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Willy Valier – Hommage zum 100 jährigen Jubiläum

Anlässlich des 100-jährigen Geburtstag von Willy Valier (Bozen, 1920 – 1968) wird vom Südtiroler Künstlerbund und der Galerie Alessandro Casciaro mit Unterstützung der Gemeinde Bozen eine Ausstellung mit dem Titel „Willy Valier – Hommage zum 100- jährigen Jubiläum“ in der Stadtgalerie Bozen ausgerichtet.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von 25 realisierten Werken, die im Zeitraum Ende der 50iger Jahre bis 1967 geschaffen wurden. Die Werke stammen aus verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen, u.a. dem Museion für Moderne Kunst, der Sammlung Kreuzer und der Sparkasse Bozen. Der Werkumfang von Willy Valier umspannt einen Zeitbogen von nur 15 Jahre und kann in 3 Phasen unterteilt werden. Der erste Zyklus umfasst die Jahre von 1953 bis 1958 und wird durch die erste Ausstellung in Wien in der Galerie Würthle und der 6. Ausgabe der „Regionale d’Arte“ in Bozen eingegrenzt. Diese Werke sind geprägt von fabelartig anmutenden Gestalten, wie Harlekine, Fische und Vögel, die in einem fragilen Gleichgewicht zwischen Fantasie und Realität changieren. Gegen Ende der 50iger Jahre war in Europa und Amerika ein Wandel lesbar, die mit der Verbreitung des abstrakten Expressionismus Einzug hielt; Abstrakte und informelle Kunstrichtungen verbreiteten sich. Repräsentiert von Namen wie Alberto Burri, Antoni Tapies, Jean Dubuffet oder Jean Fautrier spielt die Materialität zusehends eine Rolle in der Malerei. Auch Valier lässt sich von dieser Strömung mitreißen.

Die Reinheit und die Kraft dieses expressiven Ausdrucks sowie die Möglichkeit das Wahre über eine natürliche Verbindung zu erfassen, im Gegensatz zur illustrativen Nachahmung reizt Valier. Damit lässt er die Figuration hinter sich, um die zarten Zeichen des Objekts und des Subjekts in den Verführungen des vollendeten Werks mit Hilfe ungewöhnlicher Medien aufzulösen, sodass durch dreidimensionale Oberflächen neuer Raum geschaffen wird. In dieser zweiten Periode seiner Tätigkeit, experimentiert er über die üblichen Farben hinaus mit ungewöhnlichen Materialien wie Gips, Zement, Sand und Vinavil. Das Material wird zum Forschungsgegenstand, verstanden als eine Einheit, die zu autonomen Bedeutungen fähig ist. (Pierluigi Siena, 1987)

Seit 1962 nähert sich Valier wieder der Figuration. Seine Werke sind nun, befreit von jeglichem formalen Zwang in ihrer Ausdruckskraft. Gekennzeichnet durch den klaren Gebrauch des Zeichens, das sich in die Materialität einschleicht. Zur Strukturierung werden die Inhalte mit persönlichen Bedeutungen angereichert und zu einem erweiterten Bewusstsein geführt: Nicht selten zu kritischen, gar heftigen Kritik an der Gesellschaft und den vorherrschenden Sitten seiner Zeit.

Zusammen mit Hans Ebensperger, Josef Kienlechner und Karl Plattner bleibt Willy Valier bis heute als einer der innovativsten und avantgardistischsten Künstler, die das Territorium nach dem Zweiten Weltkrieg hervorgebracht hat, in Erinnerung. Kunstkritiker wie Gottfried Hohenauer, Pierluigi Siena, Luigi Serravalli oder Künstler, mit denen er auch in enger Freundschaft verbunden war, wie Pierluigi Baratella oder Gino Scarpa, schrieben und beschäftigten sich mit ihm. So will auch diese Ausstellung, das Schaffen von Willy Valier näher bringen, in Erinnerung rufen und ehren.

Willy Valier wurde am 16. Dezember 1920 in Bozen geboren. 1939 schrieb er sich an der Kunstakademie in Florenz ein. 1940, nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterbrach er das Studium, um sich als Freiwilliger bei der deutschen Marine zu melden. 1950 schrieb er sich auf Anraten von Emanuel Fohn und Josef Kienlechner an der Münchner Kunstakademie in der Klasse von Professor Josef Oberberger ein. 1954 gab er das Studium auf und kehrte endgültig nach Seis zurück. 1966 trat er der Kommunistischen Partei Italiens bei.

Willy Valier starb am 2. September 1968 in Senigallia.

1950 wurden Valiers Arbeiten anlässlich einer Gemeinschaftsausstellung des Südtiroler Künstlerbundes in Bozen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. 1952 stellte er in Einzelausstellungen in Bozen und in der Galleria La Scaletta in Bologna aus und 1953 in der Galerie Würthle in Wien.

Die Teilnahme an nationalen Ausstellungen und Wettbewerben ermöglicht Valier den Einstieg in die italienische Kunstszene: 1952 nahm er am „Borletti-Preis“ in Mailand teil, 1958 am „Modigliani-Preis“ in Livorno und 1959 am „Bergamo-Preis“ und am namhaften „Bronze Wettbewerb“in Padua.

1958 nahm er zusammen mit Lotte Geier-Paluselli an der Weltausstellung in Brüssel teil, 1960 an der „Internationalen Ausstellung für abstrakte Kunst“ in Pistoia. Im selben Jahr stellte er in der Stadtgalerie Bozen seine ersten Materialarbeiten aus. 1961 im Kunstpavillon in Innsbruck und anschließend in Stuttgart und Heilbronn. Im selben Jahr nahm er auch an einer Gemeinschaftsausstellung italienischer Künstler in Damaskus in Syrien und in Alexandria in Ägypten teil. 1962 folgten zwei Ausstellungen in Venedig, in der Galleria XXII Marzo und in Mailand in der Galleria Pater. 1963 stellte er in Kopenhagen, Malmö, Göteborg und Venedig aus. 1964 eröffnete er seine erste Einzelausstellung in der Goethe-Galerie in Bozen, gefolgt von weiteren Einzelausstellungen in den Jahren 1967, 1998 und 2012. 1987 war die große Retrospektive im Museum für Moderne Kunst, 2002 in Schloß Kastelbell im Vinschgau.

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