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„Unsicherheit bei allen Beteiligten“

Die Team-K-Abgeordnete Maria Rieder sieht die Gesundheitsbetreuung in Südtirol in Gefahr und nennt mehrere Gründe dafür.

von Heinrich Schwarz

Maria Rieder stellt fest: „Der Südtiroler Sanitätsbetrieb befindet sich in schwierigen Zeiten. Die Pandemielage, Suspendierungen und der ungewisse Herbst sorgen für Unsicherheit bei allen Beteiligten“, so die Landtagsabgeordnete des Team K.

Der Personalmangel vor allem im Pflegebereich sei bereits vor Ausbruch der Pandemie bekannt gewesen und kaum in den Griff zu bekommen. „Die Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe, Claudiana, hat jährlich 150 Studienplätze für Krankenpflege zur Verfügung, allerdings nur knapp 100 Studienanfänger in jedem akademischen Jahr. Von den Studienabgängern steigen nicht alle in den Pflegeberuf ein, sie suchen andere Handlungsfelder oder gehen ins Ausland“, weiß Maria Rieder.

Aus Anfragen an den Gesundheitslandesrat Thomas Widmann gehe hervor, dass im Jahr 2020 nur 25 Claudiana-Absolventen im Sanitätsbetrieb aufgenommen werden konnten.

„Im April 2020 waren 218,90 Vollzeitstellen für Krankenpflege unbesetzt, die mit Stammrollenpersonal besetzt werden könnten. Dies ist vermutlich auch dem Auslaufen der Rangordnung des letzten Stammrollenwettbewerbs geschuldet, die im Jänner 2021 verfallen ist. Sie war zudem bereits aufgebraucht“, erklärt Rieder.

Der letzte Stammrollenwettbewerb wurde laut der Team-K-Politikerin 2018 durchgeführt. „Seither warten die Abgänger der Claudiana auf die Möglichkeit, eine unbefristete Anstellung mittels Wettbewerb zu erhalten.“

Es sei leider auch durch mehrere Anfragen bekannt, dass viele Krankenpfleger ihre Arbeitsstelle kündigen. „In den Jahren 2017 bis 2020“, so Maria Rieder, „waren 316 freiwillige Kündigungen zu verzeichnen. Auf den gesamten Betrieb bezogen ist dies zwar nur ein kleiner Prozentsatz, doch konzentrieren sich die Kündigungen vielfach auf die Berufsbilder der Pflege. Diese Daten zeichnen ein bereits erschreckendes Bild vor Ausbruch der Pandemie nach.“

Maria Rieder weist darauf hin, dass es bereits 2019 geschlossene Betten gegeben habe: „Im Herbst 2019 waren 101 von 1.570 Betten geschlossen. Dienste wurden zusammengelegt, unter anderem auch zwischen den Krankenhäusern. Seit Beginn des Sommers 2021 gibt es durch die staatlich verordnete Impfpflicht noch zusätzlichen Personalmangel.“

Laut den offiziellen Zahlen sind inzwischen über 400 nicht-geimpfte Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes suspendiert. Laut Rieder betrifft es hauptsächlich Pflegekräfte und Hebammen.

Mehrere Abteilungen in den Krankenhäusern seien bereits am Limit. „Und die Suspendierungen sind noch nicht abgeschlossen“, betont die Landtagsabgeordnete.

Zudem sehe man sich kürzlich wieder mit einer leicht steigenden Hospitalisierungsrate konfrontiert. „Die Covid-Abteilungen in den Krankenhäusern, die geschlossen wurden, werden vermutlich bald wieder geöffnet, aber mit welchem Personal?“, fragt Maria Rieder.

Auch macht sie darauf aufmerksam, dass die Suspendierungen hauptsächlich Pflegekräfte und wenige Ärzte betreffen würden, weshalb den Ärzten für Operationen und andere Leistungen zu wenige Pflegekräfte zur Verfügung stünden.

Und: „Offene Stellen können noch schwerer als in Vor-Corona- und Vor-Suspendierungszeiten besetzt werden. Geburtenstarke Jahrgänge treten bald in den Ruhestand, Studienabgänger gibt es zu wenige.“

Für die Bürger sei es wichtig zu wissen, welche Auswirkungen dies auf die Gesundheitsbetreuung hat. Die Wartezeiten für Visiten seien seit Jahren sehr lange. Auf eine neurologische Visite warte man derzeit zwischen 50 und 161 Tage, auf eine physiatrische Visite zwischen 112 und 183 Tage, und eine kardiologische Visite sei aktuell überhaupt nur im Territorium Bozen und in den Krankenhäusern Meran oder Brixen vormerkbar.

Maria Rieder, die die Gesundheitsbetreuung in Südtirol in Gefahr sieht, konfrontiert Landesrat Thomas Widmann nun mit einer ausführlichen Landtagsanfrage, um Licht ins Dunkel zu bringen. Die Team-K-Abgeordnete will unter anderem folgende Zahlen wissen: die erwarteten Pensionierungen im Pflegebereich, die Suspendierungen von Pflegekräften, die zuletzt angestellten Claudiana-Abgänger, die Gesamt-Neuanstellungen in diesem Jahr und den Betten- und Leistungsabbau der Dienste und Abteilungen. Auch will Rieder die detaillierte Covid-Strategie für den Herbst wissen. Und ob weitere Konventionen mit Privatkliniken geplant sind.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (3)

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  • sigo70

    „Art. 32 Die Republik hütet die Gesundheit als Grundrecht des Einzelnen und als Interesse der Gemeinschaft und gewährleistet den Bedürftigen kostenlose Behandlung.“
    Irgendwann wird man bewerten müssen, ob die Verantwortlichen tatsächlich im Sinne der Verfassung gehandelt haben.

  • asterix

    Wie will man das Recht auf Schutz der Gesundheit und die damit verbundenen Leistungen wahrnehmen, wenn man das Gesundheitsystem an die Wand fährt? Schon jahrelang wurde reduziert, abgebaut uns zusammengelegt. Von wegen Schutz der Gesundheit, unsere Gesundheit ist den Herren da oben ja so egal.

  • tirolersepp

    24 Covid-Patienten werden in den Normalstationen betreut, die Zahl der Intensivpatienten ist von 6 auf 7 gestiegen !

    Wieviele von den 24 Patienten auf den Normalstationen sind geimpft ???
    Wieviele von den 7 Intensivpatienten sind geimpft ???

    Das ist hier die Frage !!

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