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„Brauchen breite Allianz“

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Die Bauern suchen unter dem Motto „Weide oder Wolf“ nach Verbündeten, um die Ausbreitung des Großraubwildes im Alpenraum einzudämmen.

Die Ausbreitung des Großraubwildes im Alpenraum war ein bestimmendes Thema bei der Europawanderung, zu der der Südtiroler und der Tiroler Bauernbund kürzlich eingeladen hatten. Gewandert sind Agrarpolitiker, Landwirtschaftsvertreter und ehemalige politische Größen heuer in der Grenzregion rund um den Reschenpass.

Die Europawanderung ist jedes Jahr aufs Neue ein Treffpunkt für Vertreter der Landwirtschaft aus Südtirol, Österreich und Deutschland. Selten aber war die Gruppe so mit hochkarätigen Teilnehmern besetzt wie in diesem Jahr.

Mit dabei waren unter anderem der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler, die EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann und Simone Schmiedtbauer, der deutsche und gleichzeitig europäische Bauernpräsident Joachim Rukwied, die Bauernbund-Obmänner bzw. -Präsidenten Walter Heidl (Bayern), Georg Strasser (Österreich), Josef Geisler (Tirol) und Leo Tiefenthaler (Südtirol), Vertreter der Österreichischen Landwirtschaftskammer, der Südtiroler Landtagsabgeordnete Franz Locher, Landesbäuerin Antonia Egger sowie das Bauernjugend-Führungsduo Wilhelm Haller und Angelika Springeth.

Ausgiebig wurde auf der Wanderung über aktuelle Themen diskutiert – wobei der Wolf den Ton angab.

Bauernbund-Präsident Georg Strasser betonte: „Wenn hier nichts geschieht, dann ist die gesamte Arbeit der Almwirtschaft im Alpenraum gefährdet. Im herrschenden Kulturkampf zwischen urbaner und ländlicher Bevölkerung geht ein Aspekt oft unter: Gerissene Tiere lassen sich nicht mit Geld entschädigen, sondern haben zur Folge, dass bald niemand mehr auf den Almen die Arbeit macht und es die Landschaft, die unser Tourismus immer bewirbt, nicht mehr gibt.“

Die FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Richtlinie der EU, auf die sich die Wolfsbefürworter immer berufen, sei überholt und längst zu überarbeiten. „Wir wollen wissen, wie viele Wölfe notwendig sind, um eine angemessene Population zu erreichen. Wir sind überzeugt, dass dieser Punkt im Alpenraum längst erreicht ist“, betonte Strasser.

In Tirol gibt es seit Kurzem einen „Verein zum Schutz und Erhalt der Land- und Almwirtschaft“. Dieser will aufklären, vernetzen und branchenübergreifend auf die Gefahren aufmerksam machen, die eine Rückkehr des Wolfes für die Almwirtschaft mit sich bringt.

Weil dieser Verein die Diskussion über die Landwirtschaft hinausbringt, bezeichnete Josef Hechenberger, der Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer und Vorsitzender des Vereins, ihn als „Schulterschluss wichtiger Partner für ein gemeinsames Anliegen“. Er lud alle ein, sich dem Verein anzuschließen.

Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl beschwor eine breite Allianz unter dem Motto „Weide oder Wolf“.

Der Südtiroler Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler lud die anwesenden Bauernvertreter ein, grenzüberschreitend nach Lösungen für das Wolf-Problem zu suchen: „Wir wollen nicht die Nein-Sager sein, aber sensible Zonen schaffen, in denen die Almwirtschaft eine Zukunft hat und eine Entnahme von Wölfen und anderen Großraubtieren möglich ist.“

Die anderen Themen

Neben dem Wolf kam bei der Diskussion auch die aktuelle Entwicklung der EU-Agrarpolitik zur Sprache. Joachim Rukwied rief die EU-Parlamentarier auf, die Frage um das EU-Agrarbudget rasch abzuschließen und sich dann für eine Umsetzung des Vorschlages des ehemaligen EU-Agrarkommissars Phil Hogan stark zu machen: „Wir müssen unbedingt verhindern, dass die Diskussion über die Zukunft der Agrarpolitik wieder bei Null startet. Den Ton bei den Verhandlungen müssen weiterhin die Agrarvertreter angeben. Es kann nicht sein, dass andere Sparten über die Zukunft der Landwirtschaft entscheiden. Wir sind nicht gegen Veränderungen, aber wir wollen sie mitgestalten“, forderte Rukwied.

Dem schloss sich auch Franz Fischler an: „Es geht jetzt darum, das zur Verfügung stehende Geld sinnvoll einzusetzen, dabei sind vor allem die Mitgliedstaaten mit ihren Nationalen Strategieplänen gefordert.“

Dorfmann rief zu mehr Mut in der Diskussion über die Zukunftsfragen der Landwirtschaft auf: „Kein Sektor arbeitet so nachhaltig wie die Landwirtschaft, keine andere Branche absorbiert so viel Kohlendioxid wie die Landwirtschaft und niemand ist so zukunftsorientiert wie wir. Wir müssen das nur öfter öffentlich klar machen.“

Die aktuelle „Farm to Fork“-Strategie der EU-Kommission sei extrem ideologisch und oberflächlich und „tue so, als ob alles, was in den vergangenen Jahrzehnten gemacht wurde, schlecht gewesen sei“.

Bei der Frage um die Biodiversität gelte es, einen Ausgleich zu schaffen und auch problematische Folgen anzusprechen.

„In Villnöß haben wir ein Beispiel für eine Schafrasse, deren Erhalt mit EU-Geldern gefördert wurde, und die jetzt von einem in der EU streng geschützten Tier vernichtet wird. Da stimmt etwas nicht“, betonte Dorfmann.

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