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„Frauen in die Task Force“

Ulrike Oberhammer

Der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen interveniert bei Familienministerin Elena Bonetti.

Die Bewältigung der Coronakrise und die Schaffung von bestmöglichen Voraussetzungen für einen Neustart in der Phase 2 steht derzeit ganz oben auf der Agenda der römischen Regierung.

„Auf meine Intervention hin hat die Koordinatorin der Nationalen Konferenz der Präsidentinnen der Kommissionen für Chancengleichheit (Zusammenschluss der Kommissionen für Chancengleichheit der Regionen und Autonomen Provinzen), Roberta Mori, ein Schreiben an Familienministerin Elena Bonetti geschickt, damit die weibliche Sichtweise in die Entscheidungen für die Wirtschafts- und Familienunterstützung zur Bewältigung der Coronakrise einfließen. Denn gerade die Frauen leisten in dieser Krise Unglaubliches an ihrem Arbeitsplatz in den systemrelevanten Berufen oder im smartworking und in der Familien- und Pflegearbeit,“ erklärt die Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit für Frauen Ulrike Oberhammer den Hintergrund der Intervention.

In nationalen Beratungsgremien sind kaum Frauen vertreten

Beraten wird die Regierung in erster Linie von einer „Task force“, die ihre Expertise in die anstehenden Fragen einbringt. Im 17köpfigen Beratungsgremium sitzen jedoch nur vier Frauen.

Im technisch-wissenschaftlichen Komitee des staatlichen Zivilschutzes ist keine einzige Frau vertreten. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron berief zu Beginn der Pandemie einen Krisenstab ein, der fast ausschließlich aus Männern bestand. Sehr zum Ärger seiner Gleichstellungsministerin Marlène Schiappa. Die beauftragte prompt eine Parlamentarierin, die Präsenz von Frauen in Medien und staatlichen Expertengremien zu messen.

„Gerade in Krisenzeiten können wir die Welt nicht ohne eine Hälfte der Bevölkerung analysieren“, erklärte Schiappa. Schiappas Kampf um die Sichtbarkeit von Frauen in der Corona-Krise hat ebenfalls Erfolg.

In den Talkshows sitzen nun häufiger Expertinnen. Und Emmanuel Macron schickt in die tägliche Corona-Pressekonferenz der Regierung mittlerweile auch die eine oder andere Virologin.

Wenn nicht jetzt, wann dann…?

Mit Beginn der Phase 2 zur Bewältigung der Coronakrise am 4. Mai wird die Arbeit in vielen Wirtschaftsbereichen wieder aufgenommen. Die

großen Wirtschaftsverbände – und an ihrer Spitze vorwiegend Männer – setzen sich mit Nachdruck für einen baldigen Neustart ein. Kindergärten und Schulen bleiben bis September geschlossen, an den Voraussetzungen zur Öffnung der Kleinkindbetreuungseinrichtungen wird derzeit gearbeitet. „Damit kehren vor allem die Männer an ihre Arbeitsplätze zurück – eine Studie von lavoce.info spricht von einem Neustart von 72% der männlich besetzten Atbeitsplätze -, doch in den Meldungen der Regierung ist kaum von den Frauen die Rede, von den Voraussetzungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Kinderbetreuung. Wir brauchen geeignete Maßnahmen, die es den Frauen ermöglichen, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren und die Familienarbeit gerecht aufzuteilen. Wenn nicht jetzt, wann sollen wir dann gehört werden,“ so Oberhammer.

Frauen- und gleichstellungspolitische Forderungen

In der Intervention an die Ministerin wird die Notwendigkeit der Frauenpräsenz in den Entscheidungsgremien gefordert, um den Anliegen der Frauen eine Stimme zu geben und ihre Leistung in allen wirtschaftlichen, familien- und gesellschaftspolitischen Bereichen anzuerkennen.

Die zentralen Forderungen lauten:

–      eine  angemessene Vertretung von Frauen in der Task Force der Regierung;

–      ein zielführendes Maßnahmenpaket für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Landesbeirat für Chancengleichheit unterstützt die Forderungen der Südtiroler Landesregierung nach einer eigenen Lösung für Südtirol, an der bereits gearbeitet wird. Nur durch ein mutiges, sachbezogenes und schnelles Handeln, wie es zur Bewältigung der Coronakrise angezeigt ist, können Familie und vor allem Frauen entlastet werden. Zugleich wird eine angemessene Vertretung von Frauen in den Gremien der Wirtschaftsverbände gefordert, damit die Frauen ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen können.

 

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