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Hochwertige Betreuung

Unter Leitung der Freien Universität Bozen entsteht derzeit in enger Zusammenarbeit mit der Familienagentur des Landes sowie Fachkräften aus der Praxis und der Landesfachschulen der erste Rahmenplan für frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung für Kinder im Alter bis drei Jahre.

Bei einem Workshop am Donnerstag setzten sich die Beteiligten gemeinsam mit der Entwicklung von bestmöglichen Rahmenbedingungen und Standards für eine qualitativ hochwertige Betreuung der jüngsten Mitglieder der Gesellschaft auseinander.

Aktuelle Studien zeigen, dass Kinder, die vor ihrem dritten Lebensjahr mindestens ein Jahr in qualitativ hochwertiger institutioneller Betreuung waren, einen Bildungsvorsprung in Bezug auf sprachlich-kognitive Entwicklung und soziale Kompetenzen haben, der sich mindestens bis zum Ende der Grundschulzeit zeigt. Für Italien dokumentiert dies beispielsweise der diesjährige Bericht „Il miglior inizio“ von „Save the children“. Auch der Europäische Rat verweist auf den gesellschaftlichen Gewinn qualitativ hochwertiger Betreuung, da so betreute Kinder in den internationalen Vergleichsstudien wie PIRLS und PISA höhere Punktezahlen in Sprachkompetenz und Mathematik erreichen.

Nachdem in Südtirol in den vergangenen Jahren der Ausbau der flächendeckenden Verfügbarkeit von Kleinkindbetreuungsplätzen im Vordergrund stand, steht nun die weitere Qualitätssicherung der Betreuungsangebote und deren Rahmenbedingungen auf dem Programm. Im Auftrag der Provinz wird unter Leitung von Prof.in Ulrike Loch und der Forscherin Laura Trott von der Fakultät für Bildungswissenschaften der unibz seit einem Jahr am ersten Bildungsplan für diese Altersstufe gearbeitet.

„Die Idee war, diesen Rahmenplan von Beginn an in möglichst enger Abstimmung mit allen Beteiligten zu entwickeln, damit spezifische lokale Gegebenheiten und Bedürfnisse berücksichtigt werden und somit eine möglichst große Akzeptanz erreicht werden kann“, sagt die Professorin für Soziologie an der Freien Universität Bozen. In Fokusgruppen und Workshops setzen sich Pädagoginnen der Familienagentur des Landes und Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis (Kinderhorte, Kindertagesstätten sowie Tagesmütter/väter) sowie der Landesberufsschulen Hannah Arendt und Emmanuel Lévinas gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen der unibz zu Themen wie Interaktionsqualität, Sprachenerwerb, Familien-Fachkräfte-Kooperationen, Lebens- und Sozialraum sowie Professionalität auseinander. Beim mittlerweile dritten Workshop am gestrigen Donnerstag wurden Ergebnisse der einzelnen Fokusgruppen präsentiert. Darüber hinaus sprach Prof.in Anna Aluffi Pentini von der Universität Roma Tre über die Bedeutung von Bindungen für die Entwicklung von Kleinkindern in der Familie und in Institutionen.

Ein wichtiges Ziel der Arbeit am Rahmenplan ist, die Qualität der Zusammenarbeit von Kleinkindbetreuungsdiensten und den Familien der Kinder zu stärken. „Während in der Theorie auf die Fachkräfte-Eltern-Kooperation gesetzt wird, sind wir durch den stark partizipativen Prozess zum Schluss gekommen, dass in der Südtiroler Realität die ganze Familie einbezogen werden sollte, also auch Großeltern und andere Verwandte, die hierzulande stark in die Kindererziehung involviert sind“, sagt Ulrike Loch. Grundlegend für den Rahmenplan ist laut der Professorin der unibz die Berücksichtigung von Südtiroler Besonderheiten wie der Mehrsprachigkeit oder der Tatsache, dass Kinder beim Eintritt in die Betreuungsstrukturen im Vergleich mit den Ballungszentren tendenziell älter sind. „In Südtirol besuchen Kinder die Kleinkindbetreuungsdienste vorwiegend nach Vollendung des ersten Lebensjahrs“, so Loch.

Nach Abschluss des letzten Workshops wird in den kommenden Monaten intensiv an der Fertigstellung des Rahmenplans gearbeitet werden. Eine erste Version soll dann im Frühjahr 2020gemeinsam mit Familienlandesrätin Waltraud Deeg, der Familienagentur und allen weiteren Beteiligten vorgestellt werden. Das Ergebnis der intensiven Arbeit wird sich aber nicht nur auf einheitliche Bildungsstandards für die Kleinkinderbetreuung aller drei Sprachgruppe beschränken. „Die intensive gemeinsame Auseinandersetzung von Fachkräften aus Wissenschaft und Praxis war so produktiv und hat allen so viel Freude bereitet, dass bereits der Wunsch an uns herangetragen wurde, die Kooperation bei der Implementierung des Bildungsplans fortzusetzen“, sagt Ulrike Loch.

 

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