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„War ziemlich heftig“

Die Brixner Triathletin Verena Steinhauser nimmt das erste Mal an Olympia teil. Im Interview spricht sie über ihre Erwartungen und ihre unliebste Disziplin.

Tageszeitung: Frau Steinhauser, in weniger als einer Woche beginnt Ihr Wettkampf. Wie nervös sind Sie?

Verena Steinhauser:Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht extrem nervös bin. Ich möchte den Olympia-Auftritt wirklich wie einen normalen Wettkampf angehen, ohne mir zu viel Druck zu machen. Vor allem möchte ich es genießen. Das ganze Drum und Dran.

Wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass Sie zum ersten Mal an einer Olympiade teilnehmen werden?

Da sich die Olympia-Qualifikation für uns Triathletinnen praktisch über zwei Jahre zieht, habe ich eigentlich schon länger gewusst, dass ich dabei bin. Nachdem die Olympischen Spiele letztes Jahr verschoben wurden, war das für mich aber schon ziemlich heftig. Man trainiert drei Jahre lang auf diesen Moment hin und dann wird er auf dem letzten Drücker abgesagt. Wenn man dann aber die offizielle Nominierung schwarz auf weiß vor sich hat, ist das schon ein eigenartiges Gefühl. Obwohl man es eigentlich schon weiß, wird es kribbelig. Die Olympiade ist doch etwas ganz anderes als zum Beispiel der Weltcup.

Welche der drei Triathlon-Disziplinen gefällt Ihnen am wenigsten?

Das Schwimmen, ganz eindeutig. Es ist meine schwächste Disziplin und vielleicht liegt das auch genau daran, dass ich es am wenigsten mag. Wegen Rückenproblemen musste ich mit zwölf Jahren damit anfangen – im Vergleich zu anderen ist das relativ spät. Letztendlich gehört das Schwimmen einfach zum Triathlon dazu und man kann sich grundsätzlich mit allem anfreunden. Es wird zwar nie meine Lieblingsdisziplin sein, aber ich kann auch nicht sagen, dass ich das Schwimmen hasse – ab und zu macht es sogar Spaß.

Ist es für Sie ein Nachteil, dass Ihr unliebster Teil immer am Anfang des Wettkampfes drankommt?

Einerseits denke ich mir, ist es besser, dass der Schwimmteil gleich am Anfang ist – dann ist es getan. Andererseits ist es natürlich schwierig, denn die Nervosität ist größer, wenn man weiß, dass man zuerst mit der Disziplin anfängt, in der man am schwächsten ist. Aber so ist es und man kann es ja auch nicht ändern.

Wie sind Sie zum Triathlon gekommen? Gibt es in Südtirol gute Voraussetzungen, den Sport auszuüben?

Ich habe schon von klein auf Leichtathletik gemacht und habe dann aufgrund von Rückenproblemen auch mit dem Schwimmen begonnen. Die damalige Trainerin des Schwimmclub-Brixen, Manuela Ianesi, war eine ausgezeichnete Triathletin und hat eine Triathlon-Jugendsektion eröffnet. Ich war da praktisch schon auf halbem Weg: Laufen hat mir immer schon gefallen, Schwimmen musste ich und das Radfahren gehörte eigentlich bereits zum Alltag dazu. Im Jugendbereich sind die Trainingsvoraussetzungen bei uns also sicher gut. Ab einem höheren Niveau wird es vor allem aus klimatischen Gründen ein wenig schwieriger. Der Winter ist ziemlich lang, was sowohl für das Radfahren als auch das Laufen nicht ideal ist. Die Organisationsstrukturen selbst sind aber nicht das Problem.

Sie leben mittlerweile nicht mehr in Südtirol, sondern in Pescara. Sind die besseren Trainingsbedingungen ein Grund dafür?

Ja, mit Sicherheit. Weiter im Süden ist das Klima für das Triathlon-Training ein Stück geeigneter, der Winter ist nicht ganz so lang. Nach Pescara bin ich aber eigentlich zufällig gekommen, weil ich mit meinem Freund zusammengezogen bin. Das hat dann mit dem Training gut zusammengepasst.

Vermissen Sie Ihre Heimat manchmal?

Ja, für mich ist Brixen immer noch daheim. Ich vermisse und liebe Südtirol wirklich sehr, am meisten natürlich meine Familie, die immer noch in Brixen lebt. Und dann sind da natürlich noch die Berge. Bergluft ist einfach Heimatluft.

Wie haben Sie sich auf  die Olympiade vorbereitet?

Ich habe das Training ganz normal durchgezogen, ohne viel zu ändern, damit es für mich möglichst ein normales Rennen bleibt. Seit Juni war ich im Höhentrainingslager. Ich habe mich da aber nicht speziell auf die große Hitze in Tokio vorbereitet. In einer halben Stunde geht dann mein Flieger nach Tokio (am Mittwoch, Anm. d. Red.).

Was war bis jetzt Ihr sportlicher Höhepunkt?

Ich denke mein sportlicher Höhepunkt war der elfte Platz beim Grand Final 2019 in Lausanne Das ist für uns Triathletinnen eine Art Weltmeisterschaft.

Was muss passieren, damit Sie zufrieden von Tokio die Heimreise antreten?

Eines ist sicher, ich werde versuchen, das Rennen zu genießen. Ich möchte so viel wie möglich von der Stimmung aufsaugen. Ein bestimmtes Resultat habe ich mir nicht vorgenommen. Ich möchte einfach ein gutes Rennen machen – unabhängig von der Platzierung.

Worauf freuen Sie sich in Tokio abgesehen vom Sportlichen am meisten?

Es ist meine erste Olympiade, dementsprechend wird für mich alles neu sein. Am meisten freue ich mich auf das Ambiente – auf das Olympische Dorf und darauf, Athleten anzutreffen, die man normalerweise nur im Fernsehen sieht.

Interview: Raoul Mitterstainer

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