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Der schlafende Vermisste

Foto: LFV

Eine Suchaktion mit bitterem Beigeschmack: Während der starken Schneefälle am Samstag wurden Feuerwehrleute von Verdings und Klausen von ihren Einsätzen abberufen, um im gefährlichen Gelände nach einem betrunkenen Mann zu suchen. Dieser hatte unterdessen ein Zimmer in einem örtlichen Hotel genommen.

von Erna Egger

Der Zorn der Feuerwehrleute ist auch Tage nach dem Einsatz noch nicht abgeklungen: Eine „unnütze“ Suchaktion am Samstag, die parallel zu den Schneeeinsätzen durchgeführt werden musste, hat die Einsatzkräfte mächtig verärgert.

Die starken Schneefälle von Freitag bis Sonntag waren angekündigt, ab Freitag galt der Zivilschutzstatus „Bravo“. Landesweit wurde die Bevölkerung aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Ab Freitagabend standen die Feuerwehrleute in ganz Südtirol für Tage im Dauereinsatz: Umgestürzte Bäume, Lawinen und Muren verlegten die Straßen. Vielerorts kam es zu Stromausfällen.

Auch die Feuerwehren Verdings und Klausen hatten während des Wochenendes keine Verschnaufpause.

Trotz der Warnstufe „Bravo“ trafen sich am Samstagabend jedoch einige junge Männer aus einer Brixner Fraktion mit Kollegen in Klausen zum Feiern. Irgendwann – aus welchem Grund ist nicht bekannt – hat ein 18-Jähriger in scheinbar angetrunkenemZustand die Gesellschaft verlassen. Sein Bruder machte sich auf die Suche nach ihm, konnte ihn aber nicht finden. Deswegen alarmierte er die Carabinieri. Diese orteten das Handy des Vermissten zwischen dem Kloster Säben und dem Buschenschank Hieng Hof. In diesem Bereich war im Februar 2019 ein 17-jähriger Klausner tödlich abgestürzt.

Die Feuerwehren von Klausen und Verdings, sowie die Bergrettungsdienste des AVS und des CNSAS wurden zu einer Suchaktion alarmiert.

Einige Wehrmänner, die bereits wegen der starken Schneefälle alle Hände voll zu tun hatten, mussten von ihren Einsatzorten abgezogen werden und zur Suchaktion aufbrechen.

Die Rettungskräfte suchten den Säbener Berg ab. „Ein sehr gefährlicher Einsatz: Aufgrund des Schneefalls sind auf der Strecke und beim Säbener Berg permanent viele Bäume umgestürzt. Außerdem liefen parallel alle anderen Einsätze“, schildert Markus Mitterrutzner, Kommandant der Feuerwehr Klausen.

Die Suchmannschaften konnten den Mann jedoch nicht finden.

Nach eineinhalb Stunden kam dann die Entwarnung: „Wir haben in Erfahrung gebracht, dass sich der Vermisste ein Bett in einem örtlichen Hotel gesucht und dort geschlafen hat“, so Mitterrutzner.

Die Reaktion der Helfer war entsprechend:

„Am Anfang herrschte effektiv Ärger bei den Einsatzkräften vor, weil wir uns in Gefahr begeben mussten. Bereits vor den heftigen Schneefällen wurde aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Trotzdem waren dann alle froh, dass dem Mann nichts passiert ist“, sagt der Klausner Bürgermeister Peter Gasser, der selbst als Feuerwehrmann bei der Suchaktion beteiligt war. Er betont aber auch: „Wenn derartige Warnstufen vorherrschen, dann sollte man sich an den Aufruf halten.“

Auch Mitterrutzer unterstreicht: „Bei solchen Schneefällen und mit diesem Gefahrenpotenzial sollen die Bürger den Anordnungen Folge leisten. Ansonsten bringen sie sich und die Einsatzkräfte in Gefahr.“

Beide hoffen, dass der Betroffene seine Lehre daraus gezogen hat.

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