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Das Gasthaus-Sterben

Helmut Tauber

Wenn das letzte Gasthaus schließt, verliert das Dorf seinen Mittelpunkt. Landtagsabgeordneter Helmut Tauber beobachtet mit Sorge das fortschreitende Gasthaussterben in Südtirol und fordert eine zielgerichtete Sonderbestimmung, welche die Unterstützung kleiner Dorfgasthäuser und Dorfbars vorsieht. Er hat dazu einen Beschlussantrag eingereicht.

In Zusammenarbeit mit den Interessensvertretern soll die Südtiroler Landesregierung eine Sonderbestimmung ausarbeiten, welche Maßnahmen zur Unterstützung der gastgewerblichen Nahversorgung zum Inhalt hat. Damit soll verhindert werden, dass noch mehr kleine Dorfgasthäuser und Dorfbars ihre Türen für immer schließen.

„Dorfgasthäuser und Dorfbars spielen eine zentrale Rolle für die Dörfer und Fraktionen in unserem Land. Sie sind der soziale Mittelpunkt, das Zentrum des dörflichen Miteinanders. Hier trifft man sich am Stammtisch zum Kartenspiel, zum Frühschoppen nach dem Kirchgang oder beim Familienessen am Sonntag“, sagt Tauber. Kaffeeplausch oder Vereinssitzung – vieles spiele sich im berühmten „Löwen“, im „Adler“, in der „Krone“ oder in der „Post“ ab.

Oder besser gesagt: Vieles spielte sich dort ab. Denn immer mehr Gasthäuser und Dorfbars schließen ihre Türen. Tauber kennt die Gründe: „Dorfgasthäuser und Dorfbars sind mit großen Rentabilitätsproblemen konfrontiert. Teils müssen sie sich mit neuen Konkurrenten auseinandersetzen, mit modernen Bistros etwa oder mit Kebab-Buden, Pizzarien und asiatischen Imbissständen.“ Zudem fehle es den Wirtinnen und Wirten oft an Personal oder an geeigneten Nachfolgern/innen. Die Bürokratie sei aufwendig, die Arbeitskosten seien hoch, und die Arbeitszeiten wenig attraktiv. „Für viele ist ein Weitermachen zu mühsam und schlichtweg nicht mehr tragbar“, weiß Tauber.

Um die Revitalisierung und Aufrechterhaltung von kleinen Dorfgasthäuser und Dorfbars zu unterstützen, bedarf es, ähnlich wie für den Handel, Sondermaßnahmen zu Gunsten der gastgewerblichen Nahversorgung zu treffen. „Tirol hat es uns vorgemacht: Am 2. Oktober hat die Tiroler Landesregierung beschlossen, dem Wirtshaussterben vehement entgegenzutreten und hat dazu ein entsprechendes Maßnahmenpaket beschlossen. Unter anderem sind darin Prämien für Wirtshausübernehmer sowie ein Direktdarlehen für Kleinstunternehmer vorgesehen“, sagt Tauber. Er wünscht sich, dass auch der Südtiroler Landtag solche oder ähnliche Maßnahmen erarbeitet und unterstützt – zu Gunsten der gastgewerblichen Nahversorgung und der traditionellen Südtiroler Wirtshauskultur. Taubers Beschlussantrag wird voraussichtlich Anfang November im Südtiroler Landtag behandelt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

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  • drago

    Auf der einen Seite werden Probleme aufgelistet und auf der anderen Seite Maßnahmen gefordert (von dene 2 zitiert werden: Prämien für Wirtshausübernehmer sowie ein Direktdarlehen für Kleinstunternehmer). Nur leider haben die zitierten Maßnahmen nun gar nichts mit den Problemen zu tun. Tauber will wohl auch wieder mal in die Zeitung kommen; seine Wähler sollen wissen, dass er noch da ist.

  • noando

    wenn man früher etwas in erfahrung bringen wollte, musste man unter die leute – eben auch ins gasthaus. soziale medien oder generell das handy erspart einem den gang ins gasthaus.

    verkürzte öffnungszeiten und rauchverbote haben auch an der zahl der bargänger genagt.

    dann wütet noch der herr nachbar, weil er um zehn uhr abends, von abziehenden kunden geweckt wird.

    das betreiben einer dorfbar ist alles andere als einfach. ob gäste jetzt vermehrt wieder einkehren, weil der barbesitzer gefördert wird, ist fraglich. ob eine dorfbar offen bleibt, weil einmalige eine unterstützung gewährleistet wird, die besucherzahlen aber gleich nieder bleiben, ist ebenso fraglich.

    meiner meinung nach besteht zu wenig interesse der allgemeinheit, dorfbar’s am leben zu erhalten. in zu vielen ist das eigene interesse wichtiger, und eine bar in der nachbarschaft nicht immer gewünscht. angebot und nachfrage – die zeiten haben sich geändert … und werden sich wieder ändern … es braucht keine förderung, meiner meinung nach zu wenig positiver effekt.

  • camborio

    Auch in den Dörfern, in denen die Gasthäuser noch nicht alle „gestorben“ sind, ist im Winter vielfach kein einziges geöffnet. Nach Dreikönig machen alle dicht. Kommt man z. B. als Sonntagsausflügler in eine der wegen ihres touristischen Standards sich rühmenden Ortschaften, steht man oft vor lauter verschlossenen Türen. Meiner Meinung nach dürften das die Bürgermeister nicht zulassen. Sie sind für Öffnung und Schließung der gastgewerblichen Betriebe zuständig.

  • ringo0511

    Bin sehr oft ins Gasthaus gegangen aber die Preise für ein Cappuccino von 2€ sind mir ehrlichgesagt zuviel.

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