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(Nicht) gern gesehene Gäste

In den Gemeinden des oberen Pustertales gibt es zahlreiche Zweitwohnungen, die normalerweise über die Feiertage immer genutzt werden: Aber wer in diesem Winter noch nicht angereist ist, darf nicht mehr kommen.

von Silke Hinterwaldner

„Sobald man die Regel kennt, ist es gar nicht mehr so kompliziert“, sagt Hannes Niederkofler. In diesem Fall war die Frage: Dürfen Besitzer von Zweitwohnungen über die Feiertage herkommen? Die staatliche Regelung hat erlaubt, bis zum 21. Dezember anzureisen. Jetzt geht das nicht mehr, weil die eigene Region nicht mehr verlassen werden darf.

Hannes Niederkofler ist Jurist und seit kurzem Stadtrat in Bruneck – und er hat im ersten Lockdown im Frühjahr die eigene Not zu einer Tugend für die anderen gemacht. Weil er nicht arbeiten und auch weder Sport machen noch sich mit Freunden treffen durfte, hat er damit begonnen, die beinahe täglich neuen staatlichen und lokalen Verordnungen aufzubereiten und auf Facebook zu in Kurzform zu erklären.

Davon ist er nicht mehr losgekommen. Also erklärt er: „In Südtirol darf man sich auch nach Weihnachten frei bewegen. Das heißt: Man darf auch sein Ferienhaus innerhalb der Region aufsuchen.“ Was man allerdings nicht darf: von außerhalb der Region nach Südtirol kommen – selbst dann nicht, wenn man hier eine Zweitwohnung besitzt.

Ein schwieriges Kapitel, wie sich bereits im ersten Lockdown gezeigt hat. Denn, wer kontrolliert das? Und wie lässt sich überhaupt kontrollieren, an welchen Tag jemand angereist ist? „Außerdem“, fügt Thomas Summerer, der Bürgermeister von Sexten, hinzu, „könnte es im Winter auch vonnöten sein, in der eigenen Wohnung nach dem Rechten zu sehen, schließlich könnte die Heizung eingefroren sein oder der Schnee auf das Dach drücken.“ Dem schließt sich auch Martin Rienzner, Bürgermeister von Toblach an, der sagt: „Die Zweitwohnung ist schließlich privater Besitz. Es ist bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar, dass Menschen aus der Stadt die Immobilie auf dem Land gerade in dieser schwierigen Zeit nutzen wollen.“

Insofern man bereits am Montag angereist ist, sollte dies auch kein Problem sein. Aber jetzt sind die Regionengrenzen zu. Umso genauer schauen auch die Dorfbewohner darauf, wer unterwegs ist: Sieht man im Geschäft italienische Urlaubsgäste, wird schnell mit dem Finger auf sie gezeigt. Dürfen sie hier sein? Diese Frage beschäftigt auch Gastwirte und Hoteliers, die jetzt über Weihnachten ausschließlich Südtiroler beherbergen dürfen – was in vielen Fällen ein kaum lohnendes Geschäft ist. Sie schauen besonders genau, ob an anderer Stelle nicht Wohnungen vermietet oder sozusagen illegal besetzt werden.

Noch aber lässt der Ansturm auf sich warten – darin sind sich die Bürgermeister einig. Sie sind auch der Meinung, dass dies so bleiben sollte. Denn, so Martin Rienzner, sobald jemand jetzt in Mailand startet, um nach Toblach zu kommen, wird er zwangsläufig früher oder später in eine Straßenkontrolle geraten. Schließlich wurden die Behörden dazu angehalten, über die Feiertage besonders scharf zu kontrollieren.

Auch in Toblach hat er mit den Ordnungskräften die Vorgehensweise bereits besprochen. Demnach werden vor allem die Zugänge zu den Nachbarprovinzen besonders im Auge behalten, etwa das Höhlensteintal oder der Kreuzbergpass. „Manch einer wird trotzdem durchs Netz schlüpfen“, sagt Rienzner. Der Bürgermeister von Toblach rechnet aber nicht damit, dass die Situation sich zuspitzen könnte. Wenn einzelne italienische Gäste sich in einer Zeit im Dorf aufhalten, in der sonst nicht viel los ist, dann fällt das einfach mehr auf. Grundsätzlich gilt für ihn: „Ich sehe das nicht dramatisch.“

Dass es Leute gibt, die nach den Schlupflöchern suchen, um trotz allem die Weihnachtsfeiertage in den schönen Dolomiten zu verbringen, glaubt auch der Bürgermeister von Sexten. Thomas Summerer erklärt, dass die personellen Ressourcen ganz besonders bei der Gemeindepolizei begrenzt sind, insofern sei es schwierig flächendeckend zu kontrollieren. „Insgesamt eine ungute Sache“, sagt er, auch weil die Art der Kontrollen und die Verordnungen in dieser Angelegenheit kompliziert sind. Summerer: „In den vergangenen Tagen und Wochen hat man schon bemerkt, dass einige Zweitwohnungsbesitzer hier sind. Mit dem großen Ansturm aber rechnen wir nicht.“

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