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„Liebesgeschichten sind nicht so schlimm“

Philipp Schwarz: Das Einzige, was ich mit Vampiren gemein habe, ist meine blasse Haut, meine schwarze Kleidung und meine Nachtaktivität.

Der Passeirer Musiker Philipp Schwarz, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Schw4rz, bringt im Dezember ein neues Album heraus.  Die Single „Los“  und das Musikvideo dazu sind bereits erschienen. Ein Gespräch mit einem, der sich nicht einordnen lässt.

Tageszeitung: Herr Schwarz, erklären Sie uns, was Vampyre Dream Pop ist.

Philipp Schwarz bzw. Schw4rz: Vampyre Dream Pop sind drei zusammenhangslose Worte. Sie bedeuten in Kombination absolut nichts, jedoch beschreiben sie für mich punktgenau ein Gefühl. Ein Gefühl, welches meine Musik bestens widerspiegelt. Leider kann ich dieses Gefühl nicht wirklich in Worte fassen.  Man könnte aber auch sagen, ich war auf der Suche nach einem Genre. Da mir der Begriff ‚Alternative Pop‘ zu harmlos erschien, habe ich einfach eine neue Musikrichtung ins Leben gerufen.

Vampire erfreuen sich weltweit außerordentlicher Popularität. Wie kommt ein Passeirer  Musiker gerade auf dieses Genre?

Ich bin ein großer Vampirfan, jedoch hat meine Musik sehr wenig mit Vampirismus zu tun. Im Gegenteil – sie soll nicht Energie nehmen, sondern geben. Das Einzige, was ich mit Vampiren gemein habe, ist meine blasse Haut, meine schwarze Kleidung und meine Nachtaktivität. Oder etwa doch mehr?

Mit der Band „The National Orchestra of the United Kingdom of Goats“  sind Sie in Kriegsbemalung, Masken und Kutten aufgetreten. Damals hat man Sie für Satanisten gehalten.

Wer sagt das? Ich dachte immer, die eigentlichen Teufelsanbeter tragen Anzug und Krawatte. Scherz. Viele Leute lassen sich zu viel von Erscheinungsbildern beeinflussen bzw. ablenken und stecken diese sofort in eine wohlbekannte Schublade. Das ist urmenschlich. Würde man nicht nur an der Oberfläche kratzen, so würde man den eigentlichen Kern und dessen Botschaft erkennen. Hinter einem bedrohlichen Erscheinungsbild verbirgt sich meist ein kostbares Juwel.

Wie geht es dem „Vereinigten Königreich der Ziegen“ und der Saga von „Kolepta“? Existiert es noch?

Das Königreich lebt und wird niemals fallen. Die Geschichten von Kolepta und dem Kingdom of Goats leben in unseren Köpfen weiter. Es wird der Tag kommen, da wird unsere Welt neue Sagen und Erzählungen aus dem Königreich hören. Alles hat seine Zeit.

Ihr jüngst veröffentlichtes Video zur Single „Los“ erzählt eine klassische Liebesgeschichte. Haben Sie genug von düsteren Welten und Sagas?

Nun, wenn man das Video genauer betrachtet, so erkennt man auch hier einen leichten Hang zur Düsterheit; die raue Berglandschaft, die schwarze Kleidung, die Ungewissheit. Anscheinend steckt noch sehr viel davon in mir. Die Liebesgeschichte rundet das Ganze lieblich ab. Yin und Yang eben. Und unter uns, Liebesgeschichten sind ja gar nicht so schlimm.

Gedreht wurde das Video auf dem Timmelsjoch. Die Gegend schaut aus wie für einen Soundtrack geschaffen. Warum gerade dort?

Die Gegend ist wirklich malerisch. Die perfekte Kulisse für einen alpinen Vampirthriller.  Ganz ehrlich, ich war vor dem Dreh noch nie da oben. Die Idee, dort zu filmen, kam vom Regisseur und Filmemacher Michael Gufler. Ich habe Orte und Bilder in meinem Kopf und er zeigt mir diese in der realen Welt. Eine hollywoodreife Zusammenarbeit, die wir ständig neu auffrischen.

Auf dem Gipfel legen Sie ein Foto und eine lila Hortensie hin. Eine überaus symbolische Blume.

Sehr gut aufgepasst. Kurz vor Drehbeginn war ich auf der Suche nach einer violetten (das neue Album, auf welchem ‚Los‘ zu finden ist, nennt sich ‚Violett‘) Blume. Da ich kein Florist bin und null Ahnung von Blumen habe, bat ich meinen hochgeschätzten Vetter, welcher ein Blumengeschäft besitzt, um Rat. Er empfahl mir eine Hortensie und erklärte mir deren Symbolik. Ich war sofort sehr angetan und wusste, das ist die Richtige.

Der Song ist sanft, poppig, verträumt, ein bisschen schwermütig und rhythmusbetont. Alles Zutaten mit Hitpotential. Wie läuft es mit Ihrer Karriere?

Über die Karriere mach ich mir momentan nicht viele Gedanken. Ich versuche einfach jeden Tag so gut wie möglich zu nutzen: texten und komponieren, neue Musik aufnehmen, sich neue Videokonzepte überlegen und diese ausführen, Interviews beantworten. Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles machen kann. Ich versuche, den Moment zu genießen. Im Moment liegt schließlich das Glück.

Sie komponieren, texten und nehmen Ihre Songs selbst auf. Wie sind Sie zum Musiker geworden?

Indem ich alles daran setzte. Schon als Kind träumte ich von der Bühne. Es folgte ein steiniger Weg. Das Klischee ‚Sex, Drugs and Rock’n’Roll‘ entspricht nicht ganz der Wahrheit. Hinter dem Begriff Musiker steckt eine Menge harter Arbeit und Hingabe.Ich hatte aber auch sehr viel Glück, denn ich war ständig von unglaublich talentierten und tollen Menschen umgeben, von denen ich sehr viel lernen durfte. Ohne diese lieben Freunde wäre ich heute nicht da wo ich bin. Ich bin sehr dankbar dafür.

Im Moment haben Musiker es durch die Maßnahmen gegen Covid 19 sehr schwer. Was macht der Lockdown mit Ihnen?

Der Lockdown hat mir einen Tritt in den Allerwertesten verpasst und mir damit gesagt, ich solle doch meine Lebenszeit nun gut nutzen und an meiner musikalischen Vision arbeiten. Diesen Rat habe ich befolgt. Die Zeit von März bis jetzt war die kreativste Phase meines Lebens. Und ich habe noch nicht vor, diese zu beenden.

Wo will der Solomusiker mit dem Künstlernamen Schw4rz hin?

Wohin es geht ist eigentlich egal. Der Weg ist das Ziel, wie es so schön heißt. Am 21. Dezember wird mein neues Album ‚Violett‘ erscheinen. Der Plan für nächstes Jahr steht. Schw4rz wird sich ständig weiterentwickeln und versuchen, sich ständig neu zu erfinden und zu entdecken. Ich kann im Grunde machen, was ich will. Schw4rz ist ein Herzensprojekt. Es folgt keinem Trend. Es passt in keine Schublade. Es entsteht einfach. Und ich lasse es entstehen.

Interview: Heinrich Schwazer

 

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