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Filmpower aus Apulien

Cecilia Mangini

Cecilia Mangini (1927-2021) und Valentina Pedicini (1978-2020)

von Renate Mumelter

Aus meinem Wunsch, Cecilia Mangini persönlich in Bozen zu treffen, wird nichts. Am 21. Jänner ist sie 93-jährig gestorben. Ich hätte mir auch gewünscht, Valentina Pedicini mit  „Faith“ in Bozen zu sehen. Daraus wird auch nichts mehr. Sie starb 42-jährig am 20. November. Die Filme beider Frauen aber leben weiter. 

Cecilia Mangini. Bis in hohe Alter

„Mir bleibt wenig Zeit und die möchte ich möglichst gut nutzen“, sagte die 92jährige Mangini 2020 bei der Präsentation von „Due scatole dimenticate“. Mangini war die erste Dokumentarfilmerin Italiens. Wirkliche Anerkennung bekam sie erst spät. Das hatte mit ihrem Frau-Sein zu tun und damit, dass sie ihre politischen Überzeugungen kompromisslos vertrat. 

Zum Klassiker wurde ihr „Essere donne“. 1964 hatte sie sich unter den Frauen Italiens umgesehen, schilderte deren Lebensbedingungen und zerpflückte den „mito del benessere“. Sie sah Kinderarbeit, Analphabetismus, Mehrfachbelastung, Ausbeutung, Auswanderung und Kindersegen, der keiner ist. 

1965-66 hatte sie eine Recherche-Reise nach Nordvietnam unternommen. Dort wollte sie einen Dokumentarfilm drehen. Aber dann kamen die Amis. Geblieben sind zwei Schachteln mit Fotografien und Tagebuchaufzeichnungen. „Due scatole dimenticate“ erzählt von diesen zwei Schachteln, dem geplatzten Film, und dem Vergessen. Mangini erinnert an Menschen im Vietnam-Krieg und sie denkt über ihr Älterwerden, ihre wachsenden Gedächtnislücken und über das Ende nach. „Der Tod wird auch mich treffen wie uns alle“. 

Das „Archivio Audiovisivo del Movimento Operaio Democratico“ lud vergangene Woche zu einer online-Gedenkfeier für Mangini ein. 

„Essere donne“ (I, 1964) 28 Min., Regie: Cecilia Mangini https://www.youtube.com/watch?v=mk25pEfwcX4

„I corti di Cecilia Mangini“ 98 Min., RAIstoria https://www.youtube.com/watch?v=39r3l9QLfk8

Cecilia Mangini hat auch eine Facebook-Seite https://www.facebook.com/cecilia.mangini.12

Valentina Pedicini

Valentina Pedicini. Viel zu früh 

Valentina Pedicini legte den Grundstein für ihren Weg ins Kino an der Filmschule ZeLIG in Bozen. Wie Mangini machte sie sich vor allem als Dokumentarfilmerin einen Namen. Mit ihrem letzten Film „Faith“ schloss sie einen Kreis, der sich in Bozen aufgetan hatte. Hier hatte sie jene Frau kennengelernt, die in ihr das Interesse für eine religiöse Kung-Fu-Gemeinschaft weckte, die sie in „Faith“ eindrucksvoll und in markanten Bildern porträtiert. In  einem ZeLIG-Kurzfilm aus dem Jahr 2008 hatte sie das Thema bereits angerissen. „Pater noster“ ist der viel sagende Titel. Valentina Pedicini wird ihren Film nicht mehr an seinen Ursprungsort begleiten können. Sie starb 2020 an einer schweren Krankheit. 

Raiplay bietet seit Montag eine eigene Sektion mit vielen Pedicini-Filmen.

https://www.raiplay.it/collezioni/valentinapedicinidiluceeombra

Verbindenes 

Pedicini und Mangini verbindet viel. Beiden stammten aus Apulien, beide waren selbstbestimmte Frauen, sie legten den Focus auf Themen, die nicht Mainstream sind und sie arbeiteten formal selbstbestimmt. 

Beiden Frauen widmete das Torino Film Festival 2020 eine eigene Sektion. Für Mangini gab es einen Preis für ihr Lebenswerk, gezeigt wurden ihre Fotos und ihr Film. In einer Ad-hoc-memoriam-Sektion gab es Pedicinis Filme und ein Erinnerungs-Gespräch. Auf dem Biografilm-Festival in Bologna war Pedicini 2020 noch selbst zu Wort gekommen.

https://www.youtube.com/watch?v=bZaaBSf5nao

https://www.youtube.com/watch?v=ZnWjBrhngk0&t=20s

https://www.zeligfilm.it/de/produzioni/film-di-esercitazione/item/1041-pater-noster

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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