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„Brauchen unsere Mitarbeiter“

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Der komplette Ausfall der Ostersaison führt nicht nur im Westen des Landes zu Einbußen im Tourismussektor. Thomas Walch, HGV-Bezirksobmann im Pustertal, im Interview über Schäden und Prognosen.

Tageszeitung: Herr Walch, die Ostersaison fällt für die Beherbergungsbetriebe im ganzen Land aus. Wie schlimm ist das für das Pustertal?

Thomas Walch: Man muss diesbezüglich klare Unterscheidungen machen. Alle Betriebe, die nahe am Berg sind, hätten nach Ostern noch geöffnet. Für sie sind das also klare Einbußen. Betriebe, die in den Skiregionen liegen, haben 120 Tage lang geöffnet, die anderen nur 90 Tage. Für die Betriebe in der Peripherie, also jene Betriebe, die nicht am Berg gelegen sind, handelt es sich lediglich um eine vorzeitige Schließung.

Wie wichtig ist die Osterwoche für die Pustertaler Betriebe in den Skiregionen?

Die Osterwoche wäre eigentlich sehr wichtig. Natürlich gibt es Ende März und Anfang April Durchhänger, aber die Betriebe im Gadertal, um den Kronplatz und um den Helm müssen mit einen Minderumsatz von 15 bis 20 Prozent rechnen. Dabei handelt es sich nicht um ein Bauchgefühl.

In Zusammenhang mit der ausfallenden Osterwoche für Beherbergungsbetriebe wird häufig vom Burggrafenamt und von Überetsch/Unterland gesprochen. Ist die Situation von Betrieben im Pustertal mit jenen im Westen des Landes zu vergleichen?

Ich persönlich habe einen Betrieb in Partschins und kenne daher beide Seiten. Wir haben im November geschlossen und haben in der Zwischenzeit gebaut. Der Bau wurde mittlerweile eingestellt. Wenn überhaupt, öffnen wir im Sommer. Ich will mich also gar nicht mit dem Burggrafenamt messen, denn der Westen leidet unter den ausfallenden Ostersaison viel mehr als das Pustertal. Dennoch wird es auch im Pustertal ein starkes Minus geben.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Beherbergungsbetriebe zeitnah öffnen dürfen. Ist es für Pustertaler Betriebe besser, wenn sie die Sommersaison aufgeben und sich auf den Winter konzentrieren?

Die Steuerbuchhaltungsbüros des HGV zeigen detaillierte Szenarien aus. Sie geben klare Prognosen ab, wie viel Auslastung es braucht, um kostendeckend zu arbeiten. Wenn man in den wenigen Monaten, in denen man noch arbeiten kann, diese Auslastung nicht generiert, gibt es vor allem in den Skigebieten zahlreiche Betriebe, die nicht öffnen können, weil sie einfach zu hohe Fixkosten haben. Wenn wir in Partschins beispielsweise im Juli öffnen dürfen und bis September arbeiten, können wir uns noch glücklich schätzen. Ich würde die Sommersaison dennoch nicht abhaken. Das ist nämlich zu verfrüht.

Warum?

Es ist jetzt wichtig, dass die Mitarbeiter ein garantiertes Einkommen haben. Die Mitarbeiter sind ein wichtiger Teil des gesamten Tourismussektors. Ich sage das aus tiefster Überzeugung. Deshalb werden – sofern möglich – viele Betriebe wieder im Sommer öffnen, obwohl sie selbst kein Geld einnehmen werden. Wenn wir Gastronomie betreiben können und zumindest unsere italienischen Stammgäste beherbergen können, könnten wir kostendeckend arbeiten. Wir brauchen dazu aber unsere Leute.

Sie haben bereits angesprochen, dass man vorwiegend italienische Gäste anziehen muss…

Was man mit Sicherheit sagen kann, ist dass die wichtigsten Märkte nördlich der Alpen nicht mehr kommen werden. Wenn sie kommen, kommen sie erst in der zweiten Jahreshälfte, daher sind die italienischen Gäste umso wichtiger. Ich bekomme aber täglich Anrufe und Nachrichten von italienischen Stammgästen, die nach wie vor im Juli und August kommen wollen. Mit den italienischen Gästen könnten wir eine Auslastung erreichen, die ausreicht, um kostendeckend zu arbeiten.

Was heißt das konkret für Ihren Betrieb?

Normalerweise haben wir in den Sommermonaten eine Auslastung von rund 80 Prozent. Heuer erwarten wir uns eine Auslastung von 30 Prozent. Das größte Problem ist dabei, dass die Mindestabstände höchstwahrscheinlich beibehalten werden. Das heißt, es dürfen sich weniger Menschen in den Betrieben aufhalten.

Für wie realistisch halten Sie es, dass die kommende Wintersaison unter den normalen Voraussetzungen beginnt?

Das ist jetzt das große Ziel für uns. Natürlich wissen auch wir nicht, was auf uns zukommt, aber die Zahlen der letzten Tage stimmen mich hoffnungsvoll. Auch Helmut Sartori, Präsident der Seilbahnunternehmer, mit dem ich gerade erst gesprochen habe, hat dieses Ziel im Auge.

Interview: Markus Rufin

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Kommentare (3)

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  • exodus

    Laut Aussage muss man vorwiegend italienische Gäste anziehen. Wie die momentane Wirtschaftslage (Gesundheitssituation) ist, muss man erst sehen ob die Italiener die Möglichkeiten haben in den Urlaub zu fahren!

  • keinpolitiker

    Herr Walch, bei ihren Antworten sieht man mal wieder, dass es immer um die großen Betriebe geht.

    Wir kleinen Familienbetriebe sind dem HGV wieder mal sehr egal und kommen in Ihren Äußerungen gar nicht vor.

    Wir leben von den wenigen Gästen die wir unterbringen können, wir haben nicht solch große Umsätze, dass wir in Saus und Braus leben können und wir sind die, welche im Tourismussektor die Steuern zahlen, denn wir können nicht jedes Jahr groß Umbauen, damit man sich die Steuern spart.

    • abodechto

      Wer weiss, vielleicht werden Betriebe wie Ihrer dann gestärkter oder besser aus der Krise hervorgehen. Wer will denn in Zukunft noch in ein 100+ Gäste Hotel ? Auf das 20 m lange Büffet konnten eh viele Gäste schon vorher verzichten. Und was sind solche grosse Hütten noch wert ? Hatten ja schon vor Cv keinen Markt, geschweige denn jetzt.
      Daher schauen Sie nicht zu viel auf andere -;) Denn es gibt eigentlich keinen Grund…

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