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Der Bonus-Ärger

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Wegen eines nachträglich aufgetretenen Problems könnten viele Südtiroler, die sich zuletzt für den 110-Prozent-Superbonus einem Fernheizwerk angeschlossen haben, durch den Rost fallen.

von Heinrich Schwarz

Ein Betroffener ist verärgert: „Zuerst wird monatelang der 110-Prozent-Bonus beworben und nun scheint es so, als ob man bei einem ja auch groß beworbenen Anschluss an ein Fernheizwerk aufgrund von unglaublicher Bürokratie leer ausgehen wird.“

Was ist passiert?

Im Frühsommer gelang es den SVP-Parlamentariern in Rom, einen Passus zum 110-Prozent-Steuerabzug in das Neustart-Dekret einzubauen: Der Superbonus wurde auf Neuanschlüsse an die Biomasse-Fernwärmeversorgung ausgeweitet. „Dank dieser Maßnahme können viele Bürger ihre veralteten Dieselkessel und holzbefeuerten Anlagen durch umweltfreundliche und kostengünstige Biomasse-Fernwärme ersetzen“, erklärte der Kammerabgeordnete Albrecht Plangger, der den Passus auf Anregung des Südtiroler Energieverbandes eingebracht hatte.

Einige Südtiroler haben daraufhin den Wechsel zu einem Fernheizwerk vollzogen, um vom Superbonus zu profitieren. Allerdings ist ein Problem mit der Zertifizierung der Biomasse aufgetreten, sodass der Bonus ins Wasser fallen könnte und man mit dem Anschluss ans Fernheizwerk finanziell teilweise schlechter dasteht als etwa mit einer alten Ölheizung.

Beim Energieverband als Interessensvertreter der Fernheizwerke kennt man die Problematik bestens. Der zuständige Mitarbeiter Thomas Egger schildert: „Das Gesetz besagt, dass der Primärenergiefaktor – in diesem Fall die Energie, die die Fernheizwerke produzieren – von einem akkreditierten Institut zertifiziert sein muss. Den Primärenergiefaktor brauchen die Kunden, um den 110-Prozent-Bonus in Anspruch zu nehmen. Unseres Wissens gibt es aber kein akkreditiertes Institut für die Zertifizierung des Faktors. Leider werden in Italien oft bestimmte Dinge verlangt, für die es nicht die Voraussetzungen gibt.“ Betroffen seien alle Fernheizwerke in Südtirol.

Inzwischen gebe es ein Schreiben des Ministeriums, wonach in Ermangelung eines akkreditierten Institutes eine Art Eigenerklärung möglich sei, so Egger, der erklärt: „Wir prüfen gerade zusammen mit der Klimahaus-Agentur, welcher Faktor nötig ist, damit die Kunden den Bonus in Anspruch nehmen können.“ Bekanntlich ist die Verbesserung um zwei Klimaklassen Voraussetzung.

Eine Sicherheit, ob es mit dem Steuerbonus doch noch klappt, gebe es derzeit nicht. „Die Agentur der Einnahmen wird bei Kontrollen zuerst nach dem Zertifikat fragen. Wenn man dann alle möglichen Unterlagen raussuchen muss, macht es das Ganze nicht einfacher“, meint Thomas Egger.

Jedenfalls setze der Energieverband alles daran, eine Lösung zu finden. „Denn es ist für uns sehr wichtig“, so Egger, „dass möglichst viele, die noch fossil heizen, auf Biomasse-Fernwärme wechseln, um den Klimazielen näher zu kommen. Jetzt bietet sich eine wohl einmalige Chance, den Wechsel zu 100 Prozent finanzieren zu lassen.“

Laut Thomas Egger gibt es viele potenziell Interessierte. Der große Ansturm werde aber wohl erst nächstes Jahr kommen, so der Verbandsmitarbeiter, der darauf hinweist, dass der Superbonus nicht mit Landesbeiträgen für den Fernwärme-Anschluss kumulierbar sei.

Jene, die die Arbeiten in den letzten Wochen bereits abgeschlossen haben, könnten indes durch den Rost fallen, weil die gesetzlich vorgesehene Prozedur womöglich nicht eingehalten werden kann. „Man muss aber jeden Fall genau anschauen“, so Egger.

Allgemein rät er, bei solchen gesetzlichen Neuerungen abzuwarten, bis sich der Nebel etwas lichtet: „Beim 110-Prozent-Bonus sollte man im Zweifelsfall – wenn möglich – den Anschluss auf das nächste Jahr verschieben, damit man gut planen kann.“

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