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Risiken und Nebenwirkungen

Das Ehepaar Kathrin und Arnold

Es ist so ähnlich wie beim Impfen. Kaum erscheint ein minimales Risiko am sehr fernen Horizont, ist jegliche Solidarität futsch. 

von Renate Mumelter

Im aktuellen Impfdiskurs können schmerzende Oberarme oder etwas Fieber so schwer wiegen, dass Unsolidarische lieber die Gesundheit und die wirtschaftliche Basis aller aufs Spiel setzen. Auch die im Handy-Jahrhundert stark überschätzte persönliche Freiheit wird bemüht. 

Die Niere 

Im Spielfilm, der vorerst nur heute zu sehen ist, geht es auch um Risiken und Nebenwirkungen allerdings um solche, die mit einer Nierenspende verbunden sein können. 0,03% beträgt hier der Prozentsatz des Risikos erzählt Michael Kreihsl in „Risiken und Nebenwirkungen“. Ausgangspunkt für den Film war Stefan Vogels Stück „Die Niere“. Übrigens: dieses Stück hatten die Rittner Sommerspielen 2020 gezeigt. Auch das Stück war ätzend und amüsant. Im Film kommt diese scharfe Kombination allerdings noch besser zum Vorschein. Das mag damit zu tun haben, dass das Publikum den Darstellerînnen wesentlich näher sein kann und dass deshalb jede Miene eine Geschichte für sich erzählt. 

Bissig und komisch

Das Bissige und Komische in der Nahaufnahme klappt natürlich nur, wenn die Darstellerînnen es schaffen, die Geschichten in ihre Mimik und Gestik zu packen. Das Team von „Risiken und Nebenwirkungen“ ist dazu bestens in der Lage, auch wenn es zunächst so aussehen könnte, als würden „nur“ TV-Erprobte auftreten. Dass TV-Erprobte etwas drauf haben können, zeigt der Film. 

Vier Freunde

  • Kern des Teams sind zwei befreundete Ehepaare, das eine zusammengesetzt aus einer Pilates-Trainerin und einem sehr erfolgreichen Architekten, das andere aus einer Apothekerin und deren Mann. Es spielen Inka Friedrich mit Samuel Finzi und Pia Hierzegger mit Thomas Mraz.

Der fein geschnitzte Text kommt ihnen sehr entgegen. Das beweisen die Lacher. 

Wir saßen beim Screening zu zweit im Kino und lachten zwischendurch schallend. Es waren aber auch schadenfrohe Lacher dazwischen. Am Ende des Films hängten sie ein Fragezeichen in den Raum. Was würden wir, die schallend Lachenden machen, wenn wir gefragt würden, ob wir bereit wären eine Niere zu spenden? Eben. 

Im Vergleich dazu ist ein kleiner Impfpieks ja gar nix. Vergleichbar allerdings ist die Haltung: Ich schau auf mich, was mit den anderen ist, geht mich nichts an.

„Risiken und Nebenwirkungen“ kann ohne große Risiken angeschaut werden. Einzige Nebenwirkung könnte der leidige Regen sein wie immer in diesem Sommer. Regenschutz hilft weiter. 

Kreihsls Film hatte bei der Diagonale in Graz Premiere, jetzt ist er in Österreich gestartet, Bozen zählt also zu den ersten Mitstartenden. 

Filmtipps

„Risiken und Nebenwirkungen“ BZ, Samstag 24.7.

„I Vitelloni“ (1953), Regie Federico Fellini, BZ, Sonntag 25.7.

„Honeyland“ auch ein Muss, BZ, Montag, 27. 7. 

„The Red House“ über Robert Peroni in Grönland BZ, Freitag 30. Juli

 

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