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Silver Rights

ar/ge kunst zeigt das Projekt Silver Rights von Elena Mazzi, das im Dialog mit dem spirituellen Mapuche-Führer, Silberschmied und Aktivisten Mauro Millán sowie dem argentinischen Künstler Eduardo Molinari entstand.

Silver Rights behandelt die überlieferte Bindung von Gemeinschaften an das Land (mapu), die durch kolonisierende Kräfte ausgehöhlt und negiert wurde. Diese Kräfte haben sich im Lauf der Jahrhunderte gewandelt und in den letzten Jahrzehnten vermehrt durch unverkennbar neo-extraktivistische Praktiken auf sich aufmerksam gemacht. Die Investitionspolitik südamerikanischer Regierungen und daraus resultierende Handelsabkommen mit ausländischen multinationalen Konzernen, darunter auch mit dem italienischen Unternehmen Benetton, haben zu Prozessen der Ansiedlung geführt.

Konkret reagieren die ausgestellten Werke ebenso wie das Display auf die von dem Museo Leleque dargebotene Narrative: Das Museum mit anthropologischer Ausrichtung wurde 2000 ausgerechnet auf Land im Besitz von Benetton eröffnet. Ein zwiespältiges Unterfangen, tut es doch das Volk der Mapuche als ausgestorben ab – obschon dieses lebendig und auf dem umstrittenen Land aktiv ist – und „musealisiert“ die Erinnerung an es und seine materielle Kultur.

Mit dieser komplexen Situation setzt sich Elena Mazzi auseinander, indem sie in Dialog mit dem engen, seit Jahren von der Mapuche-Gemeinschaft bewusst geknüpften Netzwerk von Beziehungen tritt, es unterstützt und erweitert: als eine Weise, die Kunst der Diplomatie zu verstehen, die zum einen den Aufbau und die Pflege internationaler Beziehungen zwischen verschiedenen politisch-kulturellen Subjekten umfasst und sich zum anderen in ihren Kosmovisionen als eine Form radikaler Vermittlung zwischen Land, Menschen und „mehr als menschlichen“ Wesen äußert.

Den zentralen Kern der Ausstellung bildet eine Reihe von Silberschmuckstücken, die Mauro Millán angefertigt und gemeinsam mit Elena Mazzi entworfen hat. Dem vorausgegangen waren mehrere, mit zahlreichen Mitgliedern der Gemeinschaft abgehaltene Workshops zu neuen Symbologien und aktuellen Kämpfen. „Der retrafe (Silberschmied) hilft, die kollektive mit der individuellen Dimension zu vereinen, mit dem obersten Ziel, das Kollektiv zu nähren“, schreibt Millán in seinem Beitrag zum Begleitbuch des Projekts und fährt fort: „Mapuche-Silberarbeiten sind die Synthese aller kollektiven Bedürfnisse und greifbarer Ausdruck eines langen und beständig geführten Gesprächs zwischen den Ahn*innen und den Lebenden des mapu.“

Im Ausstellungsrundgang ist den Schmuckstücken eine von Elena Mazzi und Eduardo Molinari geschaffene Installation vorangestellt, bestehend aus einer präzisen Nebeneinanderstellung von Zeichnungen und Bildern auf Papier und Stoff sowie einer in vier Episoden unterteilten Audiosequenz. Diese „Zurschaustellung“ soll – unterstützt durch die Gestaltung von Alessandro Mason (Studio Gisto) – dezidiert auf die museologische Erzählung des Museo Leleque reagieren. Daher werden die Schmuckstücke in einen Bezugsrahmen von Verweisen und Informationen gestellt, die für ihre öffentliche Präsentation notwendig sind. Dieses Dispositiv stellt eine Form der Fürsorge und der Achtung gegenüber den Artefakten dar, die Träger von überliefertem Wissen und Spiritualität sind, und deckt zugleich den Einfluss internationaler Unternehmen in Patagonien auf: die massive Privatisierung von Landstrichen, die reich an gemeinschaftlich genutzten Rohstoffen und Ressourcen sind, einschließlich des Wassers, die konsequente Vertreibung indigener Gemeinschaften und die fortschreitende Aushöhlung ihrer bürgerlichen, sozialen wie auch politischen Rechte.

Begleitend zu Silver Rights erscheint bei Archive Books, Berlin, eine von Elena Mazzi und Emanuele Guidi herausgegebene Publikation mit Beiträgen der Vereinigung YaBasta! Êdî Bese! sowie von Riccardo Bottazzo, Leandro Martínez Depietri, Emanuele Guidi, Elena Mazzi, Mauro Millán, Eduardo Molinari und Ana Ramos. Gestaltet wird sie von Archive Appendix.

Termin: Eröffnung am 11. Juni von 15 – 19.00 Uhr in der ar/ge Kunst.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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