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Die unverhofften Gäste 

Besser als gedacht: Im Osten des Landes verbringen traditionell viele Italiener ihren Sommerurlaub – auch in diesem Corona-Sommer. 

von Silke Hinterwaldner

Gäste auf den Radwegen, auf den Wanderwegen, in den Fußgängerzonen: In den Tourismusdestinationen des Pustertales und des Gadertales hat es manchmal den Anschein, als würde es kein Morgen geben. Die Menschen wollen Urlaub machen, sie wollen sich erholen. Es ist aber gleichzeitig so, als ob es kein Gestern gegeben hätte.

Ist die Normalität tatsächlich wieder in Südtirol eingekehrt? Arbeitet der Tourismus wie eh und je? Mit welchen Schwierigkeiten hat man zu kämpfen?

Grundsätzlich gilt: Seit jeher funktioniert der Tourismus in den einzelnen Gebieten des Landes unterschiedlich. Während das Meraner Land oder das Unterland vor allem auf den Frühlings- und Sommertourismus setzen, arbeitet man im Osten des Landes im Winter umsatzträchtiger. Aber auch im Hochsommer sind die Täler im Pustertal zu beliebten Urlaubsorten geworden. Dort sucht vor allem der italienische Gast ein bisschen freschezza, während man in anderen Gebieten mehr mit dem deutschen Gast arbeitet. Rund 80 Prozent italienische Gäste im Osten des Landes – davon können andere Urlaubsdestinationen in Südtirol derzeit nur träumen. Denn: Die Italiener kommen heuer im Sommer. Deutsche, Schweizer und andere eher weniger.

Das bedeutet auch, dass die finanziellen Ausfälle im Tourismus des Pustertales und des Gadertales durch die Corona-Krise wesentlich geringer ausfallen als anderswo. Das ist den Touristikern im Pustertal auch durchaus bewusst. „Wir dürfen uns nicht beklagen“, schickt Thomas Walch gleich voraus. Der HGV-Obmann im Pustertal und im Gadertal sagt rundheraus, dass es heuer im Sommer weit besser läuft als man lange befürchtet hatte. Er fügt aber auch hinzu: „Von den Buchungszahlen anderer Jahre sind wir jedoch weit entfernt. Es gibt immer noch freie Zimmer.“

Der Ansturm der italienischen Gäste konzentriert sich derzeit vor allem auf die Wochenenden. Und auch dort nutzen die Besucher zunächst ihre Zweitwohnungen, und sie begeben sich vermehrt auf die Suche nach buchbaren Ferienwohnungen. Für die Hoteliers, aber auch für die Gastwirte, ist das weniger erfreulich.

„Uns bereitet am meisten Schwierigkeiten“, sagt Alice Cacciatore Ortner, „dass die Gäste erst im allerletzten Moment buchen. Im Corona-Sommer fällt die Entscheidung für einen Urlaub sehr kurzfristig. Das macht die Planung schwierig und betrifft in der Folge nicht nur uns Hoteliers, sondern auch die Mitarbeiter.“ Aber auch die HGV-Obfrau in Innichen ist insgesamt recht positiv gestimmt. Viele Gäste, die etwa vor Jahren das Pustertal und ihr Hotel besucht hätten, würden heuer wieder kommen, anstatt in ein anderes Urlaubsland außerhalb von Italien zu fahren. Alice Cacciatore Ortner sagt: „Sie kennen die Gastgeber und die Umgebung und sie wissen, dass sie sich auch darauf verlassen können, dass alle Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Das ist den Gästen wichtig.“ Grundsätzlich informieren sie sich gut und so gut wie alle Gäste halten sich auch an die Corona-Regeln. Sehr zur Freude auch der Einheimischen.

„Es geht schon in die richtige Richtung“, sagt Thomas Walch. Und trotzdem, sagt er, hat Corona ein erhebliches Loch etwa in die Bilanzen seines Hotels in Toblach gerissen. Für Juli, sagt er, fehlt ihm 90.000 Euro Umsatz. Einen Großteil der Mitarbeiter hat er mittlerweile wieder im Einsatz. 16 von 17 haben wieder einen sicheren Job.  Jetzt im Juli zeigt sich, dass die italienischen Gäste gerne nach Südtirol kommen, die Deutschen aber Angst haben, beziehungsweise verunsichert sind und sich etwa vor einer neuerlichen Grenzschließung fürchten. Deshalb, so Walch, „müssen wir in der Südtirol-Werbung verstärkt darauf setzen, dass wir ein sicheres Urlaubsland sind“.

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