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Der verlorene Sohn 1934

Den einzigen Film von Luis Trenker, der wirklich zum Wiedersehen ist, gibt’s am Donnerstag auf Voranmeldung. 

von Renate Mumelter

Der Stanglerhof in St. Konstantin bietet an seinen Filmdonnerstagen dieses Jahr auch eine Trenker-Retrospektive an. Am kommenden Donnerstag ist jener Film an der Reihe, den ich empfehlen kann. Besser ist allerdings, wenn ein paar Fakten in Erinnerung gerufen werden. 

„Der verlorene Sohn“ kam 1934 in die Kinos. Produziert hatte ihn noch Paul Kohner, der die deutsche Dependance der Universal-Film leitete. Es war seine letzte Produktion in und mit Deutschland. Wegen seiner jüdischen Abstammung musste Kohner ins Exil. Dort arbeitete er erfolgreich als Agent von Marlene Dietrich, Billy Wilder, Liv Ullman und vielen anderen. Bereits 1938 gründete er den European Film Fund, der vertriebene deutsche Filmschaffende unterstützte.

Luis Trenker war politisch weniger delikat. Er drehte im Naziregime genauso wie unter den Faschisten und passte sich der jeweiligen Bildsprache an. Wichtig war ihm, dass die Kasse stimmte. 1935 nahm er für „Der verlorene Sohn“ bei der Biennale in Venedig den Pokal des Regimes für den „ethisch bedeutendsten Auslandsfilm“ entgegen. 

„Der verlorene Sohn“ erzählt die Geschichte von Tonio, einem sportlichen, feschen und draufgängerischen Bauernsohn (Trenker), der bei einem Skirennen die wohlhabende Touristin Lilian aus Amerika kennelernt, die ihm sofort verfällt. Er wird neugierig auf die große weite Welt, verlässt Verlobte, Familie und Freunde und schifft sich ein. Angekommen in New York lernt er das arme und rücksichtslose Amerika kennen. Er sinkt tief bis er erkennt, dass seine Heimat jener Ort ist, an dem er sein will, an dem die Welt heil ist, die Menschen Werte haben und Bräuche. Ausgerechnet am 24. Dezember kommt er heim und alles wird gut. Die Scholle hat ihn wieder.

1945 wurde der Film von den Alliierten verboten, weil die USA schlecht dargestellt waren und Blut-und-Boden ziemlich offensichtlich.

Warum ich den Film doch empfehle, ist schnell gesagt. Trenker hat es immer schon verstanden, sich mit Könnern zu umgeben, allen voran den Kameraleuten, die vom Bergfilm kamen. In seiner Zeit als Schauspieler beim Bergfilmpionier Arnold Fanck lernte er sie kennen und er nahm den einen oder anderen mit. Albert Benitz führte für fast alle seine Filme die Kamera. Er war Schüler von Sepp Allgeier, einem der hervorragenden Bergfilmer.

In diesem Film  sind es weder die SchauspielerInnen noch die Story, die begeistern, sondern es sind die Bilder, und hier sind es vor allem die Amerika-Bilder. In den New Yorker Szenen habe Trenker den italienischen Neorealismo vorweggenommen, sagte Roberto Rossellini. 

Regisseur Trenker hatte die Bilder mit versteckter Kamera drehen lassen, was damals absolut unüblich war. Sie zeigen Armut, Massenarbeitslosigkeit, Einsamkeit und stehen im starken Gegensatz zu den Bildern aus der Heimat.

In die Filmgeschichte eingegangen sind ein paar Einstellungen, der kernige Tiroler vor der Freiheitsstatue zum Beispiel, und vor allem eine Überblendung zwischen Wolkenkratzern und Dolomitengipfeln.

Der verlorene Sohn (D, 1934), 80 Min., Regie Luis Trenker, Kamera Albert Benitz und Reimar Kuntze, mit Luis Trenker in der Hauptrolle. Bewertung: mit Runduminformationen sehenswert

23/07/2020 Stanglerhof, Voranmeldung verpflichtend. Ab 19h Aperitif, 19.30h Buffet (20 Euro), 21h Film (für die Vorführung ist freiwillige Spende willkommen). https://www.stanglerhof.bz.it

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