. Züge technisch oft im grenzüberschreitenden Verkehr nicht eingesetzt werden können.

Trotz verschiedener Anstrengungen auf EU-Ebene gibt es heute noch keinen einheitlichen „EU-Führerschein“ für Lokführer, da in verschiedenen Mitgliedsstaaten verschiedene Sicherheits- und Signalsysteme gelten. Auch werden Trassen, also Zeitslots für die Durchfahrt von Zügen, Großteils national vergeben. Das bedeutet, dass z.B. ein Zug von Deutschland nach Italien, die Slots beim deutschen, österreichischen und italienischen Infrastrukturbetreiber beantragen muss.

All das manifestiert sich in der Praxis als Mehrkosten und Zeitaufwand und schlägt sich massiv auf die Konkurrenzfähigkeit der Schiene nieder. Michl Ebner, Vizepräsident von Eurochambres und Präsident der Handelskammer Bozen, betont: „Für die Eisenbahn gibt es heute in der EU immer noch nationale Grenzen! Es muss höchste politische Priorität haben, die regulatorischen Barrieren im grenzüberschreitenden Bahnverkehr abzubauen, damit endlich ein einheitlicher europäischer Eisenbahnmarkt entstehen kann.“

Solange die Schiene mit solch massiven regulatorischen Problemen zu kämpfen hat, kann von konkurrenzfähiger Schiene nicht die Rede sein. Es ist hierbei nicht zielführend ständig nach einer Verteuerung der Straße zu rufen, anstatt konsequent die Abschaffung der regulatorischen Barrieren für die Bahn voranzutreiben.

„Die Alpenregionen sollten vehement für eine Abschaffung der regulatorischen Barrieren im grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr eintreten. Nur dadurch können gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Verkehrsträgern als Grundlage für eine weitere Verlagerung des Personen- und Güterverkehrs auf die Schiene geschaffen werden“, ist Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen überzeugt.

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