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Berghotels 1890–1930

Hotel Karersee-Postkarte um 1896-Sammlung Caroline Heiss, Hotel Pragser-Wildsee.

Die Geschichte des Hotelbaus in Südtirol, Nordtirol und dem Trentino ist das Thema einer neuen Publikation, die das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, kurz Touriseum, herausgegeben hat.

In der zweibändigen Publikation „Berghotels 1890–1930: Südtirol, Nordtirol und Trentino“ präsentiert das Touriseum – Südtiroler Landesmuseum für Tourismus erstmals die umfassende Geschichte des Hotelbaus in Südtirol, Nordtirol und dem Trentino. Realisiert wurde sie in Zusammenarbeit mit der Architekturfakultät der Universität Innsbruck und der dort wirkenden Tiroler Kunsthistorikerin Bettina Schlorhaufer.

Dieses Schau- und Lesebuch enthält exklusive Abbildungen aus privaten und öffentlichen Sammlungen, wie dem Touriseum, der Österreichischen Nationalbibliothek und dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. Auf ihrer Spurensuche zeichnet die Autorin die Geschichte des Hotelbaus entlang der Entwicklung des Tourismus als Massenphänomen ab ca. 1800 nach. Sie beschreibt, wie die systematische Beherbergung aus dem Hospital und dem Kurhaus hervorging und wie früh die Architekturproduktion der Hotels auf der Basis innovativer Entwurfsmethoden in Serie bzw. anhand von Modulprogrammen erfolgte. Zahlreiche Bilder und Baupläne – unter anderem aus dem Archiv von Musch & Lun – belegen diese Entwicklung.

Unter den Erbauern der Berghotels – allesamt Quereinsteiger im Fremdenverkehr – finden sich der Alpinist, Autor und Politiker Theodor Christomannos, der Architekt Otto Schmid und der Ingenieur Carl Lun von Musch & Lun. Wirtschaftshistorisch war der von Entrepreneuren wie Theodor Christomannos gegründete „Verein für Alpenhotels in Tirol“ bisher noch nie Gegenstand von Untersuchungen. Christomannos und sein Kreis an Berghotel-Gründern verfügten über ein Netzwerk an finanzkräftigen Liebhabern der Alpen, das bis nach Wien, Berlin und Köln reichte. Mit der Errichtung von Hotels an ausgewählten Aussichtspunkten verfolgte der Verein das Ziel, den Gebirgstourismus voranzutreiben. Darüber hinaus waren die Häuser politische Symbole, denn mit ihrer Errichtung wollte man der schon weit vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs einsetzenden Italianisierung der Berggebiete entgegenwirken.

Auch in ihrem äußeren Erscheinungsbildern trugen die „Alpenhäuser“ dem politischen Motiv der Raumbeanspruchung Rechnung: Als Bollwerke des Deutschtums in den Bergen wurde schon für die Gestaltung der ersten Berghotels in Sulden, Trafoi und am Karersee ein international verfügbares Repertoire an architektonischen Stilmitteln „regionalisiert“. Dabei handelte es sich z. B. um formale Bestandteile aus dem Bauwesen der Eisenbahn und mittelalterlichen Bautraditionen wie der Gotik. Letztere wurden in der Ära des ausgehenden Gothic Revivals als besonders „germanisch“ betrachtetet. Vor den Bergkulissen Südtirols platziert, gelangten sie zu einer neuen Wirkung und vermittelten sich als bodenständig und bereits bestehenden lokalen Sehgewohnheiten verbunden.

Das Motto „innovation in tradition“ spielte bei den Berghotels eine besondere Rolle. Die Gebäude wurden schon früh elektrifiziert. Zugleich musste das Lebensgefühl in den Häusern aber auch dem herrschenden Publikumsgeschmack entsprechen. Aus diesem Grund wurde insbesondere das Flair der Hotelhallen und Speisesäle jenem der Repräsentationsräume in („gotischen“) mittelalterlichen Burgen nachempfunden.

Der erste Band ist der Tourismusgeschichte, den Berghotel-Gründern und dem architekturhistorischen Kontext gewidmet. Im zweiten werden 18 Berghotels und nicht verwirklichte Projekte von Otto Schmid und Musch & Lun vorgestellt.

Die Publikation kostet 79,96 Euro (Electronic ISBN: 9783035622706, Paperback ISBN: 9783035622690), Infos auf der Webseite des Verlags De Gruyter www.degruyter.com.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • snakeplisskien

    Die bei uns noch bestehenden ehemaligen sog. „Grand-Hotel“ führen leider ein trauriges Dasein.

    Teils sind sie in sog. „multiproprietà“ umgewandelt worden, in denen außer Instandhaltung keine notwendigen behutsamen Modernisierungen getätigt werden können. Die Teilzeiteigentümer wollen nicht die Kosten tragen und es ist unmöglich unter all diesen eine Einigung zu finden, zumal keiner Änderungen an seinem (Teilzeit-)Besitz erfahren will. Manche wären hingegen sogar froh, wenn sie aus dieser Investition herauskommen würden, aber es findet sich kein Käufer. Die Betreibergesellschaften ändern sich dauernd und die Konkurse häufen sich.

    In anderen hat man zu lange auf Kosten der glorreichen Zeit gelebt und auch nichts mehr investiert, weshalb sie derzeit nur mehr am Limit des gesetzlich Zulässigen und des geforderten Standards irgendwie dahinvegetieren.

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