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„Von 80 Dezibel aufwärts“

Kurt Hafner vom Obstmarkt-Komitee wirft der Politik totales Versagen vor, Bürgermeister Renzo Caramaschi will die Beschlagnahme von Lautsprechern per Verordnung erleichtern.

von Thomas Vikoler

Er schätzt sich glücklich seit vier Jahren nicht mehr am Ort des Geschehens zu wohnen, ist aber weiter Vorsitzender des Komitees Lebenswerter Obstmarkt.

„Ich habe die Möglichkeit genutzt, wegzuziehen, was an meiner alten Wohnstätte passiert, ist mir weiterhin sehr wichtig“, sagt Kurt Hafner.

Angesichts des nach dem Frühjahrs-Lockdown wiedererwachten Nachlebens auf Bozens malerischstem Platz kann Hafner nur feststellen: „Die Politik hat versagt. Es wurde immer nur geredet, was man alles unternehmen werde, passiert ist seit Jahren nichts. Auf dem Obstmarkt zu leben, bedeutet von Dienstag bis Sonntag Schlafentzug, was Folter ist. Der Lärmpegel liegt konstant über 80 Dezibel, da hilft keine Dreifachverglasung.“

Hafner verteidigt die Inhaber der zwölf Gastbetriebe um den Obstmarkt, die sich zum Großteil an die Regeln hielten, zeigt aber auch Verständnis für die Jugendlichen, die sich (wieder) vergnügen wollen.

„Aber es kann nicht sein, dass bis fünf Uhr früh mit großer Lautstärke gefeiert, Alkohol aus dem Supermarkt konsumiert, Abfall zurückgelassen und Musik aus mitgebrachten Boxen abgespielt wird“, sagt Hafner.

Genau hier will die nächste Obstmarkt-Verordnung, welche Bürgermeister Renzo Caramaschi möglicherweise bereits heute unterzeichnen wird, ansetzen: Die Beschlagnahme von Lautsprechern, die nachts Musik abspielen, soll erleichtert werden.

Dazu erwägt Caramaschi ein Ausschankverbot im Freien ab 23.00 Uhr. Ein Alk-Konsumverbot ab 1.00 Uhr gilt dort bereits.

Für Diskussionen sorgt auch der  in der TAGESZEITUNG von Stadtviertelpräsidentin Sylvia Hofer geäußerte Forderung, den Obstmarkt notfalls ab 23.00 Uhr für Nicht-Ansässige zu sperren. Die Gemeinde sollte zudem eine geeignete Ausgeh-Struktur in der Industriezone errichten.

„Einfach absurd“, lautet der Kommentar des Bozner Team K.

Wie kann ein solcher Vorschlag umgesetzt werden?“, fragen sich die Gemeinderäte Thomas Brancaglion und Matthias Cologna. „Er ist völlig realitätsfremd und wirkt absurd. Der Vorschlag berücksichtigt weder die Wirtschaftstreibenden noch die Art und Weise wie die Kontrollen durchgeführt werden sollten. Die von der Stadtviertelpräsidentin vorgeschlagene Sperre (von einem öffentlichen Ort!) ab 23 Uhr scheint eher ein Vorschlag zu sein, der den Obstmarkt in einen Gemeinschaftsgarten für Anwohner umwandeln will als das Nachtleben einzuschränken versucht. Der Lösungsweg ist nicht einfach, aber darf nicht von oben herab entschieden werden.”

Von der angekündigten bürgermeisterlichen Verordnung erwarten sich Brancaglion und Cologna wenig.

„Wir brauchen alternative Orte und Initiativen die auf die ganze Stadt verteilt sind“, so Matthias Cologna und Tommaso Marangoni vom Team Future, der Jugendgruppe des Team K. „Wir müssen an dauerhafte Lösungen denken, wie z.B. an einen ständigen Arbeitstisch mit allen Beteiligten und die potentielle Miteinbeziehung von Streetworkern. Wir sind auch erstaunt über das ohrenbetäubende Schweigen der jungen VertreterInnen aus den Mehrheitsparteien, die im Wahlkampf zu mehr Feingefühl gegenüber der Bedürfnissen der Jugendlichen aufgerufen haben: Wo sind sie jetzt?.“

SO SIEHT ES AM OBSTMARKT AN EINEM SONNTAGMORGEN AUS – HIER GEHT ES ZU EINEM VIDEO 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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