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„Lassen uns nicht pflanzen“

ASGB-Chef Tony Tschenett erteilt dem Vorschlag von Josef Tschöll, Arbeitgebern die Möglichkeit zu geben, umgeimpfte Mitarbeiter zu entlassen, eine Absage.

Der Vorsitzende des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), Tony Tschenett, zeigt sich überrascht über die polemische Forderung des Arbeitsrechtlers und Vorsitzenden der SVP-Wirtschaft, Josef Tschöll, dass Arbeitgeber zukünftig ermächtigt werden sollten, ungeimpfte Mitarbeiter zu suspendieren.

Tony Tschenett warnt davor, die Schuldigen nur bei den Arbeitnehmern zu suchen. Es gebe auch genügend Betriebsinhaber, die bis dato nicht geimpft seien. Was sollte mit denen passieren? Wenn man konsequent die Forderung von Tschöll weiterspinnen würde, sollte man denen den Betrieb zusperren?

„Ich denke, dass Polemik in dieser Phase zu nichts führt. Wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir das Aufkeimen einer vierten Welle unterbinden bzw. diese abschwächen können. Natürlich ist die Durchimpfung der Gesellschaft eine conditio sine qua non, um dieses Ziel zu erreichen. Aber durch Drohgebärden erreichen wir gar nichts – das hat man bereits bei jenen Betroffenen gesehen, die trotz Impfpflicht im Sanitäts- und Betreuungsbereich die Suspendierung in Kauf genommen haben. Für mich erweckt es den Anschein, als wolle man für die sich anbahnende vierte Welle bereits heute die Schuldigen suchen: nämlich die Lohnabhängigen, die sich nicht impfen lassen wollen“, so Tschenett.

Dabei sei die Situation viel komplexer. Angefangen bei den Feierlichkeiten, die nach jedem Sieg der italienischen Nationalmannschaft stattgefunden haben und in deren Rahmen jegliche Verordnungen und Regeln ignoriert wurden:

„Die Menschen, die bislang ungeimpft sind, lassen sich nicht pflanzen. Einerseits sehen sie tausende Fußballfans, die ausgelassen den Sieg ihrer Mannschaft feiern, als hätte es Covid-19 nie gegeben, andererseits sollen sie als Sündenböcke für zukünftige Wellen herhalten. Ich denke, wir müssen uns viel stärker auf Aufklärung und Informationskampagnen fokussieren. Impfbusse sind gut und recht und eine nette Idee, die beansprucht aber kein Impfzweifler. Ich plädiere für massive Informationskampagnen, die in jeder Gemeindestube stattfinden sollen und in deren Rahmen wirkliche Fachleute den Menschen Rede und Antwort stehen“.

Der ASGB-Chef spricht in diesem Zusammenhang auch den Arbeitskräftemangel an. „Ich gehe davon aus, dass Josef Tschöll bewusst ist, dass Suspendierungen viele Betriebe vor einen Personalnotstand stellen würden. Adäquater Ersatz ist kurzfristig auch nicht unmittelbar zu finden. Wollen wir die Situation wirklich nochmal verschlimmern? Wir sehen ja im Südtiroler Sanitätsbetrieb und in den Seniorenheimen wer die wirklich Leidtragenden der Suspendierungspolitik sind: jene, die sich ihre Impfung abgeholt haben und nun Überstunden schieben müssen, weil Personalmangel in den Strukturen herrscht“, so Tschenett, der darauf pocht, Initiativen zu setzen, die den Zusammenhalt der Gesellschaft stärken und nicht noch stärker die Gesellschaft auseinanderzudividieren.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (34)

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  • sepp-f

    Die sich nicht impfen lassen von der Volkspartei ausschließen. Wäre das Beste.

  • treter

    Dieser Herr Tschöll mit seinen oft total übertriebenen unrealistischen Forderungen geht mir langsam aber sicher auf den Sack!!
    Liebe SVP’ler sucht euch schnellstmöglich einen neuen Wirtschaftsvorsitzenden!
    Danke im Voraus….

  • tirolersepp

    Wo bleibt in der Impffrage die Demokratie – die Mehrheit ist mit Ende August zwei mal geimpft und bestimmt somit die Regelen.

    Sonst wird ja auch immer nach Demokratie geschrien bei jeder Kleinigkeit !!!

    Siehe Frankreich – geimpfte haben mehr Rechte !

  • criticus

    @marionw.
    Bin auch dafür!
    Und ein Herr Tschöll soll sich nicht einmischen, ist ja lange nicht mehr glaubhaft!

  • paul1

    Sind Arbeitgeber wirklich nur mehr Melkkühe und alles was rund herum passiert entscheiden die Gewerkschaften? Sie entscheiden, wie ich jemand anstelle, wo ich ihn anstellte, wieviel Geld er zu erhalten hat, wieviele Stunden ,er arbeiten darf…..usw. Es ist immer noch der Arbeitgeber über die Gesundheit am Arbeitsplatz verantwortlich und wird bei jeglichen Vergehen zur Verantwortung gezogen, notfalls wird der Betrieb von den Behörden geschlossen, wenn unter anderem Gesundheit und Sicherheit nicht eingehalten werden.

  • meinemeinung

    aber wenn ein Mitarbeiter positiv getestet wird ,den ganzen Kleinbetrieb schließen ,da kommt kein Tschenett von der ASGB oder sonst einer von diesem Verein mit den Ausfallgeld und übernimmt die ganzen Eier die man hat ,aber ja keinem vorschreiben was zu tun ist außer den Arbeitgebern.
    Arbeitgeber sollte eine Möglichkeit haben seine Betrieb und seine Mitarbeiter vor Mitarbeiter zu schützen die alles und jeder scheiß egal ist.

  • luis2

    Ein feiner Herr dieser Tschöll, ein Gesellschaft Spalter.
    Der möchte das das Rad der Geschichte zurück drehen, so einer ist in die Partei des Südtiroler Volkes. „ZURÜCKTRETEN“: Na Danke.
    Der Andere soll sich um die Arbeiter kümmern, und nicht mit dem Wind blasen, bald ein leichter Föhn ist kann man auch ein wenig dagegen halten.
    Vergangene Woche hat keiner geschrien bei der EM, zu den jubelnden und schreienden Massen.

  • olle3xgscheid

    @marinov und @ criticus, welche Rechte denn? Wir leben in einen Rechsstaat und sollen nicht das Recht haben zu arbeiten?
    Also gehts euch noch….

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