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Stöbern auf MUBI

Farewell Amor – Das Wiedersehen

Die Sinnlichkeit des Kinos, kann mir keine Streaming-Plattform bieten. Kino ist besser und hoffentlich bald wieder da. 

von Renate Mumelter

Was tun, wenn die Kinos geschlossen sind, das Fernsehen zu eintönig und die großen Streaminganbieter zu mainstreamig? Suchen. Es gibt Alternativen zur Überbrückung der kinolosen Zeit. Die Plattform MUBI gehört dazu.

MUBI

„Für mich ist das Kino selbstverständlich der richtige Ort, um ein Filmerlebnis zu haben“, sagt Efe Çakarel, der Gründer der Streamingplattform. 12 Jahre ist das her. „Mit MUBI ersetzen wir nicht das Kino, sondern machen Filme zugänglicher“, sagt MUBI. „Unsere Cinemathek ist voll mit faszinierenden Filmen, die nicht ein einziges Kino in Belgien auch nur eine Woche lang füllen würden – nicht mal einen Tag. Aber wenn du auf der gesamten Welt suchst, wirst du tausende Zuschauer für diese seltenen cineastischen Perlen finden.“ Diese tausend Leute sollten nicht ignoriert werden. „Wenn jemand den Drang hatte solch einen besonderen Film zu drehen, dann bedeutet das, dass irgendjemand, irgendwo auch das Verlangen hat diesen Film zu sehen. Und am wichtigsten dabei ist, dieser jemand könntest du sein“, schreibt MUBI. 

Das Angebot

MUBI zeigt einen Film des Tages, dazu jede Menge Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme aus aller Welt, thematische Reihen und solche, die einzelnen RegisseurInnen gewidmet sind, aktuell zum Beispiel Jodorowsky, Angès Varda oder Ingmar Bergman. Zu leihen gibt es die Filme einzeln oder im 30-Tages-Abo. Ergänzt wird das Angebot von einer Social-Network-Funktion zur Bewertung und Diskussion von Filmen. Kostenlos stöbern lässt sich auf MUBI 7 Tage lang mit einem Probeabo. Danach kostet’s 9,90 Euro im Monat. Die bevorzugte Sprache kann übrigens gewählt werden.  

Farewell Amor – Vater und Tochter

Ekwa Msangi z.B.

Natürlich wäre mir „Farewell Amor“ von Ekwa Msangi in einem Kino viel näher gekommen. Aber im Kino hätte ich diesen Film vermutlich nie gesehen (derzeit schon gar nicht), denn dazu braucht’s einen Verleih und ein Kino, die ihn wollen. Ekwa Msangi erzählt in ihrem preisgekrönten Spielfilm von einer Familie, die nach 17 Jahren der Trennung wieder versucht zusammen zu finden. Vater Walter kam nach dem Krieg in Angola in die USA, seine Frau Esther und die Tochter Sylvie waren noch 17 lange Jahre in Tansania. Das Zusammenfinden ist schwierig. Die Tochter kennt ihren Vater so gut wie gar nicht, die Frau muss damit zurechtkommen, dass 17 Jahre ein lange Zeit sind – ihr Mann auch. Ekwa Msangi erzählt einfühlsam, sie vermeidet große Dramen, zeigt dafür aber die inneren Dramen umso deutlicher. 

Ich kannte weder den Film noch die Regisseurin. Viel ist über Ekwa Msnagi noch immer nicht zu erfahren, außer dass sie 2020 erfolgreich am Sundance Festival teilgenommen hat und in New York lebt. Aufgewachsen ist die tansanische Autorin und Regisseurin ist in Kenia. 

Rungano Nyoni z.B.

„I Am Not a Witch“ ist eine surrealistische Satire auf den real existierenden Hexenkult in Afrika. In ihrem Erstling erzählt Regisseurin Rungano Nyoni von einem Kind, das zur Hexe erklärt wird, in einem Hexencamp leben muss und für gewinnbringende Orakeleien ausgenutzt wird. Besetzt ist der Film mit hervorragenden LaiendarstellerInnen, und wer glaubt, dass sich in diesem Film jemand über Afrika und seine Sitten lustig machen will, irrt. Rungano Nyoni stammt aus Sambia und lebt in Wales. 

Solange ich nicht ins Kino darf, werde ich MUBI wohl treu bleiben.

www.mubi.com

 

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