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Der erste Entwurf

Das Land hat am Mittwoch einen ersten Entwurf zum „Bereichsübergreifenden Kollektivvertrag“ für die Landesbediensteten vorgelegt. Die Gewerkschaften sind enttäuscht.

Trotz Urlaubszeit gehen die Verhandlungen zum „Bereichsübergreifenden Kollektivvertrag“ (BÜKV) für die rund 33.000 öffentlich Bediensteten des Landes weiter. Bei der Verhandlungsrunde am Mittwoch stellte die Verhandlungsdelegation der öffentlichen Verwaltung den Gewerkschaften einen ersten konkreten Entwurf des Teilvertrages Punkt für Punkt vor. Noch vor den detaillierten Vorschlägen des Teilvertrages zeigte sie den finanziellen Rahmen und die sich daraus ergebenden Spielräume auf.

Generaldirektor Alexander Steiner erinnerte daran, dass mit dem Nachtragshaushalt nun das Land seinen Anteil am 310 Millionen Euro umfassenden Gesamtpaket gesichert hat. „Damit wurden die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Maßnahmenpaketes geschaffen, die nötigen Gelder stehen zur Verfügung“, erklärte Steiner. Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher sieht damit sein früheres Versprechen erfüllt: „Wir hatten immer gesagt, dass die im ersten Entwurf genannten zwei Millionen Euro nur ein Platzhalter sind, den wir im Zuge der Verhandlungen durch konkrete, realistische Zahlen ersetzen werden.“

Der Generaldirektor des Landes hob in der Verhandlung hervor: „Es ist dies ein erster konkreter Vorschlag: Eine Diskussionsgrundlage, die wir nun auf den Tisch gelegt haben und gemeinsam mit den Gewerkschaftsvertretern diskutieren und analysieren wollen.“ Es wurde vereinbart, dass die Gewerkschaften bis zum nächsten Treffen am Montag, 19. August eine unter ihnen koordinierte Rückmeldung zu den einzelnen Punkten des Maßnahmenpakets geben.

Steiner ist zuversichtlich, „dass der eingeschlagene Weg der richtige ist und es gelingen wird, konkrete Fortschritte hin zu einer Einigung zu machen.“ In einigen Punkten drängt übrigens die Zeit: So ist für einige Maßnahmen – zum Beispiel die Essensgutscheine – die Finanzierung bereits ab Oktober gesichert.

Das Maßnahmenpaket trägt laut Steiner den in Südtirol höheren Lebenshaltungskosten Rechnung. Er erinnerte daran, dass zusätzlich zu den 3,0 Prozent der gesamtstaatlichen Inflationsanpassung IPCA ein zusätzlicher Südtirol-Index (Harmonisierter Verbraucherpreisindex HVPI)eingeführt wurde. Damit kann eine zusätzliche Inflationsanpassung von 1,8 Prozent gewährt werden. Im Dreijahreszeitraum 2019-2021 ist somit eine Lohnanpassung von insgesamt 4,8 Prozent vorgesehen.

Enttäuschte Gewerkschaften

Die Gewerkschaften zeigen sich nach dem Treffen enttäuscht. „Im Prinzip sprechen wir immer vom gleichen: Wir reden von den Essensgutscheinen, von Leistungslohn, Koordinierungszulage und Zweisprachigkeitszulage. Dafür wäre das Geld ja da, aber der Verhandlungsspielraum fehlt uns aktuell“, sagt Karin Wellenzohn vom ASGB.

Die Gewerkschaften würden sich so schwer tun. Daher werde es nächste Woche ein Gewerkschaftstreffen geben, bei dem ausgelotet wird, wo der größte Spielraum vorhanden ist.

Nach derzeitigen Informationsstand habe man wohl bei der Leistungsprämie den größten Verhandlungsspielraum, so Wellenzohn: „Ansonsten sind wir sehr eingeschränkt. Das ist ein Problem.“

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (8)

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  • pingoballino1955

    4,8 % Herr Renzler,hatten sie nicht grosspurig in den Medien von über 10% gesprochen???

  • tald

    Schon allein aufgrund dieser Vogel friss oder stirb-Methode des Herrn Steiner müssten die Gewerkschaften strikt ablehnen. Weitere Gründe dafür: Die bereitgestellten Finanzmittel sind gering, werden großteils erst ab 2021 verfügbar und decken die Inflation der letzten 9 Jahre von 16,5 % nicht ab. Zumindest die Verteilung dieser Gelder sollten die Gewerkschaften vorgeben können. Eine Erhöhung der Grundgehälter nur für Neueinsteiger ist nicht im Interesse der Gewerkschaften und ihrer Mitglieder und darf nicht auf Kosten aller anderen Bediensteten erfolgen.

    • asterix

      Stimmt, warum gerade nur die Neueinsteiger? Weil der Herr Steiner selbst ein Neueinsteiger ist und gleich 60.000 Euro mehr erhält als sein Vorgänger? Das sieht so aus als sollten die „Alten“ noch so richtig ausgelutscht werden vor sie ausgemustert werden.

  • asterix

    Die Gewerkschaften sollten sich so langsam mit dem Gedanken anfreunden das Land so richtig in die Knie zu streiken. Das ist die einzige Sprache die solche Herren am ´Ende verstehen. War schon früher so und ist heute auch nicht anders. Nur betteln bringt nichts. Wer nicht hören will, muss fühlen. Immer wenns gebraucht wird, ist der Staat schuld.

  • unglaublich

    Die Gewerkschaften verhalten sich so, als ob sie keine Macht hätten. Das ist doch kein Verhandlungsgespräch, da kommen Vorgaben von einer Seite, die von der anderen Seite in Empfang genommen werden. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein liebe GewerkschaftsvertreterInnen.

    • ralf

      Genau etwas mehr Selbstbewusstsein bitteschön.
      Streiken ansonsten bring das alles nichts.

      100,00€ Brutto auf 3 Jahre aufgeteilt ?? Das sind Netto circa 22,00€/Monat im ersten Jahr. 22,00€/1,20 € = 18,33 Café/Monat.

      Also ist es nicht mal mehr ein Café pro Tag den man sich mehr leisten kann ?!!!

      Mit dem Kollektivvertrag für die Führungskräfte vom 10.08.2018 bekommt eine Führungskraft in einer kleinen Gemeinde Brutto um die 12.000,00 mehr/pro Jahr.

      Es werden schon Führungskräfte sein, ich frage mich nur wieso man sich oftmals rechtlich und technisch alles selbst erarbeiten muss ??!

  • yannis

    @alle hier vor mir,
    Ihr habt absolut recht, insbesondere mit in die „Knie streiken“ aber bei Gewerkschaftern die denen aus der Hand fressen wird’s leider, leider Nichts,
    Es beschleicht einen zunehmend das Gefühl, die Gewerkschafts-Funktionäre bekommen von der Gegenseite „ihre persönlichen Schäfchen“ ins Trockene, oder haben es schon da.

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