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Überwachung und Reglementierung

BLACK SWAN 2020, Digitaldruck auf Alu Dibond, 70 x 105 cm, Auflage 3, Courtesy Antonella Cattani Contemporary Art, Bozen

 

Inspirieren das Coronavirus und die Quarantäne die Künstler*innen zu neuen Werken? Wenn ja, zu welchen? Die Corona-Galerie der Tageszeitung sucht Bilder und fragt mit Marcel Proust und Max Frisch nach. Heute die in Bruneck und Berlin lebende Künstlerin Julia Bornefeld.

Wie geht´s?

Mir persönlich geht es gut.

Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Ich bin konzentriert  und arbeite an vielen Projekten.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich lese zur Zeit „Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen“ des Autors Yuval Noah Harari, sehr passend zur derzeitigen Lage, sowie das Buch „Sternenjäger“ von Jon Larsen.

Was ist Ihre erste Erinnerung?

Ich erinnere mich an die Stimme meiner Mutter.

Was wollten Sie als Kind werden?

Malerin, Künstlerin.

Warum sind Sie Künstlerin geworden?

Ich komme aus einer musisch orientierten Familie , ein Grundstein, um KünstlerIn zu werden. Auch bin ich sehr freiheitsliebend und habe schon als Kind immer gezeichnet, gemalt.

Bereuen Sie diese Entscheidung manchmal?

Nein, meine Entscheidung habe ich nie bereut.

Wenn Sie nicht Künstler wären, wer oder was möchten Sie sein?

Oftmals sagte ich: im „nächsten Leben“ werde ich MusikerIn, das wäre dann schon wieder ein Beruf in dem Bereich Kunst.

Welche/r Künstler/in hat Sie am stärksten beeinflusst?

Viele MalerInnen aus der Zeit des Informell und der Arte Povera haben mich beeinflusst.

Welches künstlerische Werk hätten Sie gern selbst gemacht?

Mich interessiert das Gesamtkunstwerk mit einem universellen Ansatz. Daher möchte ich mich nicht auf ein Werk festlegen.

Welchem/r Künstler/in möchten Sie gerne begegnen?

Sehr gerne wäre ich Leonardo da Vinci begegnet. Er war ein Multitalent.

Was würden Sie ihn/sie fragen?

Lieber als zu fragen, würde ich mich eine Zeit neben ihm aufhalten, um zu erleben, wie er arbeitet und lebt.

Zweifeln Sie manchmal an der Kunst?

Ich zweifle nicht an der Kunst, sondern ich zweifle an mir, oder an meiner Umwelt, an den Geschehnissen. Die Kunst ist das Medium, mit dem ich meine Zweifel verarbeite und ausdrücke.

Was nervt Sie an der Kunstwelt?

Die Kunstwelt beschäftigt sich immer weniger mit den Inhalten der Werke, Kunst , Ausstellungen und Kunstmessen mutieren immer mehr zu gesellschaftlichen Events. Vor der Jahrtausendwende standen Inhalte und Diskussion noch mehr im Mittelpunkt.

Was vermissen Sie in der Quarantäne am meisten?

Ich vermisse es, meine Angehörigen und Freunde zu sehen.

Verändert die Quarantäne Ihre Kunst oder machen Sie einfach weiter wie bisher?

Die momentanen Geschehnisse verarbeite ich in meinem Atelier/ Experimentierraum, in dem die Pandemie, die Quarantäne, damit zusammenhängende Ängste, Nöte und Gedanken in Werke einfließen.

Ist die Corona-Pandemie ein Thema Ihrer Kunst oder halten Sie sie davon frei?

Mein zur Zeit mit weißer Plastikfolie ausgekleidetes Atelier wird zum LABOR. Seit 2 Monaten verarbeite ich die Eindrücke des allgegenwärtigen Zustände und der Stimmung.

Wovor fürchten Sie sich?

Ich befürchte, dass uns die durch die Pandemie weltweit ausgelöste Krise zu größerer staatlicher Überwachung und Reglementierung mit negativen Folgen führen wird, und dass die aus der Pandemie resultierende Wirtschaftskrise eine negativ Spirale nach sich zieht…

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Oftmals fehlt es mir an „Zeit“.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Wir haben mehrfach in dem letzten Jahrhundert Geschichte erlebt, was Unglück ist.  Das größte Unglück wäre, wenn man nicht aus dem Unglück lernt und es sich wiederholt und noch verschlimmert.

Möchten Sie gerne reich sein?

Ein gewisses Auskommen ermöglicht,  in Freiheit  und entspannt zu leben und zu arbeiten.

Welche Hoffnung haben Sie schon aufgegeben? 

Bisher habe ich noch keine Hoffnung aufgegeben, Hoffnung und Zuversicht sind ein Antrieb.

Welches ist Ihr liebstes Vorurteil?

Fällt mir so spontan keines ein.

Lieben Sie jemand?

Ja natürlich liebe ich jemanden.

Sind Sie sich selbst ein/e gute/r Freund/in?

Eigentlich ja, man wird sich selbst ja nicht los

Was würden Sie an Ihrem Äußeren am liebsten ändern?

Es passt schon so, wie es ist

Was ist Ihr größter Fehler?

Oftmals ist es Ungeduld

Was verabscheuen Sie am meisten?

Unter Druck gesetzt zu werden

Wie alt möchten Sie werden?

So alt wie möglich, aber unter gesunden Umständen.

Wie möchten Sie sterben?

Einfach einschlafen

Glauben Sie an die Wiedergeburt?

Ja sicherlich, Menschen haben oftmals eine alte Seele.

 

Zur Person

Julia Bornefeld, Jahrgang 1963, wurde in Kiel geboren; lebt und arbeitet heute in Bruneck und Berlin. Sie studierte Malerei an der Fachhochschule für Gestaltung in Kiel und absolvierte ein Gaststudium an der Accademia delle Belle Arti di Venezia sowie an der Akademija Likovna Umjetnost, Ljubljana. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. Joe-und-Xaver-Fuhr-Preis (1990), Förderpreis des Landes Schleswig-Holstein (1990), Gottfried Brockmann-Preis der Landeshauptstadt Kiel (1991), Icona, Art Vienna (2006). Ausstellungen in diversen internationalen Galerien und Museen; Werke in Sammlungen u.a. im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Stadtgalerie Kiel, Museion Bozen, Lentos Kunstmuseum Linz, Art Gallery of Nova Scotia u.a.

 

 

 

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