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Schwieriges Erbe

Eine hochkarätig besetzte Vortragsreihe an der Freien Universität Bozen beschäftigt sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem schwierigen Erbe des Pariser Friedens.

Welche langfristigen Folgen hatten die Friedensverträge von 1919/20? Und inwiefern wirkte sich die Pariser Ordnung auf ‚alte‘ und ‚neue‘ Minderheiten aus? Eine hochkarätig besetzte Vortragsreihe an der Freien Universität Bozen beschäftigt sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem schwierigen Erbe des Pariser Friedens. Am 18. Oktober beleuchtet der Völkerrechtler Christian Pippan das Konzept des international überwachten Minderheitsschutzes.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges berieten die alliierten Siegermächte auf der Pariser Friedenskonferenz über die Nachkriegsordnung. Die Unterzeichnung der Friedensverträge jährt sich 2019/20 zum hundertsten Mal. Die vom Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen aus diesem Anlass von Oktober 2019 bis Januar 2020 organisierte Vortragsreihe fragt nach dem Stellenwert der Friedenskonferenz und der in Paris geschlossenen Verträge als Grundlage für eine globale Neuordnung. In einem ersten Teil von Vorträgen geht es um die allgemeine historische Einordnung des Pariser Friedens, um die Bedeutung der Friedensverträge von St. Germain und Trianon sowie um die Rolle des Minderheitenschutzes im Kontext der Pariser Konferenz. Im zweiten Teil werden in mehreren Vorträgen verschiedene regionale Fallbeispiele präsentiert und diskutiert.

Der nächste Vortrag in der Reihe wird am 18. Oktober 2019 vom Völkerrechtler Christian Pippan gehalten. Er spricht zu „Der Schutz nationaler Minderheiten im Kontext der Pariser Friedenskonferenz“. Im Rahmen der Pariser Konferenz von 1919/20 wurden mit den Zentralmächten des Ersten Weltkrieges bzw. deren Rechtsnachfolgern umfassende Friedensverträge geschlossen, die in Summe zu einer dramatischen Neuordnung der europäischen Staatenwelt führten. Zum Teil in Anwendung der von US-Präsident Wilson propagierten Selbstbestimmungsdoktrin, zum größeren Teil jedoch schlicht als Ergebnis strategischer Überlegungen auf Seiten der Siegermächte, wurden neue Staaten geschaffen, die Grenzen bestehender Staaten verändert, Siedlungsgebiete geteilt und Bevölkerungsgruppen von einem dem anderen Staat zugeschoben. Der sich damit in zahlreichen – neuen und alten –  Staaten in neuer Schärfe stellenden Problematik des Verhältnisses zwischen nationaler Mehrheit und nationalen Minderheiten versuchte man in Paris durch die Etablierung eines in dieser Form völlig neuartigen Systems eines international überwachten Minderheitenschutzes zu begegnen.

Referent Christian Pippan

Dieses ruhte im Kern auf völkerrechtlich – zumeist in bilateralen Abkommen – statuierten Schutzverpflichtungen, die jeweils mit einer Garantie des ebenso im Zuge der Pariser Konferenz neu errichteten Völkerbundes, dem Vorgänger der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Vereinten Nationen, bewehrt waren. Die damit intendierte „überstaatliche“ Gewährleistung der in Rede stehenden Verpflichtungen verblieb in der Folge freilich weitestgehend im Bereich der Theorie. Im Vortrag werden die Architektur des Minderheitenschutzsystems der Völkerbundzeit, die Gründe für dessen letztliches Scheitern, aber auch seine Nachwirkungen für den nach 1945 schrittweise auf neue Beine gestellten Minderheitenschutz in Europa näher beleuchtet.

Mag. Dr.iur. Christian Pippan ist Assistenzprofessor am Institut für Völkerrecht und internationale Beziehungen der Karl-Franzens-Universität Graz. Er absolvierte ausgedehnte Forschungsaufenthalte an der New York University School of Law, am Max-Planck Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg und am Lauterpacht Centre for International Law der Universität Cambridge. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Bereiche Selbstbestimmung und Staatlichkeit, Demokratie und Völkerrecht sowie Internationalisierung des nationalen Verfassungsrechts.

Der Vortrag von Christian Pippan findet am 18. Oktober 2019 um 17.30 Uhr im Hörsaal C4.01 am Campus Bozen der Freien Universität Bozen,Universitätsplatz 1 statt.

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