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…così il disegno sa dove atterrare

LisaPonti, Senzatitolo, Collezione privata. Courtesy Archivio Lisa Ponti

Sie war in der Redaktion der Zeitschrift STILE und Chefredakteurin von Domus, doch sie war auch eine Zeichnerin. Kunst Meran widmet der im vergangenen Jahr verstorbenen Lisa Ponti eine Ausstellung.

(sh) Gezeichnet hat sie ausschließlich auf A4 Blättern. „È un bene usare un foglio sempre uguale, cosi il disegno sa dove atterrare.“ (Es ist gut, immer die gleiche Blattgröße zu verwenden, so wissen die Zeichnungen, wo sie landen können) sagte die Künstlerin über ihre Gewohnheit, immer das gleiche Format zu verwenden. Fläche und Linie – als Abstraktum ein hochphilosophisches Sujet – werden mit dieser konzeptuellen Entscheidung gewissermaßen auf das Material geerdet, das ihre Arbeit ohnehin bestimmte: Das genormte und weltweit gebräuchlichste Format für Schreibpapiere sorgt dafür, dass deutsche und italienische Schüler in Hefte genau der gleichen Formate schreiben wie die französischen oder finnischen. Für Lisa Ponti, die von 1940-1979 zuerst in der Redaktion von STILE und später als Chefredakteurin von Domus mit ihrem Vater, dem berühmten Architekten und Designer Gio Ponti zusammenarbeitete und bis 1986 auch die Kunst-Seiten der Zeitschrift verantwortete, war das A4-Schreibpapier Alltag. Sie ist Verfasserin unzähliger Texte und Interviews zu Kunst, Architektur und Design und Autorin mehrerer Kinderbücher.

Christiane Rekade, Salvatore Licitra (Archivio Lisa Ponti und Gio Ponti Archives) sowie Massimo Martignoni geben  bei Kunst Meran erstmals einen Einblick in das reiche zeichnerische Werk der 1922 geborenen und 2019 verstorbenen Künstlerin.

Ponti, das ist ein Name, dem man/frau nicht so leicht entkommen kann. Der berühmte Vater, Architekt und Designer, nach dessen  Vorgaben der Pirelli Tower, heute eines der Wahrzeichen Mailands, erbaut wurde, der 1928 das Magazin Domus gründete und damit den Diskurs italienischen Designs nachhaltig prägte, ist eine Überfigur. Dass die Beziehung zwischen Künstlervätern und Künstlerkindern mitunter bittere Lektionen enthalten kann, ist kunstsoziologisch ein Gassenhauer. Lisa Ponti hat ihre künstlerische Produktion in der Tat lange hinter die Redaktionsarbeit gereiht. Obwohl sie schon immer gezeichnet hatte, realisierte sie ihre erste Einzelausstellung erst 1992 im Alter von 70 Jahren. Danach wurden ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen, u.a. in der Galleria Franco Toselli, Mailand (1992), in der Galleria Nazionale di Arte Moderna, Rom (2005), der Victor Saavedra Gallery, Barcelona (2009), in der Palazzina Azzurra di San Benedetto, Tronto (2011), in der Galleria Milano di Carla Pellegrini (2011) und in der Galleria Federico Vavassori, Mailand (2017) präsentiert.

Von fast nebensächlicher Selbstverständlichkeit und Formsprache sind ihre Zeichnungen. Man kann sich wunderbar vorstellen, wie sie in wenigen Minuten in entschlossenen, dynamischen Strichen zu Papier gebracht wurden. Unmittelbarkeit und Direktheit, zeitlose Poesie,  feiner Humor und zurückhaltende Eleganz kennzeichnen ihre überfliegenden Gedankenflüge. Formal kombiniert sie den einfachen Bleistift oder Farbstift oft mit Aquarellen, mit minimalen Collagen, oder sie experimentiert  mit der Färbung des angebrannten Papiers. Die feingliedrige Bildpoesie verrät eine gewisse Nähe zur linea fragile von Lorenzo Mattotti, insofern das Weiß des Blattes mehr noch als die Linie selbst Gestaltungsmittel ist. Ponti schraffiert kaum, fast alles ist Kontur, aber eine bebend- pulsierende, die den Figuren ungeachtet der graphischen Reduktion höchste Vitalität jenseits aller Grübelei verleiht.

Christiane Rekade hat den Großteil der Zeichnungen zu einem Bildblock arrangiert, der einer „Petersburger Hängung“ sehr nahe kommt. Das macht das Schauen zum Suchen und ist damit selbst eine genuin zeichnerische Setzung. Die plane Fläche als abstrakter Bild-Raum wird, wie die Einzelzeichnungen selbst, zum Luftkörper, in dem die Werke landen können.

Termin: Bis 17. Januar 2021 bei Kunst Meran

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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