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„Das Ablenkungsmanöver“

Klaus Peter Dissinger

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz stellt sich gegen die Handelskammer: Nicht der Feinstaub sei das große Problem, sondern die Stickoxide.

Ausgehend von einer Aussendung der Handelskammer wird wieder über Feinstaub und Verkehr diskutiert. Ablenkung gelungen, denn mit dem Fokus auf den Feinstaub, der schon seit vielen Jahren kein allzu großes Problem im Verkehr mehr ist, hat man erfolgreich von den nach wie vor bestehenden Grenzwert-Überschreitungen der Stickoxide abgelenkt, so der Dachverband für Natur- und Umweltschutz.

„Lieber präsentiert man ,Nicht-Probleme‘, dann braucht man sich auch um keine Lösungsansätze zu kümmern“, so Hanspeter Dissinger.

Die Jahresberichte der Luftqualität in Südtirol (https://umwelt.provinz.bz.it/luft/jahresberichte-luftqualitaetswerte-ortsfesten-messstationen.asp) zeigten es eindeutig: Feinstaub gehört seit vielen Jahren nicht mehr zu den prioritären Problemen in Bezug auf die Luftqualität Südtirols.

„Hohe Werte hängen lokal mit Inversionswetterlagen und dem Hausbrand zusammen. Der Rückgang des Benziners im Verkehr sowie der Ausbau der Fernwärme haben signifikant dazu beigetragen, dass Grenzwerte seit vielen Jahren nicht mehr überschritten werden. Mit dem Umstieg vom Benziner auf den Diesel hat sich in den letzten Jahren aber das Problem weg von den Feinstäuben in Richtung Stickoxiden verschoben“, so der Dachverband.

In der Aussendung heißt es weiter:

„Die gesundheitsgefährdenden Stickoxide sind das wirkliche und aktuelle Problem im Zusammenhang mit dem Verkehr. Seit 2010 gilt ein EU-weiter gesetzlicher Jahresmittel-Grenzwert von 40µg/m³ Luft.

Entlang der Brennerautobahn wird dieser zum Schutz der Gesundheit eingeführte Grenzwert nicht eingehalten.

Die Handelskammer spricht zwar von rückläufigen Werten.

Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass von 2010 – 2019 die Grenzwerte konstant überschritten wurden. Die Zahlen des Jahres 2020 liegen noch nicht vor.

Eine erstmalige Einhaltung der Grenzwerte wäre allerdings nur auf Corona-Effekte zurückzuführen. Was wir aber brauchen, sind echte verkehrsmindernde Maßnahmen.

Der Verantwortung und der Diskussion darüber entzieht man sich geschickt, wenn man lieber über Feinstaub und den nicht gegebenen Zusammenhang zum Verkehrsaufkommen diskutiert. 

Ein weiterer gar nicht angesprochener Punkt ist der massive Rückgang der CO2-Belastung durch den im letzten Jahr eingebrochenen Verkehr, welche in derselben Studie nachgewiesen wurde: https://brennerlec.life/de/covid19-study 

Die Reduzierung von gesundheitsschädlichen Emissionen aus dem Verkehr sowie Klimaschutz und Klimaziele erreichen wir nur, wenn der Warenverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird, und zwar deutlich.

Auch im Individualverkehr braucht es neue Modelle.

Diskussionen über Probleme, die gar keine (mehr) sind, sind nicht nur sinnlos, sondern lenken von den wirklich wichtigen Herausforderungen nur ab – darauf sollten wir uns gar nicht erst einlassen.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (4)

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  • cif

    Ein Laufschuh hinterlässt 11-16 kg Co2.

    https://www.wiwo.de/technologie/green/studie-laufschuhe-hinterlassen-riesigen-co2-fussabdruck/13546144.html

    Stimmt, immer nur mit dem Finger auf anderen zeigen bringt nicht, es braucht reale Lösungsvorschläge. Wenn diese vorhanden sind, wird sich auch die Handelskammer dafür stark machen.

  • 2xnachgedacht

    nochdem die diesel laut den messungen des letzten jahres nit schuld worn am feinstaub…muas holt a ondre chemische formel her um die diesel tot zu machen… die herstellung alternativer fortbewegungsmittel erzeugt noch mehr umweltgefährdende stoffe… aber china ist ja weit weg… ironie *off*

  • hallihallo

    seit 2010 gilt der grenzwert von 40 und wurde nie eingehalten. davor hat er aber bei 50 gelegen. als man ihn dann eingehalten hat, hat man auf 40 reduziert.
    früher durfte man in der ortsbereich 50 km/h fahren. als alle 50 km/h fuhren, hat man das limit in bozen auf 40 km/h reduziert. und wenn dann jetzt alle 40 km/h fahren wird man es auf 30 km/h reduzieren.
    es ist auch noch zu sagen , daß die schadstoffe wenige meter neben der autobahn gemessen werden, wo eh niemand wohnt. würde man sie in 200 m entfernung messen, würden die resultate ganz anders aussehen.
    auch in bozen werden die schadstoffe an der kreuzung italienstraße-drusesstraße gemessen, der verkehrsreichsten kreuzung der stadt.
    wenn die luft in der ganzen stadt wie an dieser kreuzung wäre, hätten wir wirklich ein problem.

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