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Hirsche ohne Wald

Am Reschen wird ein kurioser Rechtsstreit um fünf Hirsche in einem privaten und wenig artgerechten Gehege ausgetragen. Arnold Schuler hat als zuständiger Landesrat den Abschuss verfügt. Das Dekret wurde vom Verwaltungsgericht vorläufig ausgesetzt.

von Karin Gamper

Juridisches Tauziehen um fünf Hirsche in der Gemeinde Graun im Vinschgau: die Tiere sind in einem laut Expertenmeinung nicht artgerechten Gehege untergebracht und sollen nach mehrmaliger ergebnisloser Intervention beim Besitzer erlegt werden. Das Abschussdekret – ausgestellt vom zuständigen Landesrat Arnold Schuler – wurde vom Verwaltungsgericht vorläufig ausgesetzt.

Worum geht es genau? Am Reschenpass werden fünf Stück Rotwild in einem umzäunten Areal gehalten, welches sich gut einsehbar entlang der Staatsstraße befindet. Die Tiere haben ausreichend Nahrung und Wasser zur Verfügung, werden jedoch laut den Fachleuten des Landes nicht artgerecht gehalten. Der Grund: Es fehlen die Bäume bzw. ein Wald, auch sei das Gehege insgesamt vernachlässigt. Zudem halte der Besitzer fünf Hirsche statt der genehmigten vier. Somit sei das Areal zu klein. Ein Hirsch weise zudem eine Verletzung am Lauf auf.  

Das Gehege wurde 2011 vom Landesamt für Jagd und Fischerei mit mehreren Auflagen genehmigt, die jedoch offenbar vom Besitzer nicht eingehalten wurden. Nach mehreren eingegangenen Reklamationen von Passanten wurde im Sommer 2020 auch der Amtstierarzt tätig, welcher einen Lokalaugenschein vorgenommen hat.

Da der Besitzer der wiederholten Aufforderung das Gehege in Ordnung zu bringen nicht nachgekommen ist, hat  Arnold Schuler als zuständiger Landesrat Ende November ein Abschussdekret für das Rotwild erlassen. Dagegen hat der Besitzer der Hirsche Rekurs eingereicht, woraufhin das Verwaltungsgericht vor wenigen Tagen das Abschussdekret bis zur meritorischen Verhandlung am 11. Jänner ausgesetzt hat.

Im Schuler-Dekret wird der Abschuss des Rotwilds damit begründet, „dass eine absolute prekäre und absolut unrechtmäßige Situation“ vorliege und „der Gehegeinhaber die Aufforderung der Behörden unbeachtet gelassen“ habe.    

Amtstierarzt Franz Hintner sagt zu dem Fall: „Der Besitzer zeigte sich trotz mehrmaliger Interventionen unsererseits und des Landesamts für Jagd und Fischerei unkooperativ, deshalb sehen wir keinen anderen Ausweg als den Abschuss“. Dem Aufschrei von Tierschützern kann Hintner nichts abgewinnen: „Auch im Wald werden Hirsche erlegt“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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