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„Nicht vertretbar“

Am Rittner Horn wurde vor zwei Jahren eine Tourismuszone erweitert, auf der nun bis zu 200 Betten entstehen könnten. Die Grünen protestieren dagegen.

von Markus Rufin

Das Rittner Horn ist ein Skigebiet, das nicht gerade durch viele Gäste besticht. Mit drei Liften ist es auch nicht besonders groß. Entwicklungspotenzial ist nur bedingt gegeben. Weil zu wenig Gäste kommen, wollen sich nicht mehr Betriebe am Rittner Horn ansiedeln und weil es zu wenig Betriebe gibt, kommen zu wenig Gäste.

„Die Bettenanzahl war in den letzten Jahren sogar rückläufig, trotzdem wollten wir das Skigebiet irgendwie unterstützen“, erklärt Bürgermeister Paul Lintner.

Doch nun hat die Gemeinde Ritten eine Möglichkeit gefunden, das Problem zu lösen. Die Tourismuszone „Ziegler Egg“wurde vor zehn Jahren ausgewiesen. Vor zwei Jahren wurde der Beschluss gefasst, die Zone von 4.000 auf 12.000 Quadratmeter auszuweiten.

Bis zu 200 neue Hotelbetten könnten dadurch am Rittner Horn entstehen. Ein einschneidender Eingriff, der ohne Frage große Auswirkungen für das Skigebiet und die Fraktion Pemmern zur Folge hätte.

Doch ein Projekt fehlt bisher noch. Derzeit liegt der Antrag auf Erweiterung der Tourismuszone beim zuständigen Amt in Bozen auf. Dieses muss zuerst noch die Abänderung genehmigen, erst dann kann das Projekt erstellt werden. Dieses muss dann wiederum vom Gemeinderat und von der Landesregierung genehmigt werden.

Und dennoch regt sich bereits jetzt Protest gegen die Erweiterung. Die Grünen Ritten sprechen in einer Mitteilung von einem „kaum bekannten Hotelprojekt“, das die Rodung von einem halben Hektar Wald vorsieht.

„Der Verlust des Waldes würde sich nicht nur in eine lange Reihe von Rodungen am Ritten einreihen und einen kleinen Lebensraum zerstören, sondern auch die heute etwas versteckte Talstation mit Parkplatz frei legen“, schreibt Hanno Mayr, Gemeinderat der Grünen.

Die Größe des Hotels alleine bringe nicht die gewünschte touristische Attraktivität, sondern die „beschauliche bauliche Situation in Pemmern auf ein neues Niveau heben“.

Gerade weil die Hotelbetten im Winter leer stehen, sei das Projekt nur wenig sinnhaft. Außerdem stehe es auch um das Skigebiet Rittner Horn nicht gut. Aufgrund der südexponierten und tiefgelegenen Lage, sei das Verschwinden des Schnees nur eine Frage der Zeit. „Eine künstliche Beschneiung wird dann auch trotz öffentlich mitfinanzierter Skigebiets-Infrastrukturen nicht mehr leist- und vertretbar sein“, meint Hanno Mayr.

Mayr erinnert auch an einen gescheiterten Campingplatz in der Nähe. Dort wurde ein großer Neubau errichtet, der mittlerweile aber leer steht.

Die Grünen Ritten fordern den Projektbetreiber auf, die Bürgerinnen und Bürger zeitnah über die geplanten Vorhaben zu informieren und für eine umfassendere Umweltstudie zu sorgen. Mit einer eigenen Eingabe zur vorliegenden Umweltstudie der Projektbetreiber wollen sich die Grünen Ritten kritisch, aber konstruktiv zum Projekt äußern und sich mit den kritischen Stimmen zum Riesenhotel-Bau solidarisch zeigen.

Für Paul Lintner ist die derzeitige Diskussion und Aufregung rund um das Projekt überflüssig. Er erinnert nochmals daran, dass es ein Projekt noch gar nicht gibt: „Wir wissen weder wie groß es wird, noch wie es aussehen wird. Die 200 Betten sind nur eine Indikative, die eine Maximal-Anzahl angibt. Die Diskussion, die man derzeit führt, ist eine hypothetische. Erst sobald das Projekt genehmigt wird, kann man Sorgen äußern.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

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  • fronz

    „Erst sobald das Projekt genehmigt wird, kann man Sorgen äußern.“
    Meistens ist es dann schon zu spät!

  • george

    Das ist die dümmste Aussage, die ein Bürgermeister äußern kann. Sobald das Projekt bereits genehmigt wird, hat die bevölkerung erst recht nichts mehr zu sagen. Will der BM und seine Lobby etwa die Leute an der Nase herumführen bzw die Basisdemokratie abschaffen?

  • rowe

    eine solche große Investition ist großartig. Es werden Arbeitsplätze geschaffen und Zuversicht nach außen getragen. Die Nörgler können m.A. gar nicht die scheinbaren Probleme artikulieren.
    Hoffen wir doch, dass das Projekt umgesetzt wird, es wäre ein Segen für unser Land und Heimat.

    • george

      ‚rowe‘, nicht „ein Segen für unser Land und unsere Heimat“, sondern ein Fluch. Eine Überlastung durch Überborden des Tourismus ist schon jetzt vorhanden. Mehr und mehr und mehr; wo bleibt denn eure Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit bzw. zum Erhalt von Land und Heimat? Das Geld der Wenigen, die sich immer mehr bereichern auf Kosten der Allgemeinheit, könnt ihr nicht essen.

  • heinz

    Jede Erweiterung in Skigebieten in Südtirol ist angesichts des sich rasant entwickelnden, menschengemachten Klimawandels völliger Quatsch.

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